Der politische Aschermittwoch ist vorbei, da setzt sich Nancy Faeser an einen großen Tisch im Frankfurter SPD-Haus und geht in die Verlängerung.
Sollte Rhein OB werden könne man „endlich wieder inhaltlich diskutieren“
Foto: Alex Kraus
Sollte Rhein OB werden könne man „endlich wieder inhaltlich diskutieren“
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Der politische Aschermittwoch hat eine lange Tradition als eher derbe Variante des Schlagabtauschs, es ist deshalb an diesem Aschermittwoch zu allerlei Fernscharmützeln gekommen zwischen den Kandidaten der Oberbürgermeisterwahl. Und als dieser Aschermittwoch dann um war und Rhein auf Wissler, Wissler auf Feldmann, Feldmann auf Heilig und alle auf Rhein kräftig eingedroschen hatten, da setzte sich Nancy Faeser an einen großen Tisch im Frankfurter SPD-Haus und ging in die Verlängerung.
Man muss dazu sagen, dass Faeser als innenpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Landtag so etwas wie die natürliche Widersacherin des Innenministers ist. Man kann ihr Anliegen also auch eine Bilanz nennen. Und die fällt alles andere als gut aus.
Angefangen bei der Affäre um die ehemalige Präsidentin des Landeskriminalamtes über das Verbotsverfahren gegen die Hells Angels und die Auseinandersetzung mit der NPD bis hin zur Kriminalitätsstatistik tue Boris Rhein (CDU) „immer nur dann etwas, wenn es gar nicht anders geht“, so Faeser. In eineinhalb Jahren Amtszeit habe der Innenminister „so gut wie keine inhaltlichen Initiativen“ vorzuweisen.
In der Affäre um Sabine Thurau, die als LKA-Chefin gegen einen Beamten uneidlich falsch ausgesagt haben soll, zeige sich, „dass Rhein nicht in der Lage ist, Entscheidungen zu treffen“, so Faeser. Der Fall sei bis heute nicht aufgeklärt, es gebe kein ordentliches Verfahren, stattdessen werde vom Ministerium Druck ausgeübt und Angst verbreitet. An der Hierarchie in den Behörden habe sich nichts geändert, sagte Faeser. „Rhein ist nicht handlungsfähig, das zeigt die Art und Weise, wie er mit solchen Problemen umgeht.“ Im Verbotsverfahren gegen die Hells Angels offenbare sich zudem „die andere Seite von Boris Rhein: seine Effekthascherei“. Nur wenige Wochen nachdem das Nachrichtenmagazin Der Spiegel eine Geschichte über vermeintliche Kontakte des Ministers zu den Rockern gebracht hatte, habe Rhein deren Frankfurter Clubhäuser durchsuchen lassen und das Verbotsverfahren gegen die Hells Angels eröffnet.
Foto-Test: Wer erkennt die OB-Kandidaten?
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Foto-Test: Wer erkennt die OB-Kandidaten?
Bild 2:
Für manche ist das Herr Rhein. Stimmt aber nicht. Doch zugegebenermaßen: Die Brillen ähneln sich.
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Bild 4:
Er kommt gut an beim Volk, erzielt mit Abstand die höchsten Bekanntheits- und Sympathiewerte. Aber ist er auch OB-Kandidat?
"Ich kenne mich nicht aus, ich komme einfach nicht zum Fernsehen - zu viele Kinder!", sagt eine Passantin.
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Bild 3:
"Den kenne ich vom Plakat."
Und von einem frisch Zugezogenen kommt das niederschmetternde Urteil: "Da ist keiner dabei, von dem ich sagen würde, der wirkt auf mich zugleich sympathisch und kompetent."
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Bild 5:
Er ist den Frankfurtern auf der Straße so gut wie gar nicht bekannt.
Foto: Andreas Arnold
Bild 6:
"Gehört zu den Linken."
Und: "Das ist die Kugelstoßerin? Die Speerwerferin?"
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Bild 7:
"Der sieht sympathisch aus, der könnte das Amt erfüllen."
Und: "Der sieht nach Erfahrung aus und hat nicht so ein aufgesetztes Lächeln. Andere sehen aus, als würden sie für die Zahnpasta-Werbung kandidieren."
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Bild 8:
"Diesen freundlichen dunklen Herren kenne ich nicht."
Und: "Er gehört zur SPD Gallus - wegen Kamerun".
Foto: Michael Schick
Bild 9:
"Wer war diese Frau jetzt gleich?"
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Bild 10:
"Von den Tagesthemen?"
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Bild 11:
"Wer ist denn dieser junge Herr?"
Und: "Das ist auch irgendjemand."
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Bild 12:
"Die kenne ich vom Plakat."
Und: "Das ist Jutta Ebeling."
Foto: Michael Schick
Bild 13:
"Ist das der Wallmann?"
Und: "Der sollte sich den Pickel wegmachen lassen."
Und: "Das ist der Dingsbums."
Foto: Rolf Oeser
Bild 14:
"Noch ein Sportler?"
Und: "Das ist Superman."
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Bild 15:
Einige erkennen allein ihn auf den Fotos.
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Bild 16:
"Kenn ich net. Ferdisch."
Hier kommt die Auflösung:
Rosemarie Heilig, Grünen-Kandidatin.
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Oliver Maria Schmitt, Partei-Kandidat.
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Heinz Schenk, Blauer-Bock-Wirt a.D.
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Boris Rhein, CDU-Kandidat.
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Carl Maria Schulte, unabhängiger Kandidat.
Foto: Andreas Arnold
Betty Heidler, Hammerwurf-Star.
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Peter Feldmann, SPD-Kandidat.
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Jean Jules Tatchouop, unabhängiger Kandidat.
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Janine Wissler, Linke-Kandidatin.
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Franziska Reichenbacher, Lottofee.
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Jan-Aage Fjörtoft, Fußball-Legende.
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Ursula Fechter, FAG-Kandidatin.
Foto: Michael Schick
Andreas von Schoeler, Alt-OB.
Foto: Rolf Oeser
Herbert Förster, Piraten-Kandidat.
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Dieter Bohlen, Superstar-Sammler.
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Harald Frenzel, unabhängiger Kandidat.
16 Bilder aber nur zehn OB-Kandidaten: Die FR fragte Bürger auf der Straße, wer von diesen Leuten zur OB-Wahl antritt. Die FR traf bei ihrer Umfrage manchen Kenner, Unentschlossene und viel Lachkompetenz. Lesen Sie, was die Menschen im FR-Test unter anderem zu den Fotos sagten. Und: Wie gut kennen Sie sich aus?
Bild 1:
Die Dame auf diesem Bild ordnen viele Passanten den Grünen zu. Ob's stimmt?
Foto:
dpa
Fotostrecken Frankfurt
Fotostrecken Frankfurt
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Fotostrecken Frankfurt
Fotostrecken Frankfurt
Fotostrecken Frankfurt
Wahlplakate der OB-Bewerber im FR-Check
Bildergalerie ( 8 Bilder )
Wahlplakate der OB-Bewerber im FR-Check
Der Weiche:
So viel Weichzeichner war nicht mehr, seit David Hamilton 1980 „Zärtliche Cousinen“ verfilmte. Leider macht es die Wischiwaschi-Optik unmöglich, den Titel des Buches, aus dem Vater Rhein vorliest, zu entziffern. Vielleicht „Hell’s Angels“ von Hunter S. Thompson? Gutes Buch, aber für Kinder ungeeignet. Und für Boris Rhein auch. Dann vielleicht doch eher eine Druckfahne von „Petra Roth – Die Biografie“. Aber warum ist der Bub’ dabei weggeratzt?
Foto: Alex Kraus
Der Hohe:
Hinter Peter Feldmann, dem Bewerber mit der SPD im Rücken, verblasst die Stadt, deren höchste Häuser er mühelos überragt. Der legere Auftritt im Anzug korrespondiert mit dem Verzicht auf einen Langbinder – auffällig, dass nur zwei der Männer auf dieser Seite eine Krawatte tragen, und der eine will nicht mal OB werden. Feldmann hingegen, das drückt seine Haltung aus, will. Wenn die Wähler ihn lassen, nimmt er auch die Hände aus den Taschen.
Foto: Alex Kraus
Direkt Flug:
Ursula Fechter lässt sich nicht auf ein Thema reduzieren, das drückt ihre Haltung, ihr Gesichtsausdruck, ihre Frisur – alles drückt das aus. Die Kandidatin aus den Reihen der Flughafenausbaugegner sagt es uns freundlich, aber auch bestimmt: dass unsere Gesundheit vorgeht (was der Herr Schmitt zu ihrer Rechten sicher auch so sieht) und dass es zu laut ist in unserem hübschen Metropölchen (ähnlich wie Frau Wissler, links, von der Linken). Irgendwas in ihrer Erscheinung lässt uns trotzdem dauernd an den Flughafen denken.
Der Schrei:
Wir sehen im Zentrum des Werkes eine Person mit weit geöffnetem Mund, an den Kopf gelegten Armen und leeren Augen. Eine Szene, grotesk verzeichnet, in Farben wiedergegeben, die nicht der äußeren Wirklichkeit entsprechen. Von der eigenen inneren Hölle ausgehend, visualisiert Edvard Munch eine desperate Seite des Fin de siècle: Angst und Apokalypse. Oder anders: Wer schreit, ist gegen Lärm. Das Motiv hat nichts von seiner Überzeugungskraft eingebüßt.
Keine Panik:
Der etwas verwirrt, aber friedlich dreinblickende Senior, der liebevoll hinter Rosemarie Heilig ins Bild retuschiert worden ist, weiß, dass mit einer OB Heilig sein mittwöchlicher Bingo-Abend auch in Zukunft gesichert ist. Allen wohl und niemand weh, so ist es seit Jahren Tradition bei den Frankfurter Grünen, und auch dieses Wahlplakat kommt mit der Verve einer Waschmittelwerbung einher. Einst Zeit waren die Grünen für originelle Plakate bekannt. Aber da trug der Senior im Hintergrund auch noch keine Krawatte.
Aller Held:
Ein Mann fliegt seinen Weg, die Sonne im Gesicht, Zuversicht im Blick – dabei will Herbert Förster von der Piratenpartei gar nicht alleiniger Superherbert sein. „Mit Herbert als Oberbürgermeister sind wir alle ein Stückchen Superheld“, verspricht er auf seiner Website wir-sind-herbert.de. Während der Slogan inhaltlich überzeugt, wirkt das Gesamtwerk überfrachtet: Viel zu lesen, wird manch potenzieller Wähler womöglich sagen. Und die Welt im Hintergrund? Kühlblau, ein Vorgriff auf die kalten Tage, die nun folgen?
Racker Rauchzart:
Als die FDP noch eine anständige Partei war, wollte sie einst das Rauchen wieder erlauben. Da hat zwar nicht geklappt, doch dafür ist heute Jörg-Uwe Hahn, „Mensch und Macher“, stellvertretender Ministerpräsident. Das hat vorher keiner geglaubt. Selbst Oliver Maria Schmitt nicht, und der glaubt viel, wenn der Tag lang ist. Jetzt glaubt Schmitt, Oberbürgermeister zu werden. Das Wahlplakat wirkt hochprofessionell. Ist es auch: mit sowas hat die „Titanic“-Redaktion ja Erfahrung.
Im Jahr 2001 gewann Petra Roth die Oberbürgermeister-Wahl mit diesem Plakat. Nun sind andere dran: Seit dem Wochenende dürfen Bewerberinnen und Bewerber ums Oberbürgermeisteramt an die Wand kleben, was das Zeug hält. Hier kommen die Plakate im FR-Check.
Foto:
FRFOTO
Fotostrecken Frankfurt
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Während andere Minister in der Landesregierung, an denen sie inhaltlich durchaus Kritik übe, bei Problemen in von ihnen übernommenen Ministerien mit sichtbaren Aufklärungsversuchen reagierten, wie etwa Finanzminister Thomas Schäfer (CDU), reagiere Rhein immer nur, „wenn wir laut intervenieren“, so Faeser.
Im Wahlkampf falle überdies auf, dass ausgerechnet der Kandidat, der auch Innenminister sei, „zur Sicherheit in der Stadt nichts zu sagen hat“, so Faeser. „Das liegt daran, dass er angesichts der Kriminalitätsstatistik nichts vorzuweisen hat.“ Rhein rede nur, „wenn er gut dastehen kann, wenn es öffentlichkeitswirksam ist. Aber er arbeitet nicht.“
Es hätte insofern wenigstens etwas Gutes für Nancy Faeser, wenn Boris Rhein zum Frankfurter OB gewählt werden sollte: Sie wäre ihn los, könnte „endlich wieder inhaltlich diskutieren“. Dafür wünsche sie sich einen Nachfolger, „der seriös arbeitet“.
Auf die Frage, ob sie Rhein denn im Umkehrschluss für unseriös halte, sagte sie schlicht: „Ja.“