Boris Rhein, der am 2. Januar 40 Jahre alt wird, ist keiner, der mit dem Charme eines neuen, unverbrauchten Thronfolgers überzeugen kann. Er macht Politik seit Teenagertagen, mit Vater Peter Rhein, der mal Dezernent war (für die SPD), ist er ohnehin familiär vorbelastet.
Rhein, einstmals JU-Vorsitzender und Dezernent in Frankfurt, noch Kreisvorsitzender und amtierender hessischer Innenminister, kennt alle Tricks und Kniffe in der Politik. Er weiß, wie das ist, wenn man vom politischen Gegner scharf, manchmal auch unfair angegangen wird. Rhein kann auch kräftig austeilen. Mit ihm hat die CDU also einen jüngeren Erfahrenen aufgestellt, der die ganze „Mitte“ der Frankfurter haben will. Er bezeichnet sich selbst als Konservativen, gibt aber auch gegenüber der konservativen Klientel, die sich mehr Profilierung wünscht, keinen Millimeter preis, wenn es um den Frankfurter Koalitionspartner, die Grünen, geht. „Ohne Wenn und Aber“ steht Rhein, sagt er, an deren Seite. Genauso konsequent hat Rhein aber auch den Flughafen-Ausbau befürwortet. Für den Wahlkampf arbeiten Rhein und die CDU nun an einer Strategie, die da sinngemäß lautet: Ausbau – ja, Lärm – nein. Es wird nicht ganz leicht sein, diese Argumentation an die lärmgeplagte Mitte zu bringen.
Im Übrigen kann und will Rhein, Vater von zwei Söhnen, für all das stehen, was die moderne Mittelstandsfamilie so braucht: von der Sicherheit über den Stadtraum Main bis zur Betreuung. Die Konkurrenz im bürgerlichen Lager ist bislang nicht groß: Die FDP hat sich gegen einen eigenen Kandidaten entschieden. (ox)
Peter Feldmann (53) setzte sich parteiintern gegen Michael Paris (56) durch. Beide kämpften gegen die resignative Stimmung, die nach dem schlechtesten Kommunalergebnis der Nachkriegszeit (21,3 Prozent) die SPD zu übermannen drohte.
Der Parteilinke Feldmann betont dabei sein soziales Profil. Etwa beim Kampf gegen wachsende Kinderarmut in Frankfurt, für den er vor einiger Zeit bereits einen Verein gegründet hatte. Er fordert einen kostenfreien Mittagstisch für jedes Kind in Frankfurt. Feldmann macht sich für ein großes Wohnbau-Programm stark, das in der Stadt endlich wieder bezahlbare Unterkünfte schaffen müsse.
Der Stadtverordnete mit jüdischem Familienhintergrund will auch die Beziehungen der Stadt zu internationalen Organisationen stärken.
In der Debatte um die Folgen des Flughafenausbaus spricht sich Feldmann dafür aus, Flüge nach Hahn zu verlegen.
Sie hat gelernt, sich durchzubeißen im Leben. Rosemarie Heilig ist eines von acht Kindern aus einer Arbeiterfamilie – große materielle Rückendeckung für eine Karriere gab es da nicht. Dass sie einmal als OB-Kandidatin für die Grünen in der fünftgrößten deutschen Stadt antreten würde, hat sich die Biologin bis vor einigen Wochen nicht träumen lassen.
Es ist aber typisch für die Single-Frau, dass sie das Angebot ihrer Partei ohne lange Bedenkzeit annahm. Sie ist eine Macherin, die anpackt, wo es nötig ist – so war das schon, als sie beim World Wildlife Fund arbeitete und später bei der Ökobank. Es fällt der 55-Jährigen schwer zu taktieren – das war, zynisch gesprochen, schon in den 90er Jahren ein Handicap für sie in der Frankfurter Kommunalpolitik.
Damals legte sie sich als Stadtverordnete der Grünen des Öfteren mit ihrem Parteifreund Tom Koenigs an, der ihr nicht radikal genug erschien.
Das Ziel der heutigen Projektmanagerin für den Neubau des Krankenhauses Höchst ist es in jedem Fall, bei der OB-Wahl den zweiten Wahlgang am 25. März zu erreichen. Ihr größtes Handicap: Seitdem die neue Landebahn des Rhein-Main-Flughafens eröffnet wurde, leiden mehr Menschen als je zuvor unter massivem Lärm und Umweltbelastung.
Den Grünen wird vorgeworfen, dass sie in der Römer-Koalition mit der CDU seit 2006 den Ausbau stillschweigend hingenommen hätten. (jg.)
Janine Wissler ist eine junge Durchstarterin. Die 30-Jährige ist im Bundes- und Landesvorstand, führt in einer Doppelspitze die Landtags-Fraktion an. In diesem Jahr wählten die Frankfurter Linken Wissler, die Mitglied im trotzkistischen Netzwerk „Marx 21“ ist, nach einigem internen Streit über Stil und Richtung zu ihrer Vorsitzenden. Der Kreistag nominierte Wissler mit 93,9 Prozent der Stimmen zur OB-Kandidatin.
Nach außen ist jetzt Ruh’. Das scheint nur so, sagt Wissler: „Wir sind schon voll in der Vorbereitung für den Wahlkampf.“ Die Themen, die lägen ja auf der Hand: „Bezahlbarer Wohnraum, Fluglärm, soziale Gerechtigkeit, Kampf gegen die Nazis“. Als Landtagsabgeordnete, die täglich zwischen Bockenheim und Wiesbaden pendele, habe sie jede Menge anzuprangern. Zum Beispiel, wie schwer Schwarz-Gelb im Land Frankfurt schädige – mit dem Streichen der Stellplatzablöse, mit dem Einbehalten der Grunderwerbssteuer.
Und Boris Rhein (CDU) sei als Mitglied der Landesregierung „verantwortlich“ für den Schaden. Das würden die Linken den Frankfurtern ganz deutlich mitteilen. (ox.)
Gegenwärtig hat der Pirat Hochkonjunktur. Herbert Förster, 45 Jahre alt, ist Tee-Sommelier, hat mit seiner Frau in der Fressgass ein Tee-Geschäft, das ihn in der Vorweihnachtszeit von „8 bis 8 Uhr“ fordert. Aktuell ist der OB-Kandidat also damit beschäftigt, Kunden die angemessene Zubereitung oder die Herkunft verschiedener Teesorten nahezubringen. Im Januar dann will sich Förster „mit aller Kraft und guten Ideen“ in den Wahlkampf werfen. Das Budget ist mit 2000 Euro nicht gerade üppig, die allgemeine Begeisterung dämpfe dies aber keineswegs. „Wir freuen uns sehr auf den Wahlkampf“, sagt Förster. Das liegt auch am Rückenwind seit der für die Piraten so erfolgreichen Berlin-Wahl.
Transparenz der Verwaltung, Bürgerbeteiligung und Schutz der Bürgerrechte nennt Förster als Wahlkampfthemen. Gegen Videoüberwachung im öffentlichen Raum stemmten sich die Piraten kompromisslos. Das ganz große Piraten-Thema ist bekanntlich die große Freiheit im Internet. Im OB-Wahlkampf wird das Netz als Kommunikationsmittel aber nur an zweiter Stelle stehen. Förster sagt, dass die Piraten massenhaft „auf die Straße gehen werden“ , um dort von Mensch zu Mensch die Frankfurter zu treffen. (ox.)
Die FDP wird sich nicht mit einem eigenen Kandidaten am politischen Rennen um die Nachfolge von Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) beteiligen. Die Entscheidung sei mit einer Dreiviertelmehrheit gefallen, berichtete die FDP-Fraktionsvorsitzende im Römer, Annette Rinn, hinterher. „Es ist einfach zu schwierig, in der Kürze der Zeit eine Kampagne aufzubauen“, sagte sie. Auch das „Problem der Finanzen“ habe eine Rolle gespielt.
Tatsächlich rechneten sich die Mitglieder des Kreisvorstandes, der Römer-Fraktion und die Vorsitzenden der FDP-Ortsgemeinschaften auch keine große Chance auf ein achtbares Ergebnis aus – die Partei wird derzeit angesichts ihres desolaten Auftretens in der Bundesregierung bundesweit in den Umfragen bei vier Prozent gehandelt.
Sehen Sie auch die Ergebnisse nach Stadtteilen als Grafik-Fotostrecke. Außerdem zeigen wir die Top- und Flop-Ergebnisse von Peter Feldmann und Boris Rhein nach Stadtteilen und noch detaillierter nach Wahlbezirken. Alles Weitere im Wahl-Spezial.
Die aktuelle Beteiligung an der OB-Wahl in Frankfurt ist gering - aber immerhin besser als vor fünf Jahren.
Wo räumt Peter Feldmann ab? Wo ist Boris Rhein chancenlos? Die erfolgreichsten und problematischsten Stadtteile der beiden OB-Kandidaten in der Stichwahl.

Die Stadt und Region auf einen Blick: unsere neue Übersichtsseite für Frankfurt und Rhein-Main - das Pflicht-Lesezeichen für alle Hessen.
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