Oberbürgermeisterwahl in Frankfurt: Boris Rhein liegt in Umfrage vorn
OB Petra Roth und ihr Kronprinz Boris Rhein auf einem Wahlkampfplakat. Foto: Monika Müller
OB Petra Roth und ihr Kronprinz Boris Rhein auf einem Wahlkampfplakat. Foto: Monika Müller
Im Kampf um die Nachfolge von Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) hat ihr Parteifreund Boris Rhein die Nase vorn. Nach der Umfrage eines Instituts im Auftrag der Frankfurter Rundschau würden 32,1 Prozent der Befragten ihm ihre Stimme geben.
Seit Weihnachten hängen in Frankfurt Wahlplakate. Die CDU hat sich für ein Motiv mit zwei Köpfen entschieden. Zu sehen ist Petra Roth, noch amtierende Oberbürgermeisterin. Seit 1995 führt sie die Stadt, länger als jeder andere OB vor ihr. Neben Roth ist Boris Rhein abgebildet, der hessische Innenminister, der bei der OB-Wahl am 11. März für die CDU antritt. Die Botschaft des Plakats ist klar: Petra Roth, die in Frankfurt äußerst beliebte Oberbürgermeisterin, präsentiert den jungen (40 Jahre), smarten Rhein als ihren Nachfolger.
Bislang zumindest scheint die Rechnung der Christdemokraten aufzugehen. In einer Umfrage des Bonner Instituts Omniquest im Auftrag der Frankfurter Rundschau gaben 32,1 Prozent der Befragten an, sie würden Rhein ihre Stimme geben, wenn am kommenden Sonntag OB-Wahl wäre. Damit liegt der Minister, der anders als Roth eher dem konservativen Flügel der CDU zuzurechnen ist, deutlich vor seinen ärgsten Konkurrenten, dem SPD-Mann Peter Feldmann (19,4 Prozent) und der Grünen Rosemarie Heilig (12,4 Prozent).
Für viele in der CDU- Anhängerschaft ist der Wahlkampf beinahe nur eine Formsache. So natürlich erscheint es ihnen, dass nach bald 17 Jahren Amtszeit der Nachfolger von Petra Roth (CDU) einer aus ihren Reihen sein wird. Boris Rhein, 40, macht Politik seit Teenagertagen. Einstmals als JU-Vorsitzender und Dezernent in Frankfurt, jetzt als hessischer Innenminister. Der gebürtige Frankfurter bezeichnet sich selbst als Konservativen mit liberalem Einschlag. Der Frankfurter CDU-Parteichef ist und war aber auch tragende Säule der schwarz-grünen Koalition in Frankfurt. Die Bedürfnisse der modernen Mittelstandsfamilie liegen dem CDU-Kandidaten am Herzen: Betreuung, Bildung, ein schönes Mainufer.
Kommt in der Sonntagsfrage auf: 32,1 Prozent
Peter Feldmann (SPD)
Zum ersten Mal hatten die 3.800 Frankfurter SPD-Mitglieder die Chance, über ihren OB-Kandidaten in einer Urwahl abzustimmen. Das Votum hat, ziemlich überraschend, den nicht überaus bekannten Parteilinken Peter Feldmann, 53, ins Rampenlicht geschickt. In seiner Partei, die bei der Kommunalwahl 2011 mit 21,3 Prozent arg gebeutelt wurde, hatte er beharrlich für seinen Sieg gearbeitet. Der Fraktionsvize im Rathaus Römer betont unaufhörlich sein soziales Profil. Und das überzeugte offenbar am Ende die Basis. Der Diplom-Politologe ruft zum Kampf gegen wachsende Kinderarmut in Frankfurt. Dafür hat er vor einiger Zeit bereits einen Verein gegründet hatte.
Kommt in der Sonntagsfrage auf: 19,4 Prozent
Rosemarie Heilig (Grüne)
Sie hat gelernt, sich durchzubeißen. Rosemarie Heilig, 55, ist eines von acht Kindern aus einer Arbeiterfamilie – große materielle Rückendeckung für eine Karriere gab es da nicht. Dass sie einmal als OB-Kandidatin für die Grünen in der fünftgrößten deutschen Stadt antreten würde, hat sich die Biologin bis vor einigen Wochen nicht träumen lassen. Es ist aber auch typisch für sie, das Angebot ihrer Partei ohne lange Bedenkzeit anzunehmen. Die gebürtige Limburgerin ist der Typus der Macherin, die immer irgendwo anpacken will. Derzeit arbeitet sie noch als Projektmanagerin für den Neubau der städtischen Klinik. Am 2. Februar soll sie zur Umweltdezernentin im schwarz-grünen Magistrat gewählt werden.
Kommt in der Sonntagsfrage auf: 12,4 Prozent
Herbert Förster (Piraten)
Wenn Herbert Förster, 45, erst einmal das Sagen hat, werden sich die Frankfurter viel intensiver als bisher mit Kommunalpolitik beschäftigen können. Der in Gelnhausen geborene Pirat will die Sitzungen des Stadtparlaments und der Ausschüsse live im Internet übertragen lassen. Technisch sei das kein Problem, bereits jetzt kann man die Fraktionssitzungen der Piraten per Audiostream verfolgen. Dabei ist Förster selbst gar kein Computerfreak. In der Frankfurter Innenstadt betreibt der Kommunalpolitiker, der einige Jahre lang in der SPD im Taunus aktiv war, einen Teeladen. Er nutze alle Möglichkiten des Internets, sagte Förster kürzlich, spreche aber auch gerne mit den „Menschen auf der Gass’“.
Kommt in der Sonntagsfrage auf: 4,3 Prozent
Janine Wissler (Die Linken)
Janine Wissler, 30, ist der Shooting-Star der hessischen Linken. Sie ist Fraktionsvorsitzende im Hessischen Landtag. Seit 2009 führt sie die sechsköpfige Fraktion gemeinsam mit Willi van Ooyen. In Frankfurt wurde Wissler mit 94 Prozent Zustimmung zur OB-Kandidatin nominiert. Die in Langen geborene Politologin steht außerdem seit kurzem an der Spitze der Frankfurter Linken – und in der Partei herrscht Ruhe. Das ist auch bemerkenswert, weil die Frankfurter Linken aus sehr vielen verschiedenen Strömungen bestehen und sich selten einig sind. Wisslers große Wahlkampfthema heißt: soziale Gerechtigkeit.
Kommt in der Sonntagsfrage auf: 2,8 Prozent
Die Übrigen
Auch Einzelbewerber und Kandidaten von Parteien, die nicht im Stadtparlament vertreten sind, versuchen es bei der OB-Wahl: Trotz faktisch nicht vorhandener Siegchancen treten an: Ursula Fechter, 66, kandidiert für die Flughafenausbaugegner und fordert, die im Oktober eröffnete Landebahn zu schließen.
Oliver Maria Schmitt,45, geht für „Die Partei“ ins Rennen. Dahinter verbirgt sich eine Initiative des Satiremagazins Titanic, dessen Chefredakteur Schmitt war. Er fordert, den Flughafen in den Taunus zu verlegen und den Fußball-Zweitligisten Eintracht Frankfurt aufzulösen.
Als Einzelbewerber haben sich drei Kandidaten gemeldet: der Kulturschaffende Karl-Maria Schulte, 58, der Diplom-Ingenieur Jean-Jules Tatchouop, 63, und der Feuerwehrmann Harald Frenzel, 50.
In den Räumen der CDU im Frankfurter Römer dürften sie das Ergebnis als Beleg dafür werten, dass Roths Schachzug funktioniert hat. Die 67-Jährige hatte im November vergangenen Jahres überraschend verkündet, dass sie ihre bis 2013 laufende Amtszeit vorzeitig beende und ihren Posten im Sommer 2012 aufgebe. Sie sei „nicht krank, lahm oder amtsmüde“, sagte sie. Sie wolle nur rechtzeitig „den Weg frei machen“.
Den Weg frei machen für Boris Rhein. Schon am Tag, an dem Roth ihren vorzeitigen Auszug aus dem OB-Büro verkündete, war es eine ausgemachte Sache, dass die CDU mit dem Innenminister ins Rennen um den OB-Posten gehen würde. Damit verschafften sich die Christdemokraten einen entscheidenden Vorteil. Während SPD und Grüne noch gar keine Kandidaten hatten, konnte sich Rhein schon auf den Wahlkampf vorbereiten.
Die Doppelrolle – hessischer Innenminister und OB-Kandidat – fällt Rhein bisweilen schwer. Bei einer Veranstaltung der Frankfurter CDU forderte er ein dauerhaftes Nachtflugverbot am Rhein-Main-Flughafen „ohne Wenn und Aber“. Die politischen Gegner warfen Rhein Doppelzüngigkeit vor. Denn die Landesregierung, der er angehört, klagt vor dem Bundesverwaltungsgericht gegen das Nachtflugverbot.
So viel ist klar: Petra Roth bleibt nicht. Seit 1995 ist sie OB von Frankfurt.
Foto: dapd
Die CDU schickt ihren Sonnyboy "echten Frankfurter Bub", wie er sich selbst unermüdlich nennt, ins Rennen: Innenminister Boris Rhein. Der Wunsch-Nachfolger von Petra Roth wurde von der Partei offiziell für die OB-Wahl nominiert.
Foto: dapd
Interesse am Amt bekundet der 40-Jährige schon lange, bliebe aber chronisch vage.
Foto: dpa
Rhein hat bewiesen, dass er ein Ministeramt bekleiden kann, die Grünen schätzen ihn als fairen Partner. Die FDP kann ihn richtig gut leiden. Der Mann vom rechten CDU-Flügel ist kein Ideologe, sondern ein politischer Realist, der ab- und zugeben kann. Rhein ist offen, hat gerne mit Menschen zu tun, auch mit solchen, die anders denken.
Foto: Andreas Arnold
Möglich, dass der jetzige hessische Innenminister sich zunächst nicht entscheiden konnte, was ihm lieber ist - das Ministeramt oder der OB-Sessel. Aber jetzt gibt's aber kein Zurück mehr, er kandidiert bei der Wahl.
Foto: dpa
Dabei hatte die CDU durchaus Alternativen: Uwe Becker war erste, der klar und deutlich seine Bereitschaft zur OB-Kandidatur formuliert hatte. Eine Gruppe innerhalb der CDU, der eher „linke“ Kolping-Kreis, hatte sich offen für den seriösen Kämmerer Becker als idealen künftigen OB stark gemacht.
Foto: Andreas Arnold
„Der Uwe“ wird als fleißig, zuverlässig, sozial und wirtschaftlich denkend gerühmt. Er hat bewiesen, dass er die Finanzen zusammenhalten kann und er habe „guten Stil“.
Foto: Alex Kraus
Der eine oder andere, insbesondere wenn er vom „rechten“ Wirtschaftsflügel der CDU kommt, sagt aber leicht bösartig, „der Uwe“ sei ein bisschen dröge. Soll heißen, er sei ein wenig trocken, ihm fehle Strahlkraft, Charisma. Aber egal, der Uwe darf ja nicht zur OB-Wahl antreten.
Foto: Christoph Boeckheler
Bei der SPD schien es lange, als käme man an Michael Paris nicht vorbei...
Foto: Alex Kraus
Der 56-jährige gilt als supergut vernetzt in Vereinen und Gastronomie. Das kommt noch aus der Zeit in den 90er Jahren, als er Vorsitzender des Stadtverbandes der Frankfurter Vereinsringe war. Er engagiert sich seit mehr als 30 Jahren für die Belange von Kindern. Das begann als Chef des Vereins Abenteuerspielplatz Riederwald und endete als Präsident der International Play Association 2005.
Foto: Alex Kraus
Aber: Der Sozialdemokrat gilt selbst in seiner eigenen Partei eher als politisches Leichtgewicht ohne klare Linie. Wenn die Stunde war, um politische Mehrheiten zu kämpfen, etwa um die OB-Kandidatur 2007 gegen den damaligen Sozialdezernenten Franz Frey, kniff Paris....
Foto: Diana Djeddi
Im politisch mehrheitlich linken SPD-Unterbezirk Frankfurt ist Michael Paris, der sich auch als Interessenvertreter der Wirtschaft sieht, eher ein Außenseiter.
Foto: Christoph Boeckheler
Und so hat sich die SPD letztendlich für einen anderen Kandidaten entschieden: Peter Feldmann...
Foto: Andreas Arnold
Der 52-jährige Diplom-Politologe ist schon lange ein engagierter Sozialpolitiker. Peter Feldmann leitete das Ausbildungszentrum im sozialen Brennpunkt Bonames/Bügel. Danach war er Chef eines Altenhilfezentrums. Er ist Vorstandsmitglied sozialer Organisationen, etwa der Werkstatt Frankfurt. Sein politisches Engagement als langjähriger Stadtverordneter und Vize-Chef der SPD-Fraktion im Römer ist untadelig. Allerdings: ...
Foto: Diana Djeddi
Sein persönliches Auftreten gilt des öfteren als Manko. Peter Feldmann wird nicht nur in der eigenen Partei vorgeworfen, dass er eitel sei und an Selbstüberschätzung leide. Als langjähriger Vorsitzender des wichtigen Haupt- und Finanzausschusses im Römer brachte er durch seine überhebliche Sitzungsleitung nicht nur Stadtverordnete, sondern auch Bürger gegen sich auf. Und bekam deshalb diese Position nicht wieder. (jg)
Foto: Diana Djeddi
Die Grünen hätten Olaf Cunitz aufbieten können: Der 43-jährige Historiker hat bei den Grünen eine bemerkenswerte Karriere hingelegt. Erst 1999 in die Partei eingetreten, war er schon 2006 Fraktionsvorsitzender im Römer.
Foto: Christoph Boeckheler
Im Januar 2012 soll Cunitz zum Planungsdezernenten gewählt werden. Er ist ehrgeizig und lernfähig. Cunitz hat in der kurzen Zeit seiner Arbeit im Römer an politischer Statur gewonnen. Er hätte OB-Kandidat werden können - wollte aber gar nicht.
Foto: Rolf Oeser
Markus Frank (CDU) hatte maximal Außenseiterchancen.
Foto: Pressefotografie Storch, Bad Hg.
Der Sport- und Sicherheitsdezernent, 42 Jahre alt, ist ein ehrgeiziger Mensch und tut so einiges für die persönliche PR. Das heißt aber keineswegs, dass er keine Grundsätze hätte. Frank möchte keine „alte“ Politik machen, will Transparenz und keine Patriarchen-Klüngelei. Er hat im wahren Leben einen Beruf gelernt und es zum Kfz-Meister und Klein-Unternehmer gebracht. Gewiss ein Grund, warum Frank stets auf Details achtet. Gegen ihn sprach:...
Foto: Rolf Oeser
..die Debatte um die Sanierung des FSV-Stadions. Der Streit zwischen Frank und Ex-FSVler Bernd Reisig ist inzwischen Legende. Die Vorrechte von Parteichef Rhein, der wie Frank vom Mittelstandsflügel kommt, schwächten Franks interne Bewerbung. Hätte sich Rhein zurückgezogen, dann hätte vielleicht Frank nach vorne treten können. (ox)
Foto: Michael Schick
Eher Außenseiter-Chancen hatte Volker Stein (FDP): Der einstige Sicherheitsdezernent, der vor kurzem entmachtet wurde, gilt als bodenständig.
Foto: Monika Müller
Volker Steins kernige Art und seine wenig diplomatischen Sprüche kamen in den vergangenen Jahren zwar nicht bei jedem gut an, sorgten aber für ein hohes Maß an Publicity, das ein OB-Kandidat braucht. Außerdem: Stein weiß die Bild-Zeitung hinter sich. Das Boulevardblatt vermisst ihn jetzt schon. Auf der anderen Seite:...
Foto: Christoph Boeckheler
Stein galt als Stadt-Sheriff, dem es herzlich egal ist, dass ihn viele Leute für einen Macho-Militaristen-Angeber-Schwätzer… halten. Ein OB für alle Frankfurter hätte er also kaum werden können. Und gewonnen hätte er die Wahl ohnehin nicht. Also stellt die FDP nun gar keinen Kandidaten auf. Die Frage wäre sowieso nur gewesen: Wie viele Stimmen hätte Stein dem CDU-Kandidaten wegnehmen können? Stein wäre es egal gewesen, er hält die Römer-Koalition für äußerst undankbar. (geo)
Foto: Alex Kraus
Für die Grünen tritt Rosemarie Heilig an. Sie hat gelernt, sich durchzubeißen im Leben. Rosemarie Heilig ist eines von acht Kindern aus einer Arbeiterfamilie – große materielle Rückendeckung für eine Karriere gab es da nicht. Dass sie einmal als OB-Kandidatin für die Grünen in der fünftgrößten deutschen Stadt antreten würde, hat sich die Biologin bis vor einigen Wochen nicht träumen lassen...
Foto: Andreas Arnold
Es ist aber typisch für die Single-Frau, dass sie das Angebot ihrer Partei ohne lange Bedenkzeit annahm. Sie ist eine Macherin, die anpackt, wo es nötig ist – so war das schon, als sie beim World Wildlife Fund arbeitete und später bei der Ökobank. Es fällt der 55-Jährigen schwer zu taktieren – das war, zynisch gesprochen, schon in den 90er Jahren ein Handicap für sie in der Frankfurter Kommunalpolitik.
Foto: Andreas Arnold
Damals legte sie sich als Stadtverordnete der Grünen des Öfteren mit ihrem Parteifreund Tom Koenigs an, der ihr nicht radikal genug erschien.
Das Ziel der heutigen Projektmanagerin für den Neubau des Krankenhauses Höchst ist es in jedem Fall, bei der OB-Wahl den zweiten Wahlgang am 25. März zu erreichen. Ihr größtes Handicap: Seitdem die neue Landebahn des Rhein-Main-Flughafens eröffnet wurde, leiden mehr Menschen als je zuvor unter massivem Lärm und Umweltbelastung.
Foto: Alex Kraus
Den Grünen wird vorgeworfen, dass sie in der Römer-Koalition mit der CDU seit 2006 den Ausbau stillschweigend hingenommen hätten. (jg.)
Foto: Monika Müller
Die Linke schickt Janine Wissler (30) ins Rennen um das OB-Amt. Sie ist eine junge Durchstarterin. Die 30-Jährige ist im Bundes- und Landesvorstand, führt in einer Doppelspitze die Landtags-Fraktion an. In diesem Jahr wählten die Frankfurter Linken Wissler, die Mitglied im trotzkistischen Netzwerk „Marx 21“ ist, nach einigem internen Streit über Stil und Richtung zu ihrer Vorsitzenden. Der Kreistag nominierte Wissler mit 93,3 Prozent der Stimmen zur OB-Kandidatin.
Foto: dpa
Nach außen ist jetzt Ruh’. Das scheint nur so, sagt Wissler: „Wir sind schon voll in der Vorbereitung für den Wahlkampf.“ Die Themen, die lägen ja auf der Hand: „Bezahlbarer Wohnraum, Fluglärm, soziale Gerechtigkeit, Kampf gegen die Nazis“. Als Landtagsabgeordnete, die täglich zwischen Bockenheim und Wiesbaden pendele, habe sie jede Menge anzuprangern. Zum Beispiel, wie schwer Schwarz-Gelb im Land Frankfurt schädige – mit dem Streichen der Stellplatzablöse, mit dem Einbehalten der Grunderwerbssteuer...
Foto: Andreas Arnold
...Und Boris Rhein (CDU) sei als Mitglied der Landesregierung „verantwortlich“ für den Schaden. Das würden die Linken den Frankfurtern ganz deutlich mitteilen. (ox.)
Foto: Renate Hoyer
Gegenwärtig hat der Pirat Hochkonjunktur. Herbert Förster, 45 Jahre alt, ist Tee-Sommelier, hat mit seiner Frau in der Fressgass ein Tee-Geschäft, das ihn in der Vorweihnachtszeit von „8 bis 8 Uhr“ fordert. Aktuell ist der OB-Kandidat der Piraten also damit beschäftigt, Kunden die angemessene Zubereitung oder die Herkunft verschiedener Teesorten nahezubringen....
Foto: Piratenpartei Frankfurt
...Im Januar dann will sich Förster „mit aller Kraft und guten Ideen“ in den Wahlkampf werfen. Das Budget ist mit 2000 Euro nicht gerade üppig, die allgemeine Begeisterung dämpfe dies aber keineswegs. „Wir freuen uns sehr auf den Wahlkampf“, sagt Förster. Das liegt auch am Rückenwind seit der für die Piraten so erfolgreichen Berlin-Wahl...
Foto: Andreas Arnold
Transparenz der Verwaltung, Bürgerbeteiligung und Schutz der Bürgerrechte nennt Förster als Wahlkampfthemen. Gegen Videoüberwachung im öffentlichen Raum stemmten sich die Piraten kompromisslos. Das ganz große Piraten-Thema ist bekanntlich die große Freiheit im Internet. Im OB-Wahlkampf wird das Netz als Kommunikationsmittel aber nur an zweiter Stelle stehen. Förster sagt, dass die Piraten massenhaft „auf die Straße gehen werden“ , um dort von Mensch zu Mensch die Frankfurter zu treffen. (ox.)
Für die Flughafenausbaugegner tritt Ursula Fechter an, um Petra Roth zu beerben...
Foto: Michael Schick
... Carl Maria Schulte, Harald Frenzel und Jean-Jules Tatchouop kämpfen parteilos um den Einzug ins Oberbürgermeister-Zimmer.
Foto: dpa
Und last but not least: Ex TITANIC-Chefredakteur Oliver Maria Schmitt, der für die Satirepartei "Die PARTEI" kandidiert. In seinen 9,5 Thesen verlegt Schmitt das Bankenviertel unter die Erde ("freie Sicht bis zum Hauptbahnhof!"), den Flughafen auf den Feldberg (""Flieger müssen nicht mehr so tief runter") und das Holzhausenviertel ins Gallus (Stichwort Zwangsintegration). In Reykjavikhat es der Komiker Jón Gnarrvon der Spaßpartei auf den Rathaus-Chefsessel geschafft - wir sagen: Warum nicht auch hier?
Wer bestimmt März an die Geschicke von Frankfurt als Oberbürgermeister? Die FR offenbart schonungslos Schwächen und Stärken der Kandidaten - die Verlierer vergessen wir allerdings auch nicht.
Die Wähler, diesen Schluss lässt das Ergebnis der FR-Umfrage zu, scheinen derlei Probleme nicht zu sehen. Doch allzu sicher darf sich Rhein nicht fühlen. Vor allem die Zeit könnte zu einem Faktor werden, der gegen ihn spricht. Noch sind es zwei Monate bis zur OB-Wahl. Zwei Monate, in denen sich seine Konkurrenten bei den 467.000 Wahlberechtigten bekannt machen können.
Für die Umfrage befragte das Bonner-Institut Omniquest im Auftrag der Frankfurter Rundschau in den vergangenen Tagen 1000 Wahlberechtigte am Telefon.
Bei den Fragen zu den OB-Bewerbern waren als Antwortmöglichkeiten namentlich vorgegeben: Boris Rhein (CDU), Peter Feldmann (SPD), Rosemarie Heilig (Grüne), Janine Wissler (Linke) und Herbert Förster (Piraten). Die Parteien, denen diese Kandidaten angehören, sind im Stadtparlament vertreten.
Die Kandidaten von Parteien, die nicht im Römer sitzen, sowie die Einzelbewerber wurden unter der Antwortmöglichkeit „Ein anderer Kandidat“ zusammengefasst. 0,9 Prozent der Befragten entschieden sich für diese Antwort.
Das wird auch nötig sein. Sowohl SPD-Kandidat Feldmann als auch die Grüne Heilig zählen nicht zu den prominentesten Gesichtern ihrer Parteien. Die Sozialdemokraten hatten zunächst überlegt, einen renommierten Kandidaten ohne SPD-Parteibuch antreten zu lassen. Als sich keiner fand, einigte man sich auf ein parteiinternes Auswahlverfahren. Kurz vor Weihnachten setzte sich Feldmann in einer Stichwahl um den Kandidatenposten gegen seinen Parteifreund Michael Paris durch. Für viele kam das überraschend. Obwohl Feldmann immerhin stellvertretender Fraktionschef der SPD im Römer ist, ist Paris weitaus bekannter. An jedem Wochenende tingelt er von Vereinsfest zu Vereinsfest, um sich in Szene zu setzen. Unvergessen sein Auftritt bei einem Kerbeumzug durch den Stadtteil Bornheim. Verkleidet als Feldherr fuhr er auf einem Wagen mit.
Doch die Sozialdemokraten wollten Feldmann als ihren Kandidaten. Er hatte einfach mehr Inhalte zu bieten als Paris. Vor allem mit sozialpolitischen Themen, einem klassischen SPD-Feld in Frankfurt, will Feldmann Stimmen gewinnen.
Auch die Nominierung von Rosemarie Heilig als Kandidatin der Grünen war eine Überraschung. Viele hatten darauf gesetzt, dass die beliebte Umweltdezernentin Manuela Rottmann antreten würde. Doch sie verzichtete aus privaten Gründen. Nun soll es Heilig richten, eine Frau, die auf die Bürger zugeht, bislang aber nur politischen Insidern ein Begriff war.
Zumindest dürfte es für Rhein schwer werden, die OB-Wahl im ersten Durchgang zu gewinnen. Dafür bräuchte er mehr als 50 Prozent. Holt er die nicht, gibt es am 25. März eine Stichwahl zwischen den beiden Kandidaten mit den meisten Stimmen. Eine solche Konstellation könnte spannend werden. Peter Feldmann hat schon angekündigt, er würde für Heilig Werbung machen, sollte sie und nicht er es in die Stichwahl schaffen. Voraussetzung wäre, Heilig würde im umgekehrten Fall auch für ihn auf Stimmenfang gehen. Die Grüne scheint einem solchen Deal zumindest nicht abgeneigt.
Ziemlich gelassen kann Petra Roth den Wahlkampf beobachten. Sie blickt auf eine äußerst erfolgreiche Amtszeit zurück, in der sie auch Frankfurter für ihre Politik gewann, die alles andere als klassische CDU-Wähler sind. In der Umfrage der Frankfurter Rundschau sollten die Befragten Roth eine Zensur für ihre Amtszeit erteilen. Im Schnitt kommt sie auf die Schulnote 2,4.
Wo räumt Peter Feldmann ab? Wo ist Boris Rhein chancenlos? Die erfolgreichsten und problematischsten Stadtteile der beiden OB-Kandidaten in der Stichwahl.
In Frankfurt macht der eine auf Papa, die andere würde gerne die neue Landebahn bepflanzen. Und wer ist nochmal dieser Herbert? Checken Sie Ihr Wissen über die OB-Kandidaten.