John C. Reilly spielt ja meistens Typen, bei denen Hopfen und Malz verloren ist, doch selbst für seine Verhältnisse fällt die Rolle in „Cyrus“ aus dem Rahmen. Zum Einstand ertappt ihn seine Ex-Frau beim Onanieren, dann würde er am liebsten unter einen Stein kriechen, weil sie einen anderen heiratet, und schließlich muss er versprechen, unter ihrer Aufsicht mal wieder unter Leute zu gehen. Bei der Party schafft er es dann, jede Frau mit seinem verzweifelten Hundeblick und den dazu passenden Sprüchen in Sekundenschnelle zu vergraulen. Beschämt schleicht er in den Garten, um sich dort in Ruhe zu erleichtern, und wird schon wieder mit offenem Hosenstall erwischt.
Dieses Mal nimmt die Peinlichkeit für John jedoch eine positive Wendung: Molly sagt nur „Netter Penis“ und fängt mit ihm zu flirten an. Sie verstehen sich prächtig, landen ganz schön schnell im Bett, und gerade als sich John fragt, wo wohl der Haken ist, stürzt die von Marisa Tomei gespielte Molly überhastet aus dem Haus. Das ist der zweite Besetzungscoup des Films: Eigentlich ist Molly viel zu schön, um John auch nur mit dem Hintern anzusehen, aber weil Tomei auf die Figur der angeknacksten Schönheit abonniert ist, traut man es ihr trotzdem zu. John braucht nicht lang, um herauszufinden, was dieses Mal nicht mir ihr stimmt. Er folgt ihr nach Hause und stolpert beim Spionieren über Cyrus – ihren Sohn.
Mit einiger Verspätung
Der Titelheld betritt die Bühne mit einiger Verspätung. Dafür beherrscht er sie sofort und degradiert selbst John zur Randfigur im Land des Schrägen. Cyrus ist 21 Jahre alt, lebt bei seiner alleinerziehenden Mutter und scheint nicht gewillt, sie jemals zu verlassen. Und weil ihn Jonah Hill aus der „Superbad“-Komödie spielt, muss man bei seinem rundlichen Anblick automatisch an ein Riesenbaby denken. Peinlich berührt sucht man den Ausgang und steht hinter der nächsten Tür nur wieder vor der nächsten Peinlichkeit.
Die Duplass-Brüder beherrschen diese „Haus des Schreckens“-Technik wirklich gut, und vielleicht ist ihr Weg überhaupt der einzig mögliche, um eine Inzestkomödie zu erzählen. Der Akt wird zwar nicht vollzogen, aber immerhin teilt Cyrus mit seiner Mutter das Bad und hat sie verdächtig lieb. Man könnte einen passiv-aggressiven Ödipus in ihm sehen oder jemanden, der niemals richtig entwöhnt wurde. Trotzdem bleibt die Frage: Braucht das die Welt?
Cyrus, Regie: Jay Duplass, Mark Duplass, USA 2010, 91 Minuten.