OFC - Kickers Offenbach
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14. November 2012

Kickers Offenbach: Der Wunschkandidat

 Von Sebastian Rieth
Auch die Wohnung von OFC-Geschäftsführer David Fischer wurde durchsucht. Foto: Jan Huebner

David Fischer verantwortet seit dem 1. November die kaufmännischen Geschäfte beim Fußball-Drittligisten Kickers Offenbach

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David Fischer verantwortet seit dem 1. November die kaufmännischen Geschäfte beim Fußball-Drittligisten Kickers Offenbach

Den Bieberer Berg hat David Fischer nie aus den Augen verloren. Wann immer es ging, besuchte er die Heimspiele von Kickers Offenbach, saugte dieses für ihn einmalige Flair in vollen Zügen auf und behielt sogar seine Wohnung, obwohl er mittlerweile einige Kilometer weiter östlich arbeitete. Fischer weiß: „Wenn man Dinge nicht mehr hat, lernt man sie zu schätzen.“ Oder man holt sie sich einfach wieder zurück. So wie er.
Drei Jahre lang arbeitete der Mann mit der dunklen Lockenpracht für eine Vermarktungsagentur beim hessischen Drittligisten, ehe er als Teamleiter in seine sächsische Heimat zum Chemnitzer FC wechselte. Nun ist er wieder zurück beim OFC – mit mehr Kompetenzen als je zuvor. Am 1. November übernahm Fischer die kaufmännische Geschäftsführung der OFC Kickers GmbH von Jörg Hambückers. Mit gerade einmal 28 Jahren.

Lob vom Präsidenten

Diesen Sprung habe er bewusst gewagt, es sei keinesfalls eine „Hauruck-Aktion“ gewesen, erzählt der Neue. Maßgeblich initiiert hat sie der im September gewählte Präsident Frank Ruhl. Fischer war sein Wunschkandidat. „Er kann die große Klaviatur der kaufmännischen Notwendigkeit spielen“, lobt der Vereinsboss. Fischer bleibe in schwierigen Situationen gelassen und strahle eine intellektuelle Kraft aus. „Er setzt die Dinge auf die Schiene.“ Dass dennoch Ruhl der prägende Mann bei den Offenbacher Kickers bleibt, daran besteht kein Zweifel. Fast ehrfürchtig windet sich Fischer um die Frage, wie man denn bei Meinungsverschiedenheiten verfahre: Dann werde man schon einen Konsens finden, sagt er.

Einen sportlichen Geschäftsführer bekommt der 28-Jährige vorerst nicht an seine Seite gestellt – dazu fehlen Notwendigkeit, weil es sportlich ja recht gut läuft, und natürlich das Geld. Die finanzielle Lage – 4,7 Millionen Euro Schulden drücken die GmbH – sei laut Ruhl sogar noch schlimmer gewesen, als er sie vor seinem Amtsantritt vermutet hatte. „Die Situation ist sehr angespannt, weil wir hohe Altlasten haben. Es sind zusätzliche Probleme entdeckt worden“, verrät der Präsident und schließt Regressforderungen gegenüber der abgetretenen Führung um Thomas Kalt nicht aus. Das werde man mit dem Aufsichtsrat besprechen.

Kader soll reduziert werden

Kontraproduktiv ist da sicher, dass einige mittelständische Gläubiger und auch die IT-Firma des unterlegenen Präsidentschaftskandidaten Remo Kutz ihre Darlehen ausgezahlt haben wollen. Dabei handele es um etwa 100000 Euro. Ruhl beruhigt: „Das ist keine todbringende Summe.“ Insgesamt werden kurzfristig Darlehen in Höhe von 1,5 Millionen Euro fällig. Mit den Gläubigern stehe man in einem engen Kontakt, ebenso wie mit dem Deutschen Fußball-Bund. Der muss den Kickers schließlich die Lizenz für die neue Saison erteilen.
Ohne weitere Einsparungen im sportlichen Bereich wird dies allerdings in der dritten Liga kaum zu schaffen sein. Der 28-Mann-Kader soll reduziert werden, im Winter gibt es keine Neuzugänge, ob der Etat in der kommenden Runde gehalten werden kann, ist noch unsicher. Eine Gratwanderung, schließlich hängt vom Erfolg der Mannschaft viel ab. Mehr als von einem modernen Stadion, bei dem die teuren Business-Seats erst zu 60 Prozent verkauft sind. „Wenn der Sport gut ist“, sagt Ruhl, „dann setzen sich die Zuschauer auch auf eine Holzbank.“

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