Es gibt wahrscheinlich angenehmere Arbeitsplätze als den Trainerstuhl eines Fußball-Drittligisten. Arie van Lent, seit fast anderthalb Jahren Übungsleiter der Offenbacher Kickers, weiß davon ein Lied zu singen. „Es gibt eine Riesenschwierigkeit in dieser Liga“, erzählt der 42-Jährige und hebt mahnend den Finger. „Die Erwartungen und das, was man schaffen kann, passen nicht zusammen.“
Viele Vereine leben von ihrer Tradition, sind Getriebene der Erfolge längst vergangener Zeit und wollen mit großer Anstrengung wieder zurück in die zweite Liga. Vereine wie Alemannia Aachen müssen die Insolvenz beantragen, weitere könnten folgen. „Man kann viel sagen, aber man muss auch die Mittel dafür haben“, erklärt van Lent. Ansonsten verliere man die Realität aus den Augen. „Wenn man das nicht einsieht, gibt es Ärger. Und dann ist man irgendwann ganz weg.“ Es mag auch eine Warnung an den eigenen Klub gewesen sein, in dem es erst kürzlich kräftig rumorte. Immerhin bescheinigte der DFB den Kickers die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit im Rahmen des Nachlizenzierungsverfahrens. Ein Königsweg aus der prekären Lage ist deshalb aber noch lange nicht gefunden. Die dritte Liga bleibt ein gewaltiger Druckkessel – auch für Trainer.
Darüber kann sich van Lent am Samstag (14 Uhr) mit Kollege Sven Köhler unterhalten. Der Trainer des Halleschen FC steht von allen Seiten unter Beschuss. „Wir haben dem Trainer eine Ansage gemacht, die sich gewaschen hatte“, sagte Vereinspräsident Michael Schädlich der Mitteldeutschen Zeitung. Bei den Kickers kann man sich noch gut daran erinnern, wie Saisonauftakt in Halle den Fehlstart einleitete. „Dafür wollen wir uns rächen“, kündigt Mittelfeld-Motor Nicolas Feldhahn an. „Das war ein schwerer Rucksack.“ Gerade in dieser Liga.
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