Dafür, dass man beim Fußball-Drittligisten Kickers Offenbach in der Winterpause am Personal eigentlich nichts verändern wollte, ging dann doch alles ziemlich schnell. Am Donnerstagnachmittag stand André Hahn noch im OFC-Dress auf dem Trainingsplatz am Wiener Ring, keine 24 Stunden später wurde er beim abstiegsbedrohten Bundesligisten FC Augsburg bereits als Neuverpflichtung vorgestellt. Der Deal war perfekt – und er hat zwei große Gewinner.
Da wäre der Mittelfeldspieler selbst, der quasi über Nacht von der dritten Liga in die deutsche Eliteklasse aufgestiegen ist, der sich nun nicht mehr mit seinem Team nach zu Wacker Burghausen fährt, sondern beim FC Bayern München antreten darf − und der sich nebenbei auch finanziell um einiges verbessert haben dürfte. In Augsburg wird er das Drei-, wenn nicht sogar das Vierfache von dem verdienen, was er bei den Kickers einstrich. Dort hatte er zu Beginn seines Engagements im Sommer 2011 für kaum mehr als 3000 Euro im Monat gespielt.
Aber auch der Verein profitiert von dem Abgang des 22-Jährigen. Zwar verliert Trainer Arie van Lent einen seiner besten Spieler – mit dem Rotschopf auf dem Platz holte die Mannschaft im Schnitt 1,4 Punkte mehr als ohne ihn –, dafür gibt es aber auch ein ordentliches Schmerzensgeld. Ursprünglich hatte der OFC eine halbe Millionen gefordert, am Ende sind es wohl 400 000 Euro geworden. Auch das ist eine stattliche Summe für einen Spieler, der die Offenbacher ohnehin bald verlassen hätte.
Ablöse dient Schuldentilgung
Nachdem Hahn eine vorzeitige Vertragsverlängerung im Dezember abgelehnt hatte, sah Geschäftsführer David Fischer die Chancen auf dessen Verbleib bei „fast null Prozent“. Im Sommer wäre sein Kontrakt ausgelaufen und der Flügelspieler, der sich mit den Kickers zwar identifizierte, sie aber auch stets als Sprungbrett gesehen hatte, hätte sich ohne Entschädigung davon gemacht.
Interessenten gab es genug, auch Zweitligist FSV Frankfurt soll angeklopft haben. Also tat der Klub mit dem Verkauf das einzig richtige. „Wir mussten zwischen wirtschaftlicher Konsolidierung und sportlicher Leistungsfähigkeit abwägen“, betont Sportdirektor Oliver Roth.
Vielleicht wäre die Entscheidung anders ausgefallen, hätten die Kickers den Aufstiegszug in Richtung zweite Bundesliga als Tabellenelfter nicht schon längst verpasst. So habe am Ende aber „schweren Herzens die Vernunft gesiegt“, so Roth. Die Ablösesumme soll nun zur Schuldentilgung dienen.
Einen Nachfolger hat der Verein in Theo Vogelsang schon gefunden. „Wir wollen ihn verpflichten“, sagt Sportkoordinator Ramon Berndroth über den 22-jährigen Deutsch-Russen, der seit drei Tagen im Probetraining weilt. Nun müssen noch letzte Details mit Vogelsangs Verein Twente Enschede geklärt werden.
Vollzug konnten die Kickers in einer anderen Personalie vermelden: Nur drei Tage nach der Operation von Markus Husterer steht in Defensiv-Allrounder Jan Washausen bereits sein Ersatz parat. Der 24-Jährige wird für ein halbes Jahr ablösefrei von Eintracht Braunschweig ausgeliehen.
In Offenbach ging diesmal wirklich alles ziemlich schnell.
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