OFC - Kickers Offenbach
Spielberichte und Interviews zum OFC, News und Hintergründe zu Kickers Offenbach

26. November 2012

Kickers Offenbach: Kleinkrieg zerrt an den Nerven

 Von Sebastian Rieth
Remo Kutz, im Stadion unerwünscht, hört Webradio im Fanshop. Foto: Oliver Schneider

Der Streit zwischen OFC-Präsident Frank Ruhl und Remo Kutz wirkt beim Spiel gegen Heidenheim sich auch auf die Mannschaft aus.

Drucken per Mail

Es war kurz nach zwei am Samstagmittag, das Drittligaspiel zwischen Kickers Offenbach und dem 1. FC Heidenheim, das der OFC mit 0:1 (0:1) verlor, lief bereits, als Remo Kutz das Stadiongelände betrat. Im Fanshop unter der Haupttribüne richtete er sich ein, fuhr seinen Laptop hoch, setzte einen Kopfhörer auf und verfolgte jene Partie, die nur wenige Meter und eine dicke Wand entfernt von ihm über die Bühne ging, im vereinseigenen Radio.

Ein Possenspiel

Der Fanshop war zu diesem Zeitpunkt leer, die Lichter waren aus, die Tür verschlossen. Keiner wollte mehr etwas kaufen, jeder schaute das Spiel. Doch der Mann, der sich noch vor neun Wochen zum Präsidenten wählen lassen wollte, durfte nicht ins Stadion. Er bekam nach dem Eklat auf der Sponsorenveranstaltung am Donnerstagabend Hausverbot wegen vereinsschädigenden Verhaltens und saß nun einsam zwischen rot-weiß bemalten Golfbällen und einem Babystrampler im OFC-Look. Es war ein aberwitziges Bild, das die ganze Absurdität des Possenspiels zwischen ihm und Präsident Frank Ruhl offenlegte.
Obwohl Kutz weiß, dass der Zeitpunkt seines Auftritts denkbar schlecht gewählt war, will er Beschwerde bei den obersten Vereinsgremien einlegen. Ihn stört vor allem, dass die Mitglieder des Senatorenklubs, die ihn danach verbal und körperlich attackierten, lediglich eine „strenge Verwarnung“ bekamen. „Das sieht ja geradezu nach einer Einladung unseres neuen Präsidiums für jeden Gewalttäter aus“, so Kutz. „Es kann nicht sein, dass mit Gebrüll und Gewalt unliebsame Kritiker mundtot gemacht werden.“
Ruhl bleibt gelassen, antwortet nur, dass er „kein globaler Richter“ sei. Es wird zu einer Machtprobe im Verwaltungsrat kommen, der der Frage nachgehen soll, ob Ruhl sich die fälligen Zinsen von gut 7000 Euro tatsächlich aus steuerrechtlichen Gründen auszahlen ließ. „Ich habe nichts zu verbergen“, sagt der Präsident.

Keine Entschuldigung

Die Mannschaft, die an jenem unsäglichen Abend anwesend war, lässt das Gezanke nicht kalt. Zwar beteuerte Markus Husterer, dass ihm das „scheißegal“ sei. Aber schon die Wort- und Tonwahl des Innenverteidigers lässt das Gegenteil vermuten. „Die Spieler bekommen den Kleinkrieg mit. Sie sind ja nicht doof“, sagte Trainer Arie van Lent. Als Entschuldigung für die Niederlage wollte er das freilich nicht gelten lassen. Dafür gab es andere Gründe.
Erneut war es ein individueller Fehler, der die Mannschaft eine Halbzeit lang in die Verunsicherung stürzte. Torwart Robert Wulnikowski schätzte einen Freistoß aus dem Halbfeld völlig falsch ein, so dass Richard Weil bereits nach sechs Minuten zur Gästeführung traf. „Dann laufen wir wieder hinterher“, sagte Fabian Bäcker. Er hatte, nachdem sich das Team wie so oft in der Pause berappelte, im zweiten Abschnitt die größten Chancen zum Ausgleich. Doch es ist offensichtlich, dass die Mannschaft längst nicht mehr so überzeugt vom eigenen Vortrag ist. Es wird gegrübelt, Zweifel kommen auf, es fehlt der Mut, hinten wird viel quer gespielt. In so einer Phase stören sogar Kleinigkeiten. „Für mich ist es unbegreiflich, warum die Fans pfeifen. Sie sollen zu uns halten“, sagte Husterer.
Nach Abschluss der Hinrunde sind die Kickers dort angelangt, wo sie nicht hinwollten, aber augenscheinlich hingehören: im Niemandsland der dritten Liga. Tabellenplatz zehn, sieben Siege, sieben Niederlagen – mehr Mittelmaß geht kaum. „Die Qualität ist besser“, weiß van Lent. „Das Verhalten aber noch nicht.“ Ein Satz, der sich getrost auf den gesamten Verein übertragen lässt.

Jetzt kommentieren

Ressort

Spielberichte und Interviews zum OFC, News und Hintergründe zu Kickers Offenbach

Fußball

Hier verpassen Sie nichts: Alle Vereine, Begegnungen, Spieler und Aufstellungen - mit großer Livestatistik über Ballbesitz, Torschüsse, Zweikämpfe, Ecken, Fouls - und Ihrer individuellen Livekonferenz. Im Web oder in der schlanken Mobil-Version fürs Handy.

1. Liga | 2. Liga | 3. Liga | Uefa Europa L. | Champ. L.


  • 2. Bundesliga »
Für Sportler in Not

Die Hilfsaktion der FR-Sportredaktion unterstützt arme, kranke und behinderte Sportler, die unverschuldet in Not geraten sind.

Twitter
FR @ Handy

Ob Büro, Biergarten oder Badesee: Die "Frankfurter Rundschau" ist auf dem Handy immer dabei - mit vielen Sport-Livetickern.