Max Ahlschwede haut so schnell nichts vom Hocker. Der 22-Jährige aus Schleswig-Holstein ist ein typischer Norddeutscher: sachlich und trocken. Also konnte den Rechtsverteidiger von Kickers Offenbach auch die Pokalauslosung am späten Mittwochabend kaum in Wallung bringen. Ein „paar alte Freunde“ habe er zu sich eingeladen, berichtet Ahlschwede, um mit ihnen gemeinsam zu verfolgen, welchen Gegner Olaf Thon aus dem Topf ziehen würde. Schon nach zwei geöffneten Kugeln stand fest: Es ist Bundesligist VfL Wolfsburg.
„Darüber freut sich vielleicht nicht jeder“, sagt Ahlschwede. „Ich aber schon.“ Fünf Jahre spielte er in Jugend und B-Team der Wölfe, ehe er über Bielefeld nach Offenbach kam. Es war eine Zeit, die der junge Mann aus Bad Oldesloe nicht vergessen hat. 2008 wurde er mit der A-Jugend der Niedersachsen Deutscher Vizemeister, danach trainierte er zwei Jahre lang unter Lorenz-Günther Köstner, der zuletzt beim Bundesligisten als Interimscoach tätig war und nun von Bernd Schuster abgelöst werden soll.
„Die Verbindungen brechen nicht so schnell ab“, sagt Ahlschwede, auch wenn viele seiner damaligen Kollegen heute bei anderen Vereinen aktiv sind. Als die Kickers am Dienstagabend sensationell Fortuna Düsseldorf auf die Bretter schickten, war der Außenverteidiger wegen einer Fußprellung nicht dabei. Umso heißer ist er aufs Viertelfinale gegen seinen Ex-Verein am 26./27. Februar.
Dann will der einzige im Wettbewerb verbliebene Drittligist einen weiteren Erstligisten überraschen. „Mit dieser Mannschaft ist alles möglich“, weiß Sportkoordinator Ramon Berndroth. Für die nötige Ruhe im Umfeld soll die gestrige Präsidiumssitzung sorgen. Eine Vertragsverlängerung mit Arie van Lent war zwar kein Thema, doch dem Trainer wurde der Rücken gestärkt. Komme man auf einen Nenner, sei eine Zusammenarbeit über die Saison hinaus vorstellbar, sagte Sportdirektor Oliver Roth vorab. „Er macht gute Arbeit.“ Berndroth sprach später von einem „angenehmen Meeting“, Präsident Frank Ruhl von einer „harmonischen Sitzung“.
Die Lage beruhigt sich in Offenbach. Nur Ex-Geschäftsführer Thomas Kalt, jetzt beim Ligakonkurrenten Erfurt tätig, war verwundert, als er in einer Zeitung lesen musste, er fordere 420.000 Euro vom OFC zurück. „Das hab’ ich nie gemacht“, sagte er der FR. „Ich weiß, wie schwierig die Situation ist.“ Kalt ärgert, dass die Klubführung das Gerücht nicht umgehend dementierte. „Die Zerrissenheit muss aufhören“, sagte der einstige starke Mann der Kickers. Er hatte nach dem Pokal-Coup sogar per SMS Glückwünsche verschickt. An Frank Ruhl.
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