Sie alle wussten, bei wem sie sich zu bedanken hatten. Direkt nach dem Schlusspfiff eilten Spieler und Trainer der Offenbacher Kickers zu Elton da Costa, sie drückten und herzten ihn, sie streichelten ihm zärtlich über den Kopf. Dabei hätten sie ihm lieber die Schuhe polieren sollen. Es war ein genialer Moment des brasilianischen Ballstreichlers gewesen, der dem Drittligisten einen 1:0 (1:0)-Heimsieg über den 1 .FC Heidenheim spendierte und die Mannschaft auf dem vierten Tabellenrang überwintern lässt.
In der 19. Minute war da Costa selbst gut 20 Meter vor dem gegnerischen Tor gefoult worden, den anschließenden Freistoß erklärte er – natürlich – zur Chefsache.
Gefühlvoll in den Winkel
Ein kurzer Kuss für das Spielgerät, dann zirkelte der Kapitän den Ball gefühlvoll mit dem linken Fuß über die Mauer in den rechten Winkel – ein Traumtor. „Diese Woche habe ich im Training schon einmal so getroffen“, verriet da Costa nach dem Spiel. „Der Torwart hat einen Schritt zur Seite gemacht, das habe ich ausgenutzt.“ Über seinen extravaganten Treffer war er dennoch selbst ein bisschen überrascht, jubelnd drehte er ab, hielt sich ungläubig mit den Händen die Augen zu.
Trifft ein da Costa in dieser Form auch blind? „Das war eine spontane Geste“, sagte er zwei Tage nach seinem 32. Geburtstag. „Ich habe seit sehr, sehr langer Zeit keinen Freistoß mehr direkt verwandelt.“
Da Costa ist der Erfolgsgarant der Kickers, das belegt auch die Statistik. Mit ihm holt das Team im Schnitt fast doppelt so viele Punkte wie ohne ihn. „Wir sind gesegnet, einen solchen Spieler in unseren Reihen zu haben“, adelte ihn Trainer Arie van Lent. Nach dem Treffer konnte er seine Mannschaft weit zurückziehen, die harmlosen Heidenheimer kamen ohne ihren etatmäßigen Angriff nur in der Schlussphase zu ernsthaften Gelegenheiten. Einen abgefälschten Freistoß von Marc Schnatterer (68.) parierte Torwart Robert Wulnikowski, der sich im Hinspiel noch den Jochbeinbogen gebrochen hatte.
Stefan Hickl soll gehen
Ansonsten fielen die Schwaben lediglich durch eine giftige Härte und permanentes Lamentieren auf, das die Grenze zur Peinlichkeit längst überschritten hatte. „Trotzdem haben wir nie die Ruhe verloren“, wusste Sead Mehic. Auf Tabellenplatz vier liegend, peile man nun mit dem „linken Auge ein klares Ziel an. Diese Ausgangslage wollen wir nicht mehr herschenken“, sagte van Lent.
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Für einen Tribünengast könnte es das letzte Spiel der Kickers gewesen sein, das er als Angestellter verfolgte: Stefan Hickl, erst Stammspieler, dann Reservist und seit einigen Wochen mit einer Rückenverletzung krankgeschrieben, spielt in den Planungen keine Rolle mehr. „Er hat ein tiefenpsychologisches Problem“, vermutet OFC-Sportkoordinator Ramon Berndroth. „Er ist ein lieber Junge mit tollen Fähigkeiten, aber er bringt nicht alles mit, was zu seinem Beruf gehört.“
Pünktlichkeit, voller Einsatz im Training und ein angemessenes Sozialverhalten in der Kabine seien für Berndroth wichtige Tugenden, die Hickl nicht immer erfülle. „Er macht das sicher nicht mit Absicht, aber er hat schon seine dritte Chance bekommen.“
Hickl selbst wollte sich dazu nicht äußern, im Winter werde es Gespräche geben. Die Zeichen stehen auf Trennung.
| Mannschaft | Tore | Punkte | |||
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | SV Sandhausen | 57:42 | 66 | ||
| 2 | VfR Aalen | 50:42 | 64 | ||
| 3 | Jahn Regensburg | 55:41 | 61 | ||
| 4 | 1. FC Heidenheim | 48:36 | 60 | ||
| 5 | Rot-Weiß Erfurt | 54:41 | 59 | ||
| 6 | Burghausen | 55:47 | 57 | ||
| 7 | VfL Osnabrück | 46:35 | 55 | ||
| 8 | Kickers Offenbach | 49:41 | 55 | ||
| 9 | Chemnitzer FC | 47:43 | 55 | ||
| 10 | 1. FC Saarbrücken | 61:51 | 54 | ||
| 11 | VfB Stuttgart II | 44:47 | 50 | ||
| 12 | Preußen Münster | 40:44 | 50 | ||
| 13 | Arminia Bielefeld | 51:57 | 50 | ||
| 14 | Darmstadt 98 | 51:47 | 49 | ||
| 15 | Unterhaching | 63:59 | 44 | ||
| 16 | Wiesbaden | 40:48 | 44 | ||
| 17 | SV Babelsberg | 44:59 | 44 | ||
| 18 | Carl Zeiss Jena | 39:59 | 39 | ||
| 19 | Oberhausen | 33:47 | 38 | ||
| 20 | Werder Bremen II | 29:70 | 22 | ||
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