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Offenbach Kickers : Spielraum für Phantasie

Der OFC schließt die Hinrunde positiv ab. Nach dem Sieg gegen Münster ist der Klub nur noch einen Punkt vom Relegationsplatz entfernt. Von Aufstiegsambitionen will Geschäftsführer Thomas Kalt nicht reden. Noch nicht.

Talentierter Allrounder: Stefano Cincotta jubelt über seinen Treffer für die Kickers.
Talentierter Allrounder: Stefano Cincotta jubelt über seinen Treffer für die Kickers.
Foto: Huebner/Scheiber

So richtig auskosten konnte Stefano Cincotta seinen großen Moment nicht. Direkt nachdem er zusammen mit seinen Mannschaftskameraden vor der Waldemar-Klein-Tribüne hüpfend den 3:0-Sieg über Preußen Münster bejubelt hatte, musste das Talent der Offenbacher Kickers zur Dopingkontrolle. Das sind die Automatismen, die der neue Ruhm mit sich bringt. Cincotta weckte nach seinem Treffer in der 83. Minute, dem ersten im Trikot des OFC, Begehrlichkeiten – auch bei den Dopingjägern. „Trotzdem war es ein herrliches Gefühl“, sagte der 20-jährige Deutsch-Italiener später. „Darauf habe ich lange gewartet.“

Cincotta, vor drei Wochen in den Kreis der deutschen U20-Auswahl zum Training in Neu-Isenburg berufen, hat sich nahe an die Stammformation herangearbeitet. Will Trainer Arie van Lent die Defensivbewegung stärken, dann wechselt er den in Guatemala-Stadt geborenen Allrounder ein, der seine gesamte Jugendzeit im Trikot von Eintracht Frankfurt verbrachte und erst im Sommer des vergangenen Jahres die Mainseite wechselte.

"Zum Schluss zählen nur die drei Punkte“

Doch nicht nur Cincotta strahlte am Freitagabend, die gesamte Delegation der Kickers war erleichtert. „Die schlechten Spiele zuvor haben Spuren hinterlassen“, wusste Geschäftsführer Thomas Kalt. Da tat ein Sieg, noch dazu ein ziemlich deutlicher, richtig gut, auch wenn es nicht immer schön anzusehen war, wie van Lent erklärte. „Aber zum Schluss zählen nur die drei Punkte.“

Kickers besiegen Preußen Münster

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Wer allerdings die ersten Minuten auf dem Bieberer Berg verfolgte, der hätte kaum damit gerechnet. Preußen Münster schnürte dem OFC derart die Luft ab, dass einem angst und bange werden konnte. „Ich habe mir gedacht: Was ist denn da los?“, sagte van Lent. „Uns hat die Ruhe gefehlt. Ich habe mich richtig über die leichtsinnigen Ballverluste geärgert.“ Dass die Offenbacher dennoch auf die Siegerstraße einbogen, lag an Elton da Costa und seinen zwei herrlichen Standards.

Der Brasilianer, nach seinem Muskelfaserriss erstmals wieder in der Anfangself, hat nicht nur viel Gefühl im Fuß, sondern vermittelt auch der Mannschaft die Gewissheit, immer noch einen drauflegen zu können. Zwar sei er noch nicht bei hundert Prozent angelangt, „durch die Spielpraxis komme ich aber einen Schritt weiter“.

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Für da Costa und André Hahn mussten Lars Bender und Pascal Testroet weichen, van Lent stellte auf ein 4-1-4-1 um und vertraute dem späteren Torschützen Stefan Vogler als einzige Spitze. Testroet saß nur auf der Bank.

Ein Denkzettel?

„Ob es das ist, weiß ich nicht“, so der Trainer. „Ich brauche Leute, die weite Wege gehen.“ Vogler mache dies, Testroet nicht immer. „Das bekommt er noch hin“, glaubt van Lent. Auch wenn es sich in der Trainingswoche angedeutet hatte, war Testroet enttäuscht, als sein Name nicht an der großen Tafel erschien. „Ich kann das nicht ganz verstehen“, sagte er hinterher. „Aber ich glaube an meine Qualitäten.“

Die Konstanz fehlt

Gegen Münster setzte der OFC die Nadelstiche zum richtigen Zeitpunkt, so dass Gästetrainer Marc Fascher glaubte, im „falschen Film“ zu sitzen. „Wir waren schon ein bisschen nervös“, sagte Kickers-Keeper Robert Wulnikowski. „Das haben wir mit den Toren aber abgelegt.“ Die Mannschaft braucht Erfolgserlebnisse, an denen sie sich hochzieht, die die Selbstzweifel vergessen lassen. Die Hinrunde der Offenbacher glich einer Achterbahnfahrt, gute Spiele (wie gegen Regensburg) und schlechte Leistungen (wie zuletzt in Saarbrücken) wechselten.

Den Kickers fehlt die Konstanz. „Das ist unser großes Problem“, bestätigt van Lent. Und dennoch halten sie, auf Rang sechs liegend, den Kontakt zur Tabellenspitze.

Nur ein Punkt ist der Klub zum Abschluss der Hinserie vom Relegationsplatz entfernt, andererseits sind es in dieser irrsinnig engen Konstellation auch nur vier Zähler Vorsprung auf die Lokalrivalen aus Wehen und Darmstadt. Sie liegen auf Platz 14 und 15. „Wir haben diese Saison nicht den Druck und den Anspruch“, erklärt Kalt, der von Aufstiegsambitionen nicht reden will, beim Blick auf die Tabelle aber „viel Spielraum für Phantasie“ sieht.

Träumen ist nach Abschluss der ersten Saisonhälfte erlaubt, zu mehr fehlt die Konstanz.

Autor:  Sebastian Rieth
Datum:  4 | 12 | 2011
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3. Liga
Mannschaft Tore Punkte
1 SV Sandhausen 57:42 66
2 VfR Aalen 50:42 64
3 Jahn Regensburg 55:41 61
4 1. FC Heidenheim 48:36 60
5 Rot-Weiß Erfurt 54:41 59
6 Burghausen 55:47 57
7 VfL Osnabrück 46:35 55
8 Kickers Offenbach 49:41 55
9 Chemnitzer FC 47:43 55
10 1. FC Saarbrücken 61:51 54
11 VfB Stuttgart II 44:47 50
12 Preußen Münster 40:44 50
13 Arminia Bielefeld 51:57 50
14 Darmstadt 98 51:47 49
15 Unterhaching 63:59 44
16 Wiesbaden 40:48 44
17 SV Babelsberg 44:59 44
18 Carl Zeiss Jena 39:59 39
19 Oberhausen 33:47 38
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