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125 Jahre Theodor-Heuss-Schule: Stets ein fortschrittlicher Geist

1884 lernten 65 Jugendliche früh morgens und spät abends im Haus eines Bäckers Sprachen, Rechnen und Korrespondenz - 125 Jahre später hat die Theodor-Heuss-Schule rund 2000 Schüler.

Das Gebäude der Offenbacher Theodor-Heuss-Schule platzt aus allen Nähten und ist sanierungsbedürftig. Das Kollegium hofft  auf eine Erweiterung.
Das Gebäude der Offenbacher Theodor-Heuss-Schule platzt aus allen Nähten und ist sanierungsbedürftig. Das Kollegium hofft auf eine Erweiterung.
Foto: Rolf Oeser

Es muss Aufbruchstimmung geherrscht haben, als kluge Leute vor 125 Jahren die Gründung einer kaufmännischen Schule vorantrieben. Josef Schloßmacher war so ein Fortschrittsgeist.

Der Sekretär der Offenbacher Großherzoglichen Handelskammer regte zu Beginn der 80er Jahre des 19. Jahrhunderts eine schulische Ausbildung kaufmännischer Lehrlinge an - die erste im Großherzogtum Hessen.

Jubiläumsprogramm

Zu den Feierlichkeiten zu ihrem 125-jährigen Bestehen lädt die Theodor-Heuss-Schule für heute, Donnerstag, 12. November, 18 Uhr, Schüler, Eltern, Lehrer, Ehemalige und Freunde in ihre Aula ein. Schulleiter Heinrich Kößler begrüßt die Gesellschaft um 18.10 Uhr. Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD) spricht gegen 18.30 Uhr.

Schüler aus unterschiedlichen Ländern zeigen Plakate, die in der jeweiligen Muttersprache die Gäste willkommen heißen. Anschließend stellen sie die Anfänge der Schule von 1884 szenisch dar. Wie es in den 20er und 50er Jahren in öffentlichen Schulen zuging, zeigen Schüler gegen 19 Uhr. Dass es heute ganz anders ist, präsentieren Schüler mit Migrationshintergrund in einem szenischen Spiel.

Ehemalige Schüler erzählen aus ihren Erinnerungen an die Schule und was heute über die THS gedacht wird.

Schulsprecherin Mariam Zaidoun moderiert den Abend. Aus den Partnerschulen in Budapest werden Grußworte gesprochen. mre

Die Schüler betreiben ein Café in der Aula. in 125 Jahren ist die Zahl der Schüler der Theodor-Heuss-Schule in Offenbach von 65 auf 2000 gestiegen.
Die Schüler betreiben ein Café in der Aula. in 125 Jahren ist die Zahl der Schüler der Theodor-Heuss-Schule in Offenbach von 65 auf 2000 gestiegen.
Foto: Rolf Oeser

Standorte und Berufsausbildungen haben sich in den 125 Jahren grundlegend geändert. Geblieben ist der fortschrittliche Geist, der das Kollegium dazu treibt, das gesellschaftlich Notwendige zu tun. Heute sind bis zu 80 Prozent der 2000 Schüler Migranten.

"Unser Ziel ist es, möglichst viele Schüler mit Potenzial zu einem höheren Abschluss zu verhelfen, auch und gerade, wenn sie aus nicht-privilegierten Verhältnissen stammen", sagt Schulleiter Heinrich Kößler und verweist auf die Erfolge.

An den drei bisherigen Wettbewerben des Lions-Clubs erreichte die THS jeweils den ersten Preis, die Abiturabschlüsse können sich sehen lassen, es gibt viele Schulprojekte, unter anderem das Tasty Theo, einen von Schülern betriebenen Kiosk mit Öko-Laden und Cafeteria.

1884 lernten 65 Schüler im Haus eines Bäckers

Die erste kaufmännische Schule sah freilich ganz anders aus. 1884 paukten 65 Schüler im Hause eines Bäckers in der Glockengasse - im Winter abends zwischen 20 und 22 Uhr und im Sommer zwischen sechs und acht Uhr in der Früh. Französisch und Englisch für die Handelskorrespondenz und kaufmännisches Rechnen standen auf dem Stundenplan.

Wer in den Sprachen keine Vorkenntnisse hatte, erhielt Nachhilfe. Staatliche Unterstützung blieb der Schule, die erst 1966 in Theodor-Heuss-Schule umbenannt wurde, 18 Jahre versagt. Die Eltern zahlten Schulgeld. Das Interesse an der Ausbildung nahm rasant zu. Platzmangel machte Umzüge erforderlich. Zuerst in eine alte Realschule in der Herrnstraße, 1907 in einen neu errichteten Seitenbau der Handelskammer in der Kaiserstraße.

Hessens erste Schule Hessens mit gemeinsamem Unterricht

1909 bestimmten wieder fortschrittliche Menschen die Geschicke: Als erste Schule in Hessen wurden Mädchen aufgenommen und mit Jungen unterrichtet. "Trotz des gefährlichen Alters der Schüler und Schülerinnen haben sich aus dem gemeinsamen Unterricht niemals Schwierigkeiten ergeben" so ein Zitat von 1910.

1920 übernimmt die Stadt die Trägerschaft. 1922 wird sie Höhere Handelsschule, 1933 zieht sie auf das Gelände des heutigen Rathauses. 1946 eröffnet sie nach der Zerstörung 1944 im Gebäude der Albert-Schweitzer-Schule wieder, wechselt 1956 in die ehemalige Oberschule für Mädchen in der Geleitsstraße. 1961 wurden der Realschulzweig und 1968 die gymnasiale Oberstufe eingeführt. 1972 und 1973 zieht sie in den Neubau auf dem Buchhügel. Sie entwickelt sich noch schneller.

Um den sozialen Frieden zu bewahren, knappst sich die Schule fast drei Lehrerstellen vom Budget ab, um Sozialarbeiter zu bezahlen. Für Kößler ein Unding. "Es kann nicht sein, dass die Schule Aufgaben der Stadt übernimmt", sagt er. Auf die Stadt ist er nicht gut zu sprechen, weil die versprochene Erweiterung auf sich warten lässt.

"Wir befürchten, dass die Erweiterung nicht den Anforderungen entspricht", so Kößler. Die Gymnasien würden stets besser bedacht als die berufliche Schule. Ganz zu Unrecht, wie Kößler findet. Etwa 50 Schüler verließen die Schule jährlich mit dem Abitur in der Tasche, 150 mit dem Fachabitur, Hunderte erhielten einen Abschluss. Das gesellschaftlich Notwendige eben.

Autor:  Madeleine Reckmann
Datum:  12 | 11 | 2009
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