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Abschiedsinterview mit dem Polizeipräsidenten: "Stromlinienförmig war ich nie"

Der scheidende Polizeipräsident Heinrich Bernhardt hat sich mit Angelika Ohligerüber Ungeduld, Personalmangel und Krimis unterhalten. Ende Februar geht der "eiserne Heinrich" in Ruhestand.

Heinrich Bernhardt geht Ende Februar in den Ruhestand. Der Präsident des Polizeipräsidiums Südosthessen wurde im Februar 1945 im Kreis Friedberg geboren. Er ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.Seit Oktober 2003 war er Polizeipräsident. Am 26. Februar wird er in den Ruhestand verabschiedet.
Heinrich Bernhardt geht Ende Februar in den Ruhestand. Der Präsident des Polizeipräsidiums Südosthessen wurde im Februar 1945 im Kreis Friedberg geboren. Er ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.Seit Oktober 2003 war er Polizeipräsident. Am 26. Februar wird er in den Ruhestand verabschiedet.
Foto: Rolf Oeser

Herr Bernhardt, wie schwer ist es für Sie, jetzt loszulassen? 47 Dienstjahre - ein Monat fehlt noch - sind zu Ende. Ich bin - wie viele andere - jetzt entbehrlich. Ich verspreche, ich lasse los und werde mich nicht mehr melden. Es sei denn, ich würde um Auskunft gebeten.

Kennen Sie eigentlich Ihren Spitznamen? Eiserner Heinrich? Das ist mir bekannt und es macht mir nichts aus.

Zur Person

Heinrich Bernhardt wurde im Februar 1945 im Kreis Friedberg geboren. Er ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.

Seine Ausbildung bei der Polizei begann er mit 18 Jahren. 1966 wurde er zum Polizeipräsidium Frankfurt versetzt. Nach Fachabitur und Kommissarlehrgang wurde er Dienstgruppenleiter. In den folgenden Jahren stieg er in Frankfurt bis zum Polizeivizepräsidenten (1999-2001) auf. Anschließend war er Landespolizeivizepräsident im Innenministerium, bis er am 29. Oktober 2003 zum Polizeipräsident in Offenbach ernannt wurde. Am 26. Februar wird er in den Ruhestand verabschiedet.

Das Polizeipräsidium Südosthessen ist eins von sieben Flächenpräsidien in Hessen, die bei der Polizeireform 2001 entstanden. In ihm gingen die früheren Polizeidirektionen Offenbach und Hanau auf.

863.000 Menschen leben in 43 Kommunen, für die das Polizeipräsidium zuständig ist.

1700 Mitarbeiter (Vollzugsbeamte und Verwaltungskräfte) hat das Präsidium, manche von ihnen in Teilzeit. (ohl)

Sie sollen nicht unumstritten sein, weil Sie sehr zielstrebig sind. Damit macht man sich nicht nur Freunde. Über mein Etikett weiß ich Bescheid. Aber wenn man so lange wie ich Führungsfunktionen innehatte und in schwerwiegenden Einsätzen oft schwierige Entscheidungen treffen musste, bleibt eine entsprechende Prägung nicht aus. Ich werde unruhig, wenn ich tagelang auf irgendeine Antwort warten muss. Wir sind für die Bürgerinnen und Bürger da, und deshalb müssen wir in deren Sinn entschlossen und für sie erkennbar handeln. Das lebe ich vor und verlange es auch von meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Vermutlich sind Sie auch bei Vorgesetzten immer mal wieder angeeckt. Stromlinienförmig war ich niemals. Konstruktive interne Kritik gehört dazu.

Sie erklären oft Dinge zur Chefsache. Auf Kritik reagieren Sie schon mal ungehalten. Für Kritik bin ich offen, auf damit verbundene Uneinsichtigkeit reagiere ich schon ungehalten. Von dem lateinischen Spruch "Fortiter in re, suaviter in modo " - Stark in der Sache, mild in der Methode - ist mir der zweite Teil nie ganz gelungen.

Das Zuständigkeitsgebiet des Polizeipräsidiums Südosthessen ist wenig einheitlich: Stadt und Kreis Offenbach, Hanau und der Main-Kinzig-Kreis - da warten ganz unterschiedliche Aufgaben auf die Polizei. In der Tat unterscheiden sich die beiden Bereiche kriminalgeografisch deutlich voneinander. Der Main-Kinzig-Kreis weist eine wesentlich geringere Kriminalitätsbelastung auf als Stadt und Kreis Offenbach. Dementsprechend ist auch die Personalausstattung. Einige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Main-Kinzig-Kreis haben es bisher noch nicht verinnerlicht, diese Umstände anzuerkennen und sich als Teil des Polizeipräsidiums Südosthessen zu sehen.

Und der Personalmangel? Ich bin der festen Überzeugung, dass wir im Main-Kinzig-Kreis insbesondere die Stationen Schlüchtern, Bad Orb und Gelnhausen so verstärken müssen, dass dort eine Streife mehr eingesetzt werden kann. Ich habe entschieden, dass Maintal und Gelnhausen jeweils sechs Polizeibeamte bekommen. Dies folgt aus Umstrukturierungen, die uns durch die Zuweisung weiterer 41 Wachpolizisten durch den hessischen Innenminister ermöglicht wurden.

Als Sie 2003 das Angebot bekamen, Polizeipräsident in Offenbach zu werden, hatten Sie da Bedenken? Nein, die Menschen in der Region sind ehrlich, offen und direkt. Das passt mir eher, als drumherum zu reden - außerdem wohne ich im Kreisgebiet.

Im Juni 2005 haben Sie zusammen mit Ihrem Pressesprecher Josef Michael Rösch in Offenbach einen schwer bewaffneten Mann überwältigt, der gerade auf offener Straße einen Mann erschossen hatte. Manche bezeichneten dies als eine Heldentat . . . . . . das war keine Heldentat! Ich habe zum ersten Mal in meinem Leben einen Mord live miterlebt! Der Täter erkannte ja nicht, dass er verfolgt wird. Auf schnelles Handeln kam es an. Der sofortige Zugriff versprach größeren Erfolg als die in Erwägung zu ziehende längere Observation und die Herbeiziehung von Spezialkräften. Danach kamen viele Journalisten auf mich zu und wollten Interviews haben, was ich aber ausnahmslos ablehnte. Ich mochte noch nie Aufhebens um meine Person.

Mögen Sie eigentlich Krimis? Ich schaue Krimis zur Entspannung, aber meistens schlafe ich dabei ein. Am liebsten sehe ich im Fernsehen Naturfilme, Berichte über Physik und Technik und althistorische Berichte über Römer, Griechen, Ägypter, Inkas oder Azteken.

Wie wird Ihre Nachfolge geregelt? Die Entscheidung darüber steht dem Innenminister zu. Ich weiß nicht, wer meine Nachfolge antreten wird und beteilige mich nicht an Spekulationen.

Ihr letzter Arbeitstag ist der . . . . . . 26. Februar. Bis dahin will ich alle Dienststellen besuchen und mich überall persönlich verabschieden. Die Führungskräfte sind das eine, doch das Gesicht der Polizei für den Bürger stellen die Beamtinnen und Beamten an der Basis dar. Und bei diesen Kolleginnen und Kollegen möchte ich mich bedanken.

Sie treffen sich mit Ihren Leuten auch zum Fußballspielen. Wenn ich mit den Jungs Fußball spiele, habe ich viel Spaß. Dabei haben die Kollegen auch die Chance, das Wesen meiner Person zu erkennen.

Dürfen Sie als Pensionär dann noch mitkicken? Sie haben mich schon gefragt, ob sie mich wieder einladen dürfen. Ich würde mich freuen. Es geht nicht mehr alles so schnell, aber ein bisschen Schieben und Drücken, das geht schon noch. Und da bin ich dann Gleicher unter Gleichen.

Was ist das für ein Job, der hier auf Ihren Nachfolger wartet? Es kommt auf die eigene Einstellung an und darauf, was man daraus machen will. Nachdem ich alle Hierarchie-Ebenen durchlaufen habe, glaube ich, Polizeipräsident ist ein toller Beruf. Das Spannende für mich war, mit den Menschen umzugehen. Außerdem wollte ich immer gestalten, und das habe ich gemacht. Ideenlos bin ich nie zum Dienst erschienen. Ich finde, die Aufgabe war außerordentlich spannend.

Wie geht es für Sie persönlich weiter? Da muss ich viele Ansinnen an mich gegeneinander abwägen. Bei der Hessischen Polizeiakademie engagiere ich mich in der Fortbildung für den höheren Polizeivollzugsdienst. Im Ausschuss für Sicherheit des Deutschen Fußball-Bundes arbeite ich seit 22 Jahren. Dieser Aufgabe werde ich weiterhin nachgehen. Aber: Ich möchte nicht mehr jeden Tag eingespannt sein. Ich freue mich auf den Ruhestand und darauf, dass ich mehr Zeit meiner Familie und insbesondere meiner lieben Frau widmen kann.

Interview: Angelika Ohliger

Datum:  16 | 1 | 2010
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