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Akademie für interdisziplinäre Prozesse in Offenbach: Utopien und Apfelchutney

Lutz Jahnke, ein 31 Jahre alter Designer und Absolvent der Hochschule für Gestaltung, hat die Akademie für interdisziplinäre Prozesse gegründet. In ihrem Vorlesungsverzeichnis stehen Jazzkonzerte, Poetry-Slams, Forschungsseminare und eine Vortragsreihe.

Parolen schreien ist nicht sein Ding: Lutz Jahnke setzt auf eine Mischung aus Kunst und kreativem Denken.
Parolen schreien ist nicht sein Ding: Lutz Jahnke setzt auf eine Mischung aus Kunst und kreativem Denken.

Der Lehrstuhl ist ein weißer Klappstuhl aus Plastik und die Akademie eine ausgediente Drogerie am Goetheplatz mit Kruschelkram. Was den Lehrstuhl betrifft, der soll so sein: mobil, flexibel, transportabel wie das Denken. Die Akademie könnte aufgeräumter sein, sagt ihr Gründer Lutz Jahnke, ein 31 Jahre alter Designer und Absolvent der Hochschule für Gestaltung.

Ein antiquarischer Schreibtisch steht herum, ein Fernsehgerät, Kartons, Paletten, in Silberpapier eingeschlagene Quadrate. In dem 300 Quadratmeter großen Ladenlokal gibt es eine Ecke mit Schlagzeug und eine mit Sofa. Vielfalt und Durcheinander sollen vielleicht auch so sein. Denn das Denken geht keine stringenten Wege. Die Akademie soll interdisziplinäre Prozesse hervorrufen, Strömungen unserer Zeit erforschen und Utopien entwerfen. Deshalb heißt sie auch so: Akademie für interdisziplinäre Prozesse.

Jahnke hat sie im vergangenen Sommer gegründet, einfach so, als eine Art spontaner Geistesblitz. So, wie er schon vorher die Glühbirne als Kulturreserve in eine Konserve packte. Die ist im Buchhandel erhältlich und so was wie ein Verkaufsschlager. Seit Sommer hat sich also eine lebendige Szene mit Menschen unterschiedlicher Fachrichtungen entwickelt, die die Akademie als Plattform nutzt. Auf dem Programm stehen Jazzkonzerte, Poetry-Slams, Forschungsseminare und eine Vortragsreihe. Die Songwriterin Leanne Harte ist bereits aufgetreten, der HfG-Professor Georg-Christof Bertsch hat einen Vortrag gehalten und die Schriftstellerin Katja Kullmann auch.

„Wir bieten keine Hochglanzveranstaltungen“, sagt Jahnke, „es geht darum, Energien zu entwickeln.“ Getragen wird die Akademie von einer Reihe von „Leuten, die es für möglich halten, das etwas wird“. Auf ehrenamtlicher Basis freilich, das Projekt läuft finanziell auf kleinster Flamme. Mit dem Verkauf von Apfelchutney holt Jahnke das Geld für die Heizkosten herein. Das Werden ist also das Ziel, die Entwicklung und ja, Prozesse. Der Mietvertrag läuft bis Ende 2012.

Offenbar kommt das Projekt gut an. „Wir haben 60 bis 120 Besucher bei Veranstaltungen“, sagt Jahnke. Auch die Seminare werden nachgefragt. Eva Moll, die einen der Lehrstühle in der Akademie zur Happening- und Aktionskunst einnimmt, hat in ihrer Klasse neun Plätze. Die belegen nicht nur Künstler, auch ein Architekt und ein Physiker sind darunter.

Die Akademie für interdisziplinäre Prozesse lädt zum Neujahrsempfang am Freitag, 13. Januar, um 20 Uhr in die Ludwigstraße 112a ein. www.afip-hessen.de

Autor:  Madeleine Reckmann
Datum:  12 | 1 | 2012
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