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Ein Mann gegen Hitler

Offenbach Stolperstein für Manfred Weinberg vor der Kickers-Tribüne neu verlegt

Seit gestern hat er einen neuen Platz – und was für einen. Direkt vor dem Eingang zur neu gebauten Haupttribüne des Kickers-Stadions erfüllt der Stolperstein seine Bestimmung aufs Beste. Er erinnert an Manfred Weinberg, der Vorstand der Kickers und ein entschiedener Gegner der Nationalsozialisten war. Barbara Leissing von der Geschichtswerkstatt hat den Stein vor der Wiederenthüllung noch einmal eigenhändig poliert. „Wir sind froh, dass es so gekommen ist“, sagt sie. „Auf die Offenbacher ist eben Verlass.“

In diesem Fall auf die Jusos. Die haben sich darum gekümmert, dass der Stein während der Bauarbeiten nicht verloren ging. Im Mai vergangenen Jahres gruben sie ihn vor dem Fanshop, wo er vor sechs Jahren verlegt worden war, aus. „Die Bauzäune standen schon“, sagt Juso-Vorsitzender Martin Wilhelm. In dessen Wohnzimmer war der Stein in den vergangenen Monaten dann relativ sicher. Den neuen Ort hält er schlicht für ideal. „Es gibt keinen besseren.“ Denn der Platz vor dem Stadion wird in wenigen Wochen nach Waldemar Klein benannt. Der verstorbene Ehrenpräsident der Kickers hatte den Stein für Weinberg einst gestiftet.

„Und damit eine Diskussion über die Geschichte des Vereins angestoßen“, sagt der ehemalige Oberbürgermeister Wolfgang Reuter. Denn die Tat, die als einmalig in der Geschichte des deutschen Sports gilt, war lange aus den Chroniken getilgt: Der jüdische Rechtsanwalt Weinberg verhinderte im Juni 1932, dass Adolf Hitler im Kickers-Stadion sprechen konnte. Die Nazis mussten mit ihrer Kundgebung und 20000 Besuchern auf den benachbarten Sportplatz des SV Offenbach 02 ausweichen. Sein Mut kam Weinberg teuer zu stehen. Er wurde aus dem Verein gedrängt.

Und nach der „Machtergreifung“ rächten sich die örtlichen Nazis mit einer besonderen Demütigung: Gemeinsam mit dem Kaufmann Ernst Oppenheimer musste Weinberg auf dem Wilhelmsplatz kommunistische Parolen mit der Zahnbürste entfernen. Der Jurist bekam Berufsverbot, landete kurzzeitig im KZ und emigrierte schließlich nach Frankreich und Afrika.

„Umso erstaunlicher ist, dass er nach dem Krieg zurückkehrte“, bekräftigt Reuter. 1946 wurde er mit dem Wiederaufbau des Arbeitsamts in Mainz beauftragt. „Wir wollen ihm ein ehrendes Andenken bewahren“, so Reuter.

Nichts anderes sei Sinn der Stolpersteine, sagt Barbara Leissing. „Sie sind kleine Denkmale.“ Um sie zu lesen, müsse man sich hinunterbeugen und verneige sich damit vor denen, an die sie erinnerten. Der Stein für Weinberg war der zweite in der Stadt. Inzwischen gibt es 109 – Tendenz steigend. Ziel sei, für alle deportierten Kinder und Jugendlichen Steine zu verlegen und alle Opfergruppen vertreten zu haben – auch die Homosexuellen und Opfer der Euthanasie. „Wir sind auf einem guten Weg“, sagt Leissing.

Durch die Stolpersteine bekommt Geschichte ein konkretes Gesicht. Leissing wünscht sich, dass möglichst viele Menschen, vor allem auch Jugendliche, diese Erfahrung machen. „Wer sich einmal damit beschäftigt, vergisst es nicht mehr.“ Das wünscht sich auch Kickers-Vizepräsident Peter Dinkel: „Man hat uns vergeben, aber wir dürfen nie vergessen.“

Autor:  Jörg Echtler
Datum:  23 | 2 | 2012
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