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Elektrisch mobil: Offenbach steigt um

Vom Linienbus bis zum Müllauto: 2011 kommt der saubere Antrieb auch in Offenbach. Die städtischen Unternehmen gehen dabei voran.

        

Dienstfahrt mit  dem Pedelec am  Rathaus Offenbach.
Dienstfahrt mit dem Pedelec am Rathaus Offenbach.
Foto: Monika Müller

Die Stadtwerke (SOH) laden ihre Dienstfahrzeuge an der Stromtankstelle auf, die Offenbacher Verkehrsbetriebe OVB lassen einen Linienbus abgasfrei und lautlos nach Frankfurt rollen. In der Innenstadt stellt die Lokale Nahverkehrsorganisation LNO den Umsteigern von der S-Bahn elektrisch betriebene Leihwagen bereit. Und der städtische Dienstleister ESO leert die Mülltonnen mit einem leisen Hybrid-Sammelfahrzeug.

Alle reden von der Zukunft – Offenbach handelt. 2011 soll der saubere Elektroantrieb verstärkt auf die Straße kommen. Hier, beim Stadtkonzern, ist seit 2009 die Leitstelle der mit Bundesmitteln geförderten Modellregion Elektromobilität angesiedelt. Und hier, sagt SOH-Sprecherin Regina Preis, werde diese Mobilität auch konkrete, vielfältige Formen annehmen. Mit vier von rhein-main-weit 16 innovativen Projekten soll die Alltagstauglichkeit der neuen Technik erprobt und ihre Markteinführung vorbereitet werden.

In Portugal baut gerade die Firma Caetano einen Bus um. Ab März wollen ihn die OVB für drei Monate im großstädtischen Linienbetrieb zwischen Mühlheim, Offenbach und Frankfurt testen. Gewissermaßen im zweiten Anlauf. Der erste mit einem Fahrzeug aus Turiner Produktion scheiterte 2009 an Lieferfristen und Rahmenbedingungen.

Mit seiner Stadtbuslänge von zwölf Metern werde das gemietete Fahrzeug bundesweit der erste rein elektrisch betriebene Linienbus in dieser Größenordnung sein, sagt Volker Lampmann, OVB-Chef und Leiter der vierköpfigen Mobilitätsleitstelle.

Angetrieben wird die Vorderachse. Im Heck ist der Boden des Busses flach wie ein Brett: keine Podeste und andere Stolperfallen mehr im Innenraum. Ein optimierter Niederflurbus. Handicap ist die Reichweite: Statt der für einen Umlauf erforderlichen 250 bis 300 Kilometer schafft der E-Bus nur 100. Deshalb soll es auf der Linie 103 auch bei nur einem Elektro-Einsatz am Tag bleiben.

Hemmschwellen senken und zum Ausprobieren animieren will die LNO mit ihrem zusammen mit dem RMV betriebenen Car- und Pedelec-Sharing am Verkehrsknotenpunkt Marktplatz. Unterhalb des „Feldherrnhügels“ an der Berliner Straße Ecke Schlossstraße sollen S-Bahn-Fahrgäste etwa ab März auf zwei quietschbunte, zweisitzige Think-City-Kleinwagen norwegischer Produktion umsteigen können: mit einer Reichweite von 120 Kilometern, die für City-Touren genügt.

Außerdem stehen 15 Leihfahrräder mit Elektromotor bereit. Zum Stromtanken gibt es zwei Säulen. Die Pedelecs werden in ihren Boxen geladen, sagt LNO-Geschäftsführerin Anja Georgi. Für den Betrieb der in der Startphase betreuten Station wird noch ein Partner gesucht. Das Projekt wird von der Marktforschung begleitet.

Auch Energieversorger EVO, der bereits eine öffentliche Solarstrom-Tankstelle und mehrere E-Mobile vom Motorrad bis zum Kleintransporter betreibt, denkt über ein Mietwagen-Projekt nach. Schon jetzt stehen Offenbacher Rathausmitarbeitern 14 Pedelecs zur Verfügung. Weitere zwei sollen auch bei den Stadtwerken zusammen mit zwei Elektro-Kleinwagen (iMiev und Stromos) zum Einsatz kommen, sagt Projektmanagerin Janine Mielzarek. In der Senefelder Straße soll auch Strom getankt werden können, wahlweise Gleich- oder Wechselstrom.

Den Namen Rotopress Dualpower trägt ein neuartiger Müllwagen des Osterholzer Herstellers Faun. Der in einer Kleinserie von 20 Exemplaren aufgelegte Sammler ist mit einem Diesel- und einem Hybrid-Motor ausgestattet. Er soll zum Jahreswechsel auch in Offenbach zum Einsatz kommen.

Mit dem Diesel fährt das Fahrzeug die Wohngebiete an. Im Sammelgebiet selbst schaltet der Fahrer dann auf elektrischen Antrieb um. Jetzt rollt das Fahrzeug immissionsfrei durch die Straßen, lädt den Abfall und presst ihn mit Hilfe eines rotierenden Zylinders.

Das senkt den Lärm von 106 auf 91 dB(A) und macht den Rotopress auch in Tagesrandzeiten einsetzbar, etwa noch vor dem Berufsverkehr. Gleichzeitig sollen Kraftstoffverbrauch und CO2 um mehr als 30 Prozent sinken. Ein zweites Faun-Drehtrommelfahrzeug mit herkömmlichem Antrieb wird parallel betrieben, um Wirtschaftlichkeit und Umweltnutzen des mit 310000 Euro um 60 Prozent kostspieligeren Hybridwagens zu testen, so ESO-Geschäftsführer Markus Patsch.

Die SOH überlegt, sich mit der Elektromobilität auch nach dem Ende des Förderzeitraums 2011 ein neues Geschäftsfeld zu erschließen und ein regionales Kompetenzcenter aufzubauen. In dem sollen neue Verkehrskonzepte entwickelt, Beratung geleistet und Fahrzeuge gewartet werden. ESO und OVB wollen dazu eine Werkstatt für die neue Technik aufbauen. „Offenbach“, freut sich Lampmann, „ist bei der Entwicklung dieser Zukunftstechnologie ganz vorne dabei.“

Autor:  Jörg Muthorst
Datum:  29 | 10 | 2010
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