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Faible fürs Fechten

Verein Zornhau trainiert historische Schläge mit Schwert und Dolch

        

Den Angreifer genau im Blick.
Den Angreifer genau im Blick.
Foto: Boeckheler

Schon der Name ist scharf: „Zornhau“ heißt der Zusammenschluss von Menschen, die Schwertkampf und Interesse an mittelalterlicher Kampfeskunst verbinden. „Wir sind eine relativ anarchische Gruppe“, erklärt Vorsitzender Torsten Schneyer den brachial anmutenden Namen. Als „gemeiner Bauernschlag“ wird der Zornhau in der Literatur des 16. Jahrhunderts beschrieben, „aber eigentlich ist er ein Komplex von Schlägen mit dem Schwert“, erklärt Schneyer. Solche Bewegungsfolgen möglichst originalgetreu zu erlernen, treffen sich die Vereinsmitglieder in Offenbach zum Training mit Schwert, Dolch und anderen Waffen.

Schneyer leitet das Training in der Halle des Offenbacher Fechtclubs. Seit 15 Jahren ist der Grafikdesigner und Künstler vom Schwertkampf begeistert, fing mit mittelalterlichem Schaukampf und Bühnenfechten an und wollte schließlich mehr über die Ursprünge dieser Sportart wissen.

„Das Schwertfechten wurde in Europa mit der Erfindung der Schusswaffen eingestellt“, erzählt er, „erst in den letzten 20 bis 25 Jahren wurde es wiederbelebt.“ Die Kampfeskunst Europas stehe der asiatischen an Eleganz und Schnelligkeit in nichts nach.

Mit der Geschichtsromantik der Mittelaltermärkte hat der seit zehn Jahren bestehende Verein nicht viel gemeinsam. Die Mitglieder transkribieren alte Fechterliteratur aus Museen ins Hochdeutsche, übersetzen und interpretieren die Texte. Dann versuchen sie, die Anleitungen in Wort und Bild originalgetreu umzusetzen. „Es gibt inzwischen eine ganze historische Fechterszene, die sich über die richtigen Schläge austauscht.“

Eine offizielle Liga, in der die Kämpfer antreten, gibt es noch nicht, deshalb sei der Schwertkampf auch noch kein Wettkampfsport, sagt zweiter Vorsitzender Michael Lüdtke. Nur bei Szene-Veranstaltungen gibt es freundschaftliche Kämpfe. An diesem Wochenende trifft sich die Szene aus Anlass des zehnjährigen Bestehens von Zornhau auf der Ronneburg.

Einen Waffenschein brauchen die Vereinsmitglieder nicht. „Wir trainieren mit stumpfen Waffen, und die fallen unter Trachtenzubehör oder Sportgeräte“ erklärt Schneyer. Scharfe Schwerter dürfe man besitzen, „man sollte damit aber nicht auf einer Demo rumlaufen“, fügt er grinsend an.

Ist das Training gefährlich? „Ich bin derjenige in der Gruppe mit der höchsten Verletzungsrate, ich hatte schon zwei Kreuzbandrisse“, sagt Schneyer und fügt an: „Wir achten sehr darauf, dass die Leute im Rahmen ihrer Möglichkeiten trainieren.“ Anfänger üben zunächst alleine, und werden dann erst mit Holzwaffen auf den Gegner losgelassen.

Fast 30 Prozent der Trainierenden bei Zornhau sind Frauen. Dazu gehört Rosa Sophia Groß. „Ich bin Mittelalter-Freak und interessiere mich für den geschichtlichen Hintergrund“, sagt die 17-Jährige.

Sie kreuzt im Training die Klinge mit Viola Wenk. Ihr Freund ist schon länger dabei. „Bei ihm habe ich das Schwert gesehen und damit rumgefuchtelt, bis ich ein paar Macken in die Decke gemacht habe“, erzählt sie. Dann entschloss sie sich für ein gezieltes Training bei Zornhau.

Ab 16 Jahren darf man bei Zornhau Mitglied werden – mit Einverständniserklärung der Eltern. „Die sollten aber erst mal hier herkommen und sich anschauen, was wir so machen“, empfiehlt Schneyer.

www.zornhau.de

Autor:  Sigrid Aldehoff
Datum:  23 | 7 | 2011
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