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23. Januar 2013

Flughafen Berlin Faulenbach: Plötzlich ein gefragter Mann

 Von Madeleine Reckmann
Dieter Faulenbach da Costa ist ein streitbarer Flughafenberater und kommentiert auch das Großprojekt in Berlin.  Foto: Andreas Arnold

Planer Dieter Faulenbach da Costa nennt die Mängel am neuen Berliner Flughafen

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Neulich war er im Heute-Journal des ZDF. Dann im ARD-Morgenmagazin. Er spricht in verschiedenen Sendungen von N24, im NTV, RBB und vielen Radiosendungen. „Da habe ich den Überblick verloren“, sagt er. Dieter Faulenbach da Costa ist als beharrlicher Widersacher gegen den Ausbau des Frankfurter Flughafens bekannt. In Offenbach ist er seit 2000 städtischer Berater in Airport-Angelegenheiten.

Dass der 68-Jährige neuerdings in TV-Nachrichtensendungen so gefragt ist, liegt daran, dass er sich mit den Plänen für den Berliner Flughafen Schönefeld auskennt und kein Blatt vor den Mund nimmt. Er ist mutig genug, seine Sicht für das Scheitern des Ausbaus zum Flughafen BER zu benennen. Zurzeit ist das gefragt.

Richtig bauen

Faulenbach da Costa, der 1975 nach Offenbach zog, weil er dort eine Stelle als SPD-Fraktionsassistent antrat, ist von Beruf Stadt- und Landesplaner. 1975 hieß er nur Faulenbach. Den Namenszusatz da Costa übernahm er von seiner inzwischen geschiedenen Frau. Seit 1985 plant er Airports, der in Karatschi war der erste. Er baute ihn für eine Tochterfirma des Frankfurter Flughafens. Flughäfen in Nigeria und Moskau folgten. Heute ist Faulenbach da Costa unabhängiger Flughafenplaner. Seine Aufgabe ist es, Layouts zu erstellen. Wie lang müssen Landebahnen und Rollwege sein und wie stark ihre Tragfähigkeit, gehören zu seinen Fragen.

Seit 2000 ist er als Gutachter an 15 Raumordnungs- und Planfeststellungsverfahren in Deutschland beteiligt und vertritt Kommunen und Bürgerinitiativen, darunter Flughafengegner. Faulenbach da Costa behauptet, dass das der Grund sei, warum er von deutschen Flughäfen nicht mehr beauftragt werde. Dabei sei er nicht gegen Flughäfen. Man solle nur am geeigneten Standort und richtig bauen. Der Mann ist hartnäckig. Ist er von etwas überzeugt, gibt er nicht nach.

Andere Standorte favorisiert

Seit 1990 ist er mit dem Flughafen Schönefeld beschäftigt. Für die Olympia-Bewerbung Berlins macht Faulenbach da Costa den Entwurf für den Olympia-Flughafen. 1993/94 ist er am Raumordnungsverfahren für den heutigen Standort BER beteiligt.

Sein Thema ist die Dimensionierung der Anlagen. Schon damals vertritt er die Ansicht, dass der Standort ungeeignet für eine weitere Entwicklung sei. „Schönefeld ist die einzige mögliche Siedlungsentwicklungsfläche Berlins“, sagt er. Bereits jetzt würden dort 100.000 Menschen verlärmt, ginge der Airport in Betrieb. Er favorisiert die Standorte Sperenberg oder Jüterbog, weil ein Airport dort genug Platz zur Ausdehnung hätte und nur wenig Menschen – in Sperenberg 2800 – beeinträchtigt würden.

Frankfurter Lobbyisten

In Schönefeld sind zurzeit zwei Bahnen eingeplant. Für mehr sei kein Platz, sagt der Experte. 1998/99 fertigt er für die Privatisierung des Airports den Angebotsmasterplan für Hochtief an.

Warum das Verkehrsministerium sich dennoch für den heutigen Standort entschied, hat für den Flughafenplaner mit dem Frankfurter Flughafen zu tun. „Mit Sperenberg wäre Frankfurt zum Provinzflughafen geworden, Lufthansa wäre umgezogen“, glaubt er. Frankfurter Lobbyisten hätten im Hintergrund die Fäden gezogen. Dass nicht genug Rollbänder und Gepäckabgaben im BER-Terminal vorgesehen seien, habe er auch schon immer gesagt. Damals habe keiner auf ihn gehört. Heute löst diese Feststellung öffentliches Erstaunen aus.

Millionen verpulvert

Ob er Genugtuung empfindet? „Keine Schadenfreude“, behauptet Faulenbach da Costa, er hätte sich mehr gefreut, wenn man nicht Millionen verpulvert hätte. Sein Ausblick für die Zukunft von BER könnte Frankfurter aufhorchen lassen. Er sagt voraus, dass BER in Betrieb geht, aber die Diskussion um einen neuen Standort Sperenberg bald beginne.

Sollte es so kommen, gäbe es in Frankfurt um das Jahr 2035 herum weniger Fluglärm, weil weniger Flieger den Airport ansteuerten. Für die Region bedeute das aber nicht den Niedergang. Die Region werde sich auf andere Geschäftsfelder konzentrieren.

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