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15. September 2011

Flughafenausbau: "Ich kämpfe für Lebensqualität"

So dicht über ihnen scheinen die Flugzeuge nach dem Empfinden mancher Menschen zu sein.  Foto: Vario Images

Ingrid Wagner, Vorsitzende der Bürgerinitiative Luftverkehr, plant eine Menschenkette aus Protest gegen den Fluglärm. Die Demonstration ist für diesen Samstag geplant.

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Ingrid Wagner, Vorsitzende der Bürgerinitiative Luftverkehr, plant eine Menschenkette aus Protest gegen den Fluglärm. Die Demonstration ist für diesen Samstag geplant.

Frau Wagner, ist alles vorbereitet?

Das hoffen wir. Ich komme gerade aus dem Urlaub, aber ich denke, es läuft alles nach Plan.

Zur Person
        

Privat

Ingrid Wagner ist die Vorsitzende der Bürgerinitiative Luftverkehr (BIL). Die 52-jährige Diplompädagogin engagiert sich seit 20 Jahren gegen Fluglärm. Sie arbeitet bei der evangelischen Familienbildungsstätte in Offenbach.

Die Bürgerinitiative ruft für Samstag, 17. September, zur Menschenkette vom Ostbahnhof bis zur Leibnizschule auf. Treffpunkt ist 11.15 Uhr am Hauptbahnhof und Finanzamt. Die Schlusskundgebung mit Dezernent Weiß und Dekanin Reiß im Dreieichpark ist für 12.30 bis 13 Uhr vorgesehen.

Wie sieht der Plan aus?

Die Menschenkette soll sich über die Bismarckstraße erstrecken. Das sind 2,5 Kilometer. Das ist die Strecke, über der die Einflugroute der neuen Landebahn verläuft. Somit wird die erstmals sichtbar. Wir haben sie mit roten Flatterbändern an den Laternen markiert. So findet sie jeder.

Läuft da nicht jeder durcheinander?

Geplant ist, dass die Leute, die von Osten kommen, sich am Finanzamt in der Kasernenstraße treffen. Dort wird Hermann Gaffga erklären, was vorgesehen ist. Von dort sollen sie Richtung Ostbahnhof und Hauptbahnhof laufen und sich mit den Menschen vom Treffpunkt Hauptbahnhof zur Kette zusammenschließen. Ich stehe am anderen Treffpunkt, dem Busbahnhof am Hauptbahnhof. Um fünf Minuten vor zwölf läuten die Glocken der Lutherkirche, der Marienkirche und der Altkatholischen Kirche. Gleichzeitig halten die Leute die roten Postkarten in die Höhe. Für Kinder sind Luftballons und Straßenkreide da. Es soll eine Aktion für Familien werden. Die Abschlusskundgebung ist im Dreieichpark, Dezernent Paul-Gerhard Weiß und Dekanin Eva Reiß sprechen.

Ach ja, die roten Karten. Für was stehen die?

Die Karten sind für das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig bestimmt und sollen deutlich machen, dass die Offenbacher die menschenunwürdige Verlärmung nicht mehr hinnehmen. Wir haben 10.000 Karten drucken lassen und möchten sie dem Gericht übergeben. Wir haben am Samstag Karten dabei, die von Bürgern ausgefüllt werden können.

Wer hat sich solidarisiert?

Das sind viele. Der Magistrat, die meisten Parteien, Fraktionen, OB-Kandidaten, Kirchen, Stadtschülerrat, Sportjugend, Gewerkschaften, Bürgerinitiativen. Wir hoffen auf 2500 Menschen.

Um was geht es eigentlich? Die Landebahn ist ja schon gebaut.

Ja, die soll am 21. Oktober in Betrieb gehen, aber die Genehmigung ist nur vorläufig, weil das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts aussteht. Das soll demnächst unter anderem darüber entscheiden, ob es ein absolutes Nachtflugverbot von 23 bis 5 Uhr geben wird, und wie es mit den Nachtrandzeiten weitergeht. Das Hessische Verwaltungsgericht hatte ja entschieden, dass an den Nachtrandzeiten nur reduziert geflogen werden darf. Als erstes hoffen wir auf die Aufhebung der Planfeststellung und Stilllegung des Flugbetriebs auf der Landebahn Nordwest. Außerdem wollen wir ein Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr schon für den Bestandsflughafen. Es ist eine Unverschämtheit, dass das Versprechen aus der Mediation gebrochen wurde.

Offenbach wird durch die Umfliegung und das Sieben-Punkte-Paket doch entlastet.

Wir werden nicht entlastet. Diese Entlastung ist eine umfassende, aber unwahre Propaganda. Wir haben die Menschen in den Stadtteilen befragt. Die spüren keine Erleichterung, seitdem die neuen Flugrouten und Flughöhen ausprobiert werden. Offenbach liegt viel zu nahe am Flughafen dran, um eine Erleichterung zu spüren. Man muss beachten, dass die neue Landebahn noch nicht in Betrieb ist. Die Kapazität des Flughafens wird sich in den nächsten zehn Jahren um anfänglich 100.000 bis 400.000 zusätzliche Flugbewegungen aufbauen. Das ergibt viel zusätzlichen Lärm. Ob bei dem Betrieb neue Flugrouten noch geflogen werden können, ist ganz offen. Außerdem muss man auch an die Menschen in den Kommunen im Kreis denken, die jetzt mehr Lärm abbekommen.

Wieso eigentlich? Die haben sich am Protest vor zehn Jahren nicht beteiligt.

Sie hatten auf den Erörterungsterminen im Beteiligungsverfahren vor dem Ausbau keine Möglichkeit, Einwände zu erheben, weil sie nicht betroffen waren. Wir sehen unsere Menschenkette nicht als reine Offenbacher Aktion, sondern als Aktion für alle im Rhein-Main-Gebiet.

Woher nehmen Sie die Ausdauer und Kraft für den jahrelangen Kampf gegen den Ausbau?

Schwere Frage. Wir hatten gerade Urlaub in Österreich und haben nur einmal in den Laptop geschaut. Das war erholsam. Solche Auszeiten geben Kraft. Die Wagners sind halt Überzeugungstäter. Ich für meine Person mache das für die kommenden Generationen. Wir haben zwei erwachsene Kinder und ich arbeite in einer Familienbildungsstätte mit kleinen Kindern. Ich kämpfe dafür, dass sie eine gute Lebensqualität haben. Wenn es die Ausbaugegner nicht gegeben hätte, wäre der Flughafen bereits 2006 fertig geworden und vom Nachtflugverbot wäre keine Rede mehr. Neue Flugtechniken, Schallschutzfenster, all das würde es nicht geben. Wir sind also nicht völlig erfolglos.

Das Interview führte Madeleine Reckmann.

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