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Fluglärm: Der Himmel gehört Gott

Auch die Kirche wirde von Fluglärm beeinträchtigt und protestiert: Das Evangelische Dekanat hängt ein Banner gegen Fluglärm an die Kirchtürme der Stadt.

        

Lärmpause am Grab:   Auch die Kirche wird beeinträchtigt und protestiert.
Lärmpause am Grab: Auch die Kirche wird beeinträchtigt und protestiert.
Foto: Andreas Arnold

"Himmel“ ist hellblau, der restliche Satz in gelber Schrift. „Der Himmel gehört nicht Fraport“ steht auf dem acht Meter langen Banner, das das evangelische Dekanat an den Türmen der Luther-, Markus- und Schlosskirche aufgehängt hat. Damit protestieren die Protestanten gegen den ihrer Meinung nach unzumutbaren Lärm, den die Flugzeuge am Himmel machen.

Bei Beerdigungen müsse er am Grab oft die Rede unterbrechen, berichtet Ulrich Knödler, Pfarrer der Lutherkirche. Klassische Musik auf hohem Niveau könne in der Lutherkirche nicht mehr aufgeführt werden. Meditative Andachten wie mittwochs um 12 Uhr in der Stadtkirche würden gestört und Pfarrer hätten alle Mühe, nach einer Lärmpause den roten Faden der Predigt wiederzufinden. So stellt sich der Fluglärm aus Sicht der Kirche dar.

Deshalb lautet die kirchliche Antwort darauf, wem der Himmel gehöre: Nicht Fraport, sondern Gott. „Wir beten ’Vater unser im Himmel’ und assoziieren mit Himmel die Wohnung Gottes“, erläutert Knödler. Gott habe die Menschen beauftragt, Himmel und Erde zu bewahren. „Deshalb muss die Wirtschaft begrenzt werden.“

Für den Flugbetrieb leitet die Evangelische Kirche Hessen und Nassau daraus ein Nachtflugverbot und die Deckelung der Flugbewegungen am Tag ab. „Wir müssen über die Grenzen des Erträglichen sprechen“, sagt Dekanin Eva Reiss.

Gespräche auf der Straße oder unter Nachbarn kämen nicht mehr zustande, weil jeder möglichst schnell ins Haus stürze, um dem Lärm zu entweichen, „jeder in sein eigenes“. Reiss fühlt sich an den Turmbau zu Babel aus dem Alten Testament erinnert. Die Menschen wollen sich des Himmels bemächtigen, worauf es zu einer Sprachverwirrung komme, und die Menschen sich in alle Winde zerstreuten.

Ähnliche Entwicklungen erkennt Reiss auch in Offenbach: Fraport ermächtige sich des Himmels, Worte wie Lärmschutzzone verwirrten die Menschen, weil nicht klar sei, was geschützt werden solle: Der Lärm etwa? Anschließend verließen die Menschen Offenbach. „Viele sagen, sie wollen fortziehen“, sagt Reiss. Wirtschaft und eben auch Flugverkehr solle den Menschen dienen und sie nicht schädigen. Zur Zeit müsse darüber nachgedacht werden, ob die Kindertagesstätten ihre Schützlinge noch an die frische Luft lasse, weil bekannt sei, dass Lärm der Gesundheit schade. Die evangelische Kirche betreibt in Offenbach 12 Kindertagesstätten. Der Großteil liegt in der Lärmschutzzone II, wo zum Schutz der Kinder keine neue Kita gebaut werden darf.

Die größte Störung ist für Pfarrer Knödler die durch Lärm verursachte Dezimierung der Protestanten. „Uns kommen die Menschen abhanden“, klagt er. Junge Menschen zögen wegen der niedrigen Mieten in die Stadt, blieben aber nicht lange. Funktionierende evangelische Gemeinden ließen sich kaum noch aufbauen.

Deshalb unterstützt das Dekanat den Kampf gegen den Flughafenausbau, bietet etwa dem Bündnis Menschenkette Räume an, und ruft wie andere zur Großdemo am 4. Februar, um 12 Uhr am Terminal 1 im Airport auf. Die Banner sollen bis zum Revisionsverfahren zum Flughafenausbau am Bundesverwaltungsgericht am 13. März hängen bleiben.

Autor:  Madeleine Reckmann
Datum:  27 | 1 | 2012
Kommentare:  3
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