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Heinrich-Krumm-Mausoleum: Tempel einer großen Liebe

Skandalös teuer war das Mausoleum bei seinem Bau 1919. Beim Restaurieren haben Denkmalschützer jetzt sogar Spuren von Schwarzen Messen in dem schönsten Grabmal von Offenbach gefunden.

Der kleine Tempel des Lederwarenfabrikanten Heinrich Krumm (1854 bis 1912) auf dem Alten Friedhof in Offenbach erzählt die Geschichte einer großen Liebe. Und einer Trauer, die in einer großzügig gestalteten letzten Ruhestätte ihren Ausdruck fand. Die Witwe, Marie Krumm (1869 bis 1921), ließ die Grabstätte 1919, sieben Jahre nach dem Tod ihres Mannes , nach den Plänen des Architekten und Leiters der Offenbacher Kunstgewerbeschule (heute HfG), Hugo Eberhardt, im Stile des späten Jugendstils errichten.
Der kleine Tempel des Lederwarenfabrikanten Heinrich Krumm (1854 bis 1912) auf dem Alten Friedhof in Offenbach erzählt die Geschichte einer großen Liebe. Und einer Trauer, die in einer großzügig gestalteten letzten Ruhestätte ihren Ausdruck fand. Die Witwe, Marie Krumm (1869 bis 1921), ließ die Grabstätte 1919, sieben Jahre nach dem Tod ihres Mannes , nach den Plänen des Architekten und Leiters der Offenbacher Kunstgewerbeschule (heute HfG), Hugo Eberhardt, im Stile des späten Jugendstils errichten.
Foto: Andreas Arnold

Ein Meer von Fackeln erleuchtet den Weg. Bei eisiger Temperatur geht es in der einsetzenden Dämmerung die Mauer entlang. Offenbachs ehemaliger Stadtarchivar Hans-Georg Ruppel führt die Gruppe geladener Gäste des städtischen Dienstleisters ESO zu einem der wertvollsten Grabdenkmale auf dem Alten Friedhof.

Neben dem eingerüsteten Heinrich-Krumm-Mausoleum ist ein Zelt aufgebaut. Dankbar greift die fröstelnde Gruppe zu Suppe und Glühwein. Ein pietätloses Event auf Offenbachs ältestem Gottesacker? Nicht wirklich.

Offenbachs Alter Friedhof

Der Alte Friedhof mit seinen historischen Grabmalen alteingesessener Familien wurde 1832 als Ersatz für den ehemaligen Stadtfriedhof (später Wilhelmsplatz) angelegt.

Die parkartige Anlage mit ihrem alten Baumbestand steht unter Denkmalschutz.

Im Krumm-Mausoleum von 1919 fanden der zweitgeborene Sohn Heinrich des Offenbacher Lederfabrikanten Ludwig Krumm und seine Frau Marie ihre letzte Ruhe. Deren Ehe blieb kinderlos, nach Ablauf des Nutzungsrechtes fiel die Grabstätte an die Stadt zurück.

Weder Familienangehörige noch das Unternehmen Egana, das die 1929 nach dem britischen Schnellzug "Goldpfeil" benannte Firma übernahm, zeigten Interesse an einer Pflege. mu

Die beiden Verstorbenen aus der Gruft unter dem skulpturengerahmten Kuppelbau aus Muschelkalk sind längst umgebettet. Das Mausoleum der einstigen Goldpfeil-Dynastie beherbergt seit Herbst vergangenen Jahres Handwerker.

Stadtrat Paul-Gerhard Weiß und ESO-Chef Peter Walther stellen mit dieser Aktion die Restaurierung eines Baudenkmals vor, das laut Offenbachs Denkmalpfleger Helmut Reinhardt aufgrund seiner kunsthistorischen Bedeutung bundesweite Beachtung findet.

Das gerettete Grabmal

Bildergalerie ( 10 Bilder )

Die Gruft stand unter Wasser, auf dem Dach wuchsen Bäume

Unter der Bauleitung des Dieburger Architekten Claus Giel und seines Mitarbeiters Stephan Kummer wird das Mausoleum von Grund auf saniert. Wie viele historische Grabstätten auf dem Alten Friedhof, war es lange vom Verfall bedroht. Die Gruft stand unter Wasser, die zweischalige Rundkuppel des Ovalbaus war mit Moos überzogen, aus ihren Fugen wuchsen Gras und die Schößlinge von Bäumen.

Der kleine Tempel des Lederwarenfabrikanten Heinrich Krumm (1854 bis 1912) erzählt die Geschichte einer großen Liebe. Und einer Trauer, die in einer großzügig gestalteten letzten Ruhestätte ihren Ausdruck fand. Die Witwe, Marie Krumm (1869 bis 1921), ließ die Grabstätte 1919, sieben Jahre nach dem Tod ihres Mannes , nach den Plänen des Architekten und Leiters der Offenbacher Kunstgewerbeschule (heute HfG), Hugo Eberhardt, im Stile des späten Jugendstils errichten.

Der Bau des Luxus-Mausoleums kostete ein Vermögen

Mit einem Kostenaufwand, der dem Bau eines Stadthauses nicht nachstand und der damals entsprechend für öffentlichen Gesprächsstoff sorgte, wie Ex-Achivar Reinhardt weiß. Die Witwe ließ Eberhardt offenbar freie Hand. Wie schon bei anderen Grabmalen, schuf er zusammen mit drei Bildhauern individuelle Grabmalkunst, bediente sich sehr frei antiker Formen und verband Elemente des Jugendstils und des Neoklassizismus.

Eine Freitreppe führt durch eine kunstvoll beschlagene Flügeltür aus Kupfer, die jetzt durch einen Holzverschlag ersetzt ist, in den Tempel hinein. Unter dessen Kuppel leuchten am blauen Mosaik-Himmel die Sterne. Die Wände zieren Skulpturen wie die bronzene weibliche Aktfigur "Die Ewigkeit" des Offenbacher Bildhauers Karl Huber.

Eine mit Bronzeblech unterlegte Steinplatte im Marmorboden gibt den Weg zur Treppe hinab in die Gruft frei. Im Schein batteriegespeister Lampen schimmern die mit goldbedampftem Glasmosaik ausgekleideten Wände. Architekt Giel begeistert sich für dieses "Gesamtkunstwerk", schwärmt von der Sorgfältigkeit bis ins Detail wie den bronzeüberzogenen Handlauf.

120.000 Euro beanspruchte die Außensanierung samt Treppe, Kuppel und Boden. Die Hälfte übernahm der Bund, den Rest teilten sich Land und ESO. Weitere 50.000 Euro sind für die Innenrestaurierung veranschlagt. Die Finanzierung ist noch offen.

"Dein Leben war Liebe - deine Liebe war mein Glück" hat Marie Krumm in Stein verewigt. Später heiratete sie ein zweites Mal. Doch beigesetzt wurde sie an der Seite ihres ersten Mannes. Beide Verstorbene werden nach Abschluss der Restaurierung wieder in die Gruft gebettet. Und das Mausoleum wird besonders gesichert. Zuletzt fanden sich hier Spuren von Schwarzen Messen.

Autor:  Jörg Muthorst
Datum:  10 | 2 | 2010
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