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Holocaust-Mahnmal: Künstler will Himmelsleiter bauen

Der Offenbacher Ruben Talberg plant eine Skulptur für den Max-Willner-Platz. 13 bis 15 Meter hoch soll die Granitsäule werden - als unübersehbares Mahnmal zum Gedenken an den Holocaust.

Ruben Talberg ist 1964 in Heidelberg geboren. Der Deutsch-Israeli lebte  in Tel-Aviv und Frankfurt, bevor er  2005 nach Offenbach übersiedelte.
Seine Gemälde und Skulpturen werden weltweit ausgestellt. Neben Shanghai, Hamburg und London waren sie in New York und Paris  zu sehen.
Ruben Talberg ist 1964 in Heidelberg geboren. Der Deutsch-Israeli lebte in Tel-Aviv und Frankfurt, bevor er 2005 nach Offenbach übersiedelte. Seine Gemälde und Skulpturen werden weltweit ausgestellt. Neben Shanghai, Hamburg und London waren sie in New York und Paris zu sehen.
Foto: Rolf Oeser

Von der Erde zum Himmel soll sie führen, die Jakobsleiter. So nennt der Künstler Ruben Talberg sein Denkmal für den Max-Willner-Platz, das als Konzept vorliegt.

Der Obelisk aus Granit, 13 bis 15 Meter hoch, mit sieben Stufen aus Bronze oder Stahl soll ein Zeichen gegen rechtsradikale Gewalt und gegen das Vergessen des Holocausts werden.

Der Künstler

Ruben Talberg ist 1964 in Heidelberg geboren. Der Deutsch-Israeli lebte in Tel-Aviv und Frankfurt, bevor er 2005 nach Offenbach übersiedelte.

Seine Gemälde und Skulpturen werden weltweit ausgestellt. Neben Shanghai, Hamburg und London waren sie in New York und Paris zu sehen.

Das Auktionshaus Phillips de Pury & Company in New York handelt eines seiner Gemälde für 20.000 bis 25.000 Euro. (mre)

Von der Erde zum Himmel soll sie führen, die Jakobsleiter. So nennt der Künstler Ruben Talberg sein Denkmal für den Offenbacher Max-Willner-Platz. Der Obelisk aus Granit, 13 bis 15 Meter hoch, mit sieben Stufen aus Bronze oder Stahl soll ein Zeichen gegen rechtsradikale Gewalt und gegen das Vergessen des Holocausts werden.
Von der Erde zum Himmel soll sie führen, die Jakobsleiter. So nennt der Künstler Ruben Talberg sein Denkmal für den Offenbacher Max-Willner-Platz. Der Obelisk aus Granit, 13 bis 15 Meter hoch, mit sieben Stufen aus Bronze oder Stahl soll ein Zeichen gegen rechtsradikale Gewalt und gegen das Vergessen des Holocausts werden.
Foto: privat

Symbole aus mehreren alten Kulturen, die der Künstler zu einem eigenen Alphabet zusammenstellte, sind in die Flächen eingraviert und verleihen dem Werk eine magische Wirkung. Laut dem ersten Buch Mose träumte Jakob auf seiner Flucht vor Esau nach Haran von einer Himmelsleiter, auf der Engel auf- und niederstiegen. Gleichzeitig versprach Gott ihm das Land und viele Nachkommen.

Die verschuldete Stadt bekäme das Denkmal geschenkt

Damit sich die chronisch verschuldete Stadt das Monument leisten kann, bekommt sie es geschenkt. Talberg hat einen Sponsor an der Hand, der das Werk zahlt. Den Namen des Geldgebers verrät der Künstler noch nicht, damit keiner ihn ihm wegschnappt.

Den Max-Willner-Platz hat der Künstler als Standort ausgesucht, weil er nach dem jüdischen Arzt und langjährigen Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde nach 1945 benannt ist und zentral liegt.

"Die Idee für das Mahnmal ist mir gekommen, als ich auf einer Fotoreise in Auschwitz in einer der Vitrinen einen Koffer der Familie Schönhof mit einer Offenbacher Adresse entdeckte", erzählt Talberg.

Koffer der Offenbacher Familie Schönhof in Auschwitz

Paula Luise und Otto Schönhof, Inhaber der Schuh- und Lederwarenfabrik Schönhof-Strauss, wurden 1942 deportiert. Eigenartiger Zufall: Von 1929 an wohnten Schönhofs in der Bismarckstraße 67, der gleichen Straße, in der Talberg vor wenigen Jahren lebte.

1940 wurden sie gezwungen, in die Ludwigstraße umzuziehen, wo der Künstler heute sein Atelier Talberg Factory betreibt. Für Talberg mehr als ein bloßer Zufall. Die Gemeinsamkeiten bestärkten ihn, an einer Skulptur für Offenbach zu arbeiten. Zudem sei er regelrecht geschockt gewesen, dass die NPD im Dezember 2007 durch die Stadt ziehen durfte.

Talberg, der die deutsche und israelische Staatsbürgerschaft besitzt, bezeichnet sich als jüdischer Künstler, und seine in internationalen Galerien gehandelten Werke werden der "Young Jewish Art" und "Anti-Kapitalistischen Abstraktion" zugeordnet.

Talberg sieht die Chancen der Stadt durch die Jakobsleiter wachsen. Offenbach könnte sich kulturell-strategisch neu positionieren und die Skulptur als "Trademark" etablieren, so seine Idee. Nicht nur in Offenbach, sondern auch in Chicago und Shanghai, wo die Frankfurt Rhein-Main-Marketing GmbH, die auch Offenbach wirtschaftlich vermarktet, Niederlassungen hat. In Shanghai hatte Talberg erst kürzlich Ausstellungen.

Die Stadt kann sich über das verlockende Angebot nur mäßig freuen. Der Umsetzung steht ein zwei Jahre alter und von der FDP initiierter Stadtverordnetenbeschluss im Weg, der für den Max-Willner- und Carl-Carstens-Platz einen Ideenwettbewerb für die Gestaltung vorsieht. Allerdings ist nichts darüber bekannt, wann der Beschluss umgesetzt wird.

Der Kulturausschuss lehnte Talbergs Plan im September 2009 ab, obwohl sich Oberbürgermeister Horst Schneider für das Vorhaben stark gemacht hatte. "Wir können nicht heute so und morgen anders entscheiden", sagt Lutz Plaueln (SPD), Vorsitzender des Kulturausschusses.

An anderen Orten vorstellbar

Der Ausschuss warte auf eine Antwort des Magistrats, was aus dem Ideenwettbewerb geworden ist. Talbergs Plan sei zwar positiv aufgenommen worden, so Plaueln, aber auch auf anderen Plätzen vorstellbar. Auch die FDP freut sich über das Interesse des international anerkannten Künstlers an der Stadt.

Der Ideenwettbewerb habe aber Vorrang. Talberg könne die Jakobsleiter ja als einen Vorschlag einbringen, teilt die FDP mit. Die persönliche Meinung von Brigitte Koenen, Sprecherin der Grünen für Kultur, ist, dass die Stadt die Idee der Jakobsleiter nicht verschenken sollte. Sie setze ein Signal für Weltoffenheit und gegen Rassismus. Das Parlament wird demnächst das letzte Wort haben.

Autor:  Madeleine Reckmann
Datum:  8 | 1 | 2010
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