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Im Tandem in die Mutterrolle

Christine Englert von der Caritas stellt jungen Frauen erfahrene Begleiterinnen zur Seite

        

Erfahrung mit Kindern können Mütter  an andere weitergeben.
Erfahrung mit Kindern können Mütter an andere weitergeben.
Foto: Imago

Ältere helfen Jungen – so möchte der Caritasverband junge Mütter in ihrer Rolle stärken. Das Projekt Mütter-Tandem soll im nächsten Jahr beginnen. Koordinatorin Christine Englert erklärt,wie die Hilfe funktioniert.

Frau Englert, warum ist es nötig, jungen Müttern ältere zur Seite zu stellen? Kinder zu haben ist doch natürlich.

Zur Person
        

 Reckmann

Christine Englert (28) ist Sozialpädagogin beim Caritasverband Offenbach. Sie ist für das Projekt Mütter-Tandem zuständig.
Die Auftaktveranstaltung Mütter-Tandem ist am Freitag, 9. Dezember, von 12.30 bis 18 Uhr im Caritashaus St. Josef, Eingang Kaiserstraße 69. Englert stellt das Projekt vor. Die Professorin Uta Meier-Gräwe von der Universität Gießen referiert zum Thema „Vorbeugen ist besser als Heilen“. Über das Netzwerk Frühe Hilfen soll ebenfalls geredet werden.
Kontakt: Christine Englert, Telefon 069/800 64245.

Stellen Sie sich vor, Sie sind neu in der Stadt, vielleicht alleinerziehend, und Eltern, Schwiegereltern und Geschwister sind nicht greifbar. Frauen ohne soziales Netzwerk können sich leicht überfordert fühlen mit der neuen Situation des Mutterseins. Viele wünschen sich jemanden auf Augenhöhe zur Seite, der Rat gibt. Wir wollen Frauen erreichen, die bei sich noch nicht den Bedarf sehen, professionelle Hilfe anzunehmen. Deshalb sollen sie mit Ehrenamtlichen Kontakt haben.

An welche Zielgruppe richtet sich das Projekt?

Das präventive Projekt ist im Bereich der Frühen Hilfen verortet. Mit diesem sind wir an ein Netzwerk des Bistums Mainz mit ähnlichen Projekten (Patenschaften, Besuchsdiensten) angeschlossen. Das Mütter-Tandem richtet sich an Frauen, die sich herausgefordert fühlen durch die Mutterschaft, aber nicht überfordert. Frauen mit multiplen Pro-blemlagen werden an andere Stellen verwiesen. Solche Frauen würden auch die Ehrenamtlichen überfordern.

Welche Eigenschaften sollen die älteren Mütter mitbringen?

Wir suchen Frauen, die sicher in ihrer Mutterrolle sind und Lust haben, eine andere, die gerade Mutter geworden ist, zu begleiten, weil sie sich gut hineinfühlen können. Vielleicht erinnert sie sich daran, welche Aufgabe das Baby war, und wie gut es tut, wenn jemand sagt: ,Nun entspann dich, ist doch alles in Ordnung’. Ihre Rolle ist es, die junge Mutter emotional in der Elternrolle zu unterstützen. Das ist ein solidarischer Akt. Die Kinder der Frau müssen nicht aus dem Haus sein, sie können noch klein sein.

Wie soll die Hilfe konkret aussehen?

Es gibt keine Vorgaben, nur Empfehlungen. Die Frauen können ihr Tandem selbst gestalten. Ein zweistündiges Treffen einmal in der Woche ist sinnvoll. Die Frauen können sich in einer Privatwohnung treffen oder in einem Café. Vielleicht möchte die junge Frau jemanden zum Reden haben übers Durchschlafen des Kindes, das Füttern, Aufstoßen. Vielleicht braucht sie aber auch Begleitung für den Besuch beim Arzt oder auf dem Amt. Möglich ist auch, dass die junge Mutter mal jemanden braucht, der mit dem Kind auf den Spielplatz geht. Aber das sollte die Ausnahme sein. Als Kinderbetreuung ist das Projekt nicht gedacht. Der Austausch steht im Mittelpunkt, die alltagspraktische Hilfe ist untergeordnet.

Sollen die erfahrenen Frauen katholisch sein?

Nein, im Gegenteil. Das Projekt möchte als Plattform für alle Frauen dienen. Das Ideal wäre, Frauen füreinander auszusuchen, die gut zueinander passen, auch in kulturspezifischer Sicht. Eine türkische Mutter könnte also eine türkische Mutter beraten. Das setzt aber einen großen Pool an Frauen voraus, den wir noch nicht haben.

Werden die Frauen qualifiziert?

Ja, die Qualifikation umfasst drei Tage zu je acht Stunden. Dort geht es um die Klärung der eigenen Motivation für das Engagement, aber auch um Distanz zur jungen Mutter und den sensiblen Umgang mit ihr. Denn sie sollte akzeptieren, wenn die junge Frau den Rat nicht annimmt. Zudem steht Kommunikationstraining auf dem Programm, Konfliktlösung und kindliche Entwicklungspsychologie. Die Frauen werden während des Projekts begleitet.

Wie finden Sie die Frauen?

Meine Kolleginnen, die im Klientenverkehr arbeiten, verweisen die Frauen an unser Projekt. Außerdem versuchen wir, die Frauen durch Öffentlichkeitsarbeit zu erreichen. Wer teilnehmen möchte, kann sich an mich wenden.

Das Interview führte Madeleine Reckmann

Datum:  15 | 11 | 2011
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