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Internetkommissariat: Kriminelle im weltweiten Netz

Die Schwerpunkte der Kriminalität verschieben sich: Jede fünfte Straftat ist mittlerweile ein Betrug, ein großer Teil davon spielt sich im Internet ab.

        

Sieht vertrauenswürdig aus, ist aber von Erpressern.
Sieht vertrauenswürdig aus, ist aber von Erpressern.
Foto: www.butfrei.de

Es ist eine ungesetzliche Tätigkeit enthüllt. Diesen ungelenken Satz meldet der Computer von Polizeipräsident Roland Ullmann. Neben dem Satz steht das Logo der Bundespolizei. Dabei wollte sich Ullmann nur ein Video bei YouTube ansehen. Nun ist sein Rechner gesperrt, und er wird aufgefordert, per elektronischem Zahlungsmittel Ukash 100 Euro zu bezahlen. Er soll sich zum Beispiel an einer Tankstelle einen Code kaufen und ihn in ein Feld eingeben.

Der Computer hat sich mit einer „Drive-by-Infektion“ einen Lösegeld-Trojaner eingefangen. Zum Glück nur zu Demonstrationszwecken, angezettelt von Rainer Lechtenböhmer, dem Leiter des Internetkommissariats im Polizeipräsidium Südosthessen. „Nicht bezahlen“, sagt Lechtenböhmer. Denn auch wer zahlt, behält einen eingefrorenen Bildschirm. Die gute Nachricht: Die eigenen Daten sind in der Regel unbeschädigt, Hilfe gibt es auf Internetseiten wie www.botfrei.de.

Seit März vergangenen Jahres ist „Ransomeware“ (von engl. ransom, Erpressung) im Umlauf. Besonders Nutzer von Erotikseiten, Musik- und Videoportalen können zu Opfern werden, aber auch jede andere Webseite wie die eines Online-Shops kann infiziert sein. 167 Fälle sind im vergangenen Jahr im Präsidiumsbezirk (Stadt und Kreis Offenbach, Hanau und Main-Kinzig-Kreis) angezeigt worden, die Dunkelziffer ist vermutlich hoch. Kriminalisten schätzen es als Delikt der Zukunft ein.

Die Schwerpunkte der Kriminalität verschieben sich. Mittlerweile sei jede fünfte Straftat ein Betrugsdelikt, und ein großer Teil davon spiele sich im Internet ab, sagte Klaus Blaesing, Leiter der Kriminaldirektion, als am Freitag in Offenbach die Kriminalitätsstatistik für das Jahr 2011 vorgestellt wurde. Insgesamt eine „Erfolgsstory“ für das Präsidium, wie Ullmann feststellte. Die Zahl der Fälle ist gesunken. Gut 1500 Delikte weniger als im Jahr zuvor wurden registriert. Von den 52200 Straftaten hat die Polizei 57,5 Prozent aufgeklärt. „Das ist die historisch höchste Aufklärungsquote des Polizeipräsidiums Südosthessen“, sagte Ullmann. Mit 6030 Fällen pro Einwohner liege die Kriminalitätsbelastung deutlich unterhalb des Durchschnitts in Hessen.

Während in Stadt und Kreis Offenbach die Zahl der Fälle zurückging, im Main-Kinzig-Kreis die Zahlen sowieso kontinuierlich sinken, registrieren die Statistiker für Hanau einen leichten Anstieg.

Das könnte an der Rauschgiftkriminalität liegen. Die Zahl der Delikte ist insgesamt überall so hoch wie noch nie. Kripo-Mann Blaesing gibt zu bedenken, dass es sich um ein „Kontrolldelikt“ handelt. Wenn auf den Straßen bei verdächtigen Personen zum Beispiel nach Diebesgut gesucht werde, gelänge auch öfter ein „Beifang“, wie es im Jargon heißt. Die Dealer fallen schneller auf.

Gezielt werde bei Techno- und Raver-Partys kontrolliert. Die hohe Zahl der Rauschgiftdelikte in Hanau könnte an der Raver-Party „Love-Family-Park“ auf den Hanauer Mainwiesen liegen. Am Rande der Techno-Veranstaltung „Green & Blue“ in Obertshausen wurden 119 Personen ermittelt, die gegen das Betäubungsmittelgesetz verstoßen hatten.

Beim Problem Wohnungseinbrüche scheint die Präventionsarbeit der Polizei Früchte zu tragen. In der Statistik für das Jahr 2010 waren die Zahlen erschreckend noch oben geschnellt. Jetzt sind sie überall deutlich zurückgegangen. In Offenbach sank sie um gut acht, im Kreis Offenbach um zehn, in Hanau um zwölf und im Main-Kinzig-Kreis sogar um knapp 20 Prozent. In 41 Prozent der Versuche hatten die Einbrecher keinen Erfolg. Was laut Blaesing auch an guten Sicherungseinrichtungen liegt. Polizeipräsident Ullmann befürchtet aber, dass die Zahlen zu positiv wirken. Im Oktober und November vergangenen Jahres sei die Zahl der Einbrüche stark gestiegen. Diese Fälle seien noch nicht in die vorliegende Statistik eingeflossen.

Als „unerfreulich“ schätzt Blaesing die Entwicklung beim Straßenraub ein, besonders stark stiegen die Zahlen in Offenbach und in Hanau. Dafür seien vor allem zwei Serien verantwortlich, die mittlerweile aufgeklärt seien. Neben einer Gruppe jugendlicher Handtaschenräuber waren es die „Goldkettenreißer“, junge Männer die – vermutlich wegen des hohen Goldpreises – vornehmlich älteren Frauen auf offener Straße die Ketten vom Hals rissen. Mehr als 50 Prozent aller Straßenraubfälle wurden aufgeklärt.

Besonderes Augenmerk setzt die Polizei auf Körperverletzungen in der Öffentlichkeit. In Offenbach ist die Zahl der Fälle leicht gestiegen. Oft sind Jugendliche und Heranwachsende beteiligt. Das gemeinsame Zusammenschlagen eines anderen werde als „erlebnisorientierte Freizeitbeschäftigung“ verstanden, sagte Blaesing. Immer häufiger würden dabei Waffen wie Messer, Stöcke oder Flaschen eingesetzt.

Autor:  Angelika Ohliger
Datum:  18 | 2 | 2012
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