kalaydo.de Anzeigen

Jüdischer Friedhof: Viele Grabmale sind baufällig

Die beiden großen Pyramiden aus Grabsteinen des 1860 aufgegebenen Jüdischen Friedhofs an der Bismarckstraße drohen umzustürzen. Nun müssen sie abgetragen werden. Von Jörg Muthorst

Viele jüdische Grabsteine auf dem Alten Friedhof in Offenbach sind nicht mehr standfest. Aufgespannte Netze vermögen die beiden Grabsteinpyramiden nur notdürftig zu sichern. Der Mörtel, der sie fast 150 Jahre lang zusammenhielt, ist porös. Und für eine neue Aufschichtung sind die Steine inzwischen zu zerbrechlich.
Viele jüdische Grabsteine auf dem Alten Friedhof in Offenbach sind nicht mehr standfest. Aufgespannte Netze vermögen die beiden Grabsteinpyramiden nur notdürftig zu sichern. Der Mörtel, der sie fast 150 Jahre lang zusammenhielt, ist porös. Und für eine neue Aufschichtung sind die Steine inzwischen zu zerbrechlich.
Foto: Michael Schick

Ein Flatterband umgibt seit Mai den jüdischen Teil des Alten Friedhofs. Der Zutritt ist damit provisorisch gesperrt. Viele der alten Grabmale sind nicht mehr standsicher.

Säulen und Steine wackeln stellenweise so bedrohlich, dass sie eigentlich umgelegt werden müssten. Die Stadt Offenbach hat davon aus Pietätsgründen abgesehen. Dem Jüdischen Friedhof, einem von Dreien in Offenbach, steht auch eine Umgestaltung bevor: Die beiden großen Grabstein-Pyramiden müssen abgetragen werden.

Die Instandsetzung der unbefristeten Grabstätten obliegt der örtlichen Jüdischen Gemeinde beziehungsweise dem Landesverband der Jüdischen Gemeinden in Hessen. Er betreut insgesamt 350 jüdische Grabstätten. Ihm gehört auch dieser östliche Offenbacher Friedhofsteil entlang der Mauer zur Unteren Grenzstraße.

Bund und Land zahlen eine Pauschale für die Erhaltung

Pflege und Unterhaltung besorgt allerdings der städtische Eigenbetrieb ESO. Bund und Land stellen ihm dazu jährlich eine Pauschale von 52 Cent pro Quadratmeter zur Verfügung, sagt Daniel Neumann vom Landesverband. Jüdische Friedhöfe gelten nach den hessischen Landesrichtlinien von 1992 als zu bewahrende Kulturdenkmäler.

Die Grabmale dürften auch aus religiösen Gründen nicht dem Verfall überlassen werden, das wäre respektlos, sagt der Friedhofsexperte des Landesverbandes, Klaus Werner. Die Pflegesumme wird in diesem Jahr aber kaum reichen, um alle schadhaften Steine umgehend wieder standsicher herzurichten, wie dies der städtischen Verkehrssicherungspflicht, aber auch den Anforderungen der Gartenbauberufsgenossenschaft entspricht. "Wir müssen deshalb den Friedhof schrittweise sanieren", sagt Neumann.

10.000 Euro aus der Pauschale stehen dafür noch dieses Jahr zur Verfügung. Gemeinsam mit Vertretern der Steinmetzinnung wurden jetzt 20 besonders wackelige Grabsteine ausgewählt. Nicht mehr reparabel, so Werner, sind die beiden großen Pyramiden, zu denen Grabsteine des 1708 angelegten, wegen des Eisenbahnbaus jedoch 1860 aufgegebenen Jüdischen Friedhofs an der Bismarckstraße aufgetürmt worden waren.

Aufgespannte Netze vermögen die beiden Denkmale nur notdürftig zu sichern. Der Mörtel, der sie fast 150 Jahre lang zusammenhielt, ist porös. Und für eine neue Aufschichtung sind die Steine inzwischen zu zerbrechlich. Werner schlägt vor, sie am Wegrand aufzustellen.

Gemeinsam bestattet

Auch andere Grabsteine, die die Jüdische Gemeinde Offenbach 1872 von der Bismarckstraße umsetzte, erinnern noch an ihre alte Begräbnisstätte an der Ecke zur Groß-Hasenbach-Straße. 1860 war der 1832 angelegte allgemeine Friedhof (heute: Alter Friedhof) Richtung Osten erweitert worden. Als Ausdruck bürgerlicher Liberalität und gelungener Integration jüdischer Offenbacher in die Stadtgesellschaft wurden hier erstmals nicht mehr Angehörige jüdischen und christlichen Glaubens räumlich getrennt voneinander, sondern auf ein und demselben Friedhof bestattet. Lediglich ein Weg teilt bis heute die beiden Abteilungen voneinander.

In beachtlicher formaler Geschlossenheit finden sich auf den jüdischen Grabfeldern überwiegend typisch flache Stelen aus rotem Sandstein. Teils einfach, teils aufwendig gestaltet und seit dem frühen 20. Jahrhundert bis auf die Schrift kaum mehr von der Optik christlicher Grabdenkmäler zu unterscheiden.

Nur figürlich-bildhafte Darstellungen finden sich hier aus religiösen Gründen nicht. Mit Ausnahme des kunstvollen Wandgrabes des jüdischen Ehrenbürgers Ludo Mayer im späten Jugendstil, das die Nazis unter einem Bretterverschlag verbargen.

Autor:  Jörg Muthorst
Datum:  25 | 8 | 2009
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken

Auf dieser Seite lesen Sie Nachrichten aus der Stadt Offenbach. Alles aus Dietzenbach, Dreieich, Langen, Neu-Isenburg, Rodgau und Rödermark finden Sie auf unserer Seite über den Kreis Offenbach.

Regionale Startseite

Nachrichten aus Frankfurt und Rhein-Main

Spezial
Beschäftigte des Druckmaschinen-Herstellers Manroland demonstrieren vor der Allianz-Niederlassung in Frankfurt. Allianz und MAN haben dem angeschlagenen Konzern den Geldhahn zugedreht.

Offenbach bangt um einen großen Arbeitgeber: Die Krise beim insolventen Druckmaschinen-Hersteller Manroland.

Social Media
Unser Twitter-Ticker für Frankfurt und Rhein-Main.

 

Facebook | Twitter überregional | Google+
Was bedeutet das hier? FR@Social Media!
Spezial

Die heiße Phase: Termine, Reportagen, Bilder - vom Kinderfasching bis zur Prunksitzung.

Fastnacht in Rhein-Main
Migrantenverbände kritisieren offen die Personalpolitik des Hessischen Rundfunks
Umstrittene Büttenrede 
Der Umzug ist vorbei. Doch kein Grund zu trauern. Denn nächstes Jahr heißt es wieder Klaa Paris!
Fastnachtsumzug in Heddernheim 
Die Narren sind los!
Fastnachtszug in Jügesheim 
Kickers Offenbach
Große Freude nach dem Sieg im Hessenpokal.
Kickers Offenbach 
Blick auf die Henninger-Tribüne aus der neuen, Geld einbringenden  Loge.
Kickers Offenbach 
Markus Husterer und Elton da Costa jubeln über das 4:0.
Hessenpokal Kickers Offenbach 
Weblog

Das FR-Blog zu Kickers Offenbach - völlig unreflektiert, offen und ehrlich.

3. Liga
Mannschaft Tore Punkte
1 SV Sandhausen 57:42 66
2 VfR Aalen 50:42 64
3 Jahn Regensburg 55:41 61
4 1. FC Heidenheim 48:36 60
5 Rot-Weiß Erfurt 54:41 59
6 Burghausen 55:47 57
7 VfL Osnabrück 46:35 55
8 Kickers Offenbach 49:41 55
9 Chemnitzer FC 47:43 55
10 1. FC Saarbrücken 61:51 54
11 VfB Stuttgart II 44:47 50
12 Preußen Münster 40:44 50
13 Arminia Bielefeld 51:57 50
14 Darmstadt 98 51:47 49
15 Unterhaching 63:59 44
16 Wiesbaden 40:48 44
17 SV Babelsberg 44:59 44
18 Carl Zeiss Jena 39:59 39
19 Oberhausen 33:47 38
20 Werder Bremen II 29:70 22
Spezial

Der Ausbau des Flughafens ist in der Region heftig umstritten. Die FR-Serie informiert über die Landebahn.

Anzeige


Polizeimeldungen

Was ist passiert? Polizeimeldungen aus Frankfurt, Darmstadt, Offenbach und Hanau sowie Wiesbaden.

Glosse
        

Da steht sie auf ihrem Brunnen in der Klappergasse.

Jeden Tag gibt's nun eine kurze Glosse zu unglaublichen Geschichten aus dem Frankfurter Alltag zu lesen.

Spezial
Alexander Kraft

Raus - und aufs Bike! Alexander Kraft präsentiert die FR-Mountainbike-Routen abseits der berüchtigten "Biker-Autobahnen".

 

 

Spezial

Hat Volker Bouffier als Innenminister einen Parteifreund begünstigt? Ein Untersuchungsausschuss sucht Antworten.

Meistgeklickt
Im März 2010 war Bastian Oczipka von Bayer zum FC St. Pauli ausgeliehen.
Linksverteidiger 
IG BCE-Kundgebung im Industriepark Höchst, in Frankfurt (M).
4,5 Prozent mehr Lohn für Chemie-Beschäftigte 
Schimmel kann in Wohnungen durch Kondenswasser an Fenstern und Wänden entstehen.
Schimmel in der Wohnung  
Die Politik entscheidet am Freitag über die Organspende-Reform. Doch wissen wir wirklich, wann ein Mensch definitiv tot ist?
Interview Organspende-Regelung