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Kampagne gegen Hartz IV: Bürgergeld-Initiative krönt Arbeitslose

1500 Euro Monatsgehalt für Arbeitslose? Eine neu gegründete Initiative hält das für eine gute Idee. Von Madeleine Reckmann

Weil es nicht genügend Jobs gibt, sollten auch Arbeitslose ein festes Gehalt bekommen, findet die Initiative für ein bedingungsloses Grundeinkommen.
Weil es nicht genügend Jobs gibt, sollten auch Arbeitslose ein festes Gehalt bekommen, findet die "Initiative für ein bedingungsloses Grundeinkommen".
Foto: dpa

"Als Königin fühle ich mich nicht gerade, ich gehöre zum Proletariat", winkt die Frau um die 50 ab. Trotzdem spaziert sie mit der Papierkrone auf dem Kopf in die Arbeitsagentur in der Domstraße hinein.

Zur Königin gekrönt wurde sie von den Aktivisten der kürzlich gebildeten Offenbacher Initiative für ein bedingungsloses Grundeinkommen. "Wenn jeder sein eigener König ist, muss keiner der König des andern sein" steht auf der Kronen-Innenseite. Gemeint ist damit, dass ein Grundeinkommen jeden Bürger zum König machen würde, weil es finanzielle Freiheit schenkt.

"Ich begeistere mich für die Idee, weil in dem Hartz-IV-Apparat zu viel Energie verschwendet wird mit den dauernden Bewerbungen, Fristen, Kontrollen und Maßnahmen", sagt Antje Grimberg aus der Initiative. Mit einem festen Einkommen, das jeder erhält, egal ob er arbeitet, könnten sich die Leute mehr Ehrenämtern widmen.

Die Idee zur Krönung stammt von Daniel Häni und Enno Schmidt. Sie machen den Gedanken des Bürgergelds in der Schweiz bekannt. Die Offenbacher Gruppe beteiligt sich mit der Aktion an der bundesweiten Woche des Grundeinkommens (14. bis 20. September), die das Netzwerk Grundeinkommen ausgerufen hat. Auch in München, Hamburg und Köln verteilen Grundeinkommen-Befürworter-Kronen.

"Ich finde die Idee nicht gut", sagt eine Frau, die ihr Baby in einem Kinderwagen vorbeischiebt und die Krone schnell wieder absetzt. Nach dem Mutterschutz werde sie wieder arbeiten und immer genug Geld verdienen, versichert sie.

1500 Euro für Jeden

"Ich glaube nicht mehr an Vollbeschäftigung", begründet die Studentin Jana Muckelmann ihr Engagement für das Grundeinkommen. Finanzieren ließe es sich über eine Reform des Steuerwesens, die die Mehrwertsteuer auf 50 Prozent anhebt. Im Gegenzug werden andere Steuern gesenkt oder abgeschafft. Die Initiative geht von einem Bürgergeld von 1500 Euro aus. Andere beziffern es mit 500 oder 800 Euro. Das Geld soll auch die Teilhabe am kulturellen und sozialen Leben garantieren.

Frank Henrichs möchte die Krone nicht aufsetzen, weil es ihm peinlich ist. Die Idee des Grundeinkommens findet er dennoch sympathisch. "In meiner Branche nähern wir uns den USA an, wo man zwei oder drei Jobs fürs Überleben braucht", sagt er. Henrichs ist in der Gastronomie tätig.

Der Grundeinkommen-Film von Häni und Schmidt ist am Donnerstag, 17. September, 19 Uhr im Hafen2-Café zu sehen. Infos: www.rotari.de; www.freedomsoonwillcome.de

Autor:  Madeleine Reckmann
Datum:  16 | 9 | 2009
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