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Getrennte Eltern: Kampf um die Kinder

Nach der Trennung verliert ein Elternteil oft den Kontakt zum Nachwuchs. In einer Selbsthilfegruppe sprechen Väter und Mütter darüber, wie sie damit umgehen können.

        

Auch wenn die    Mutter    eigene  Wege geht,   soll  der Vater sein Kind sehen können.
Auch wenn die Mutter eigene Wege geht, soll der Vater sein Kind sehen können.
Foto: Caro

Und? Wie war Weihnachten? Das werden heute viele Menschen fragen. Wer ein schönes Fest hatte, wird gerne davon erzählen. Manch einen kann diese Frage aber auch kalt erwischen. Eltern, die ihre Kinder nicht sehen dürfen, zum Beispiel. Oder deren Kinder sie nicht sehen wollen. Das schmerzt.

Eine Absage hat auch die Offenbacherin Stefanie Schmitt (Name von der Redaktion geändert) von ihren Kindern bekommen. Per E-Mail. Ihre drei Kinder aus zweiter Ehe hätten gemeinsam entschieden, dass sie nicht kommen wollten. Doch Schmitt macht ihren Ex-Mann dafür verantwortlich. „Ich hatte den Eindruck, der Vater steht dahinter“, erzählt sie. Sie glaubt nicht, dass die Kinder sie tatsächlich nicht sehen wollen. Sie geht davon aus, dass sie Angst haben. Dafür, dass der Vater der Teenager den Kontakt zur Mutter verhindern will, gebe es viele Anzeichen. „Zugeben würde er es aber nie.“

Entfremdete Eltern

Eltern-Kind-Entfremdungs-Syndrom wurde erstmals 1985 vom amerikanischen Kinderpsychiater Richard A. Gardner beschrieben. Oft wird auch die Abkürzung PAS - für den englischen Namen „parental alienation syndrom“ - verwendet. Es beschreibt die Auffälligkeiten, die bei Kindern nach der Trennung ihrer Eltern auftreten können. Dabei wird davon ausgegangen, dass der betreuende Elternteil den Kontakt zum anderen Elternteil bewusst verhindert.

Betroffen sind vor allem Männer. Das liegt aber daran, dass Kinder nach Trennungen üblicherweise bei ihren Müttern bleiben.

Die PAS-Selbsthilfegruppe Rhein-Main trifft sich immer am ersten Montag im Monat. Weitere Informationen gibt es unter www.pas-rhein-main.de cir

Wie ihr geht es vielen. Psychologen haben als Ursache das „Eltern-Kind-Entfremdungssyndrom“ (PAS) ausgemacht, nach dem sich die Selbsthilfegruppe benannt hat, die Schmitt besucht. Anzeichen sind, dass Kinder reflexartig das Elternteil in Schutz nehmen, bei dem sie leben. Dem Elternteil aber, zu dem sie keinen Kontakt haben, begegneten sie häufig feindselig. Oft betonten die Kinder, dass ihr Verhalten ihre eigene Entscheidung sei. Gleichzeitig wählten sie eine ihrem Alter nicht angemessene Ausdrucksweise. Meist befinden die Kinder sich in einem Loyalitätskonflikt zu ihren Eltern.

Als sich Schmitt 2004 von ihrem Mann trennte, zog sie zunächst mit allen drei Kindern aus. Am Wochenende seien die Kinder regelmäßig beim Vater gewesen, sagt die Offenbacherin. „Im Oktober 2007 dann sind die beiden älteren einfach nicht mehr von der Schule nach Hause gekommen“, erinnert sie sich. Der Vater teilte ihr mit, dass sie bei ihm bleiben wollten. Ein paar Sachen hätten sie noch abgeholt, dann sei alles nur noch über die Anwälte gelaufen. „Der Umgang hat nicht funktioniert“, sagt sie.

Das Sorgerecht wurde einige Monate später beiden Elternteilen zugesprochen. Die zwei älteren Geschwister wollten beim Vater leben. Der Jüngste blieb bei der Mutter. Bis zum Sommer 2009. Nachdem der Sohn in den Ferien beim Vater war, ging es wieder vor Gericht. Im Vier-Augen-Gespräch mit der Richterin entschied sich dann auch der damals Siebenjährige dafür, beim Vater zu bleiben. Seitdem hat die Mutter ihren Sohn nur noch dreimal gesehen. Anja Paulmann, die auch zur PAS-Selbsthilfegruppe Rhein-Main geht, hat ihre Kinder sogar vor sieben Jahren in die Arme nehmen können.

Vom Staat fühlen sich die von PAS-Betroffenen alleingelassen und von Mitmenschen diskriminiert. „Irgendetwas wird wohl schon gewesen sein“, würden viele sagen, wenn sie hörten, dass Mütter oder Väter keinen Umgang mit ihren Kindern haben.

Von Gerichten und Jugendämtern fordern sie daher eine klare Haltung. „Der Staat darf nicht zuschauen, wie Kinder den Kontakt zu einem Elternteil verlieren“, sagt Paulmann. Das geschehe aber heute oft. Meistens hieße es: „Das Kind will das ja so. Da können wir nichts machen.“ Genau das aber sei falsch, meint sie. Denn so werde den Kindern eine viel zu große Verantwortung aufgebürdet.

Autor:  Claudia Isabel Rittel
Datum:  27 | 12 | 2010
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