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19. Januar 2013

Karneval: Till reimt und stichelt

 Von Sigrid Aldehoff
Das Kostüm hat Karl-Heinz Eitel alias Till selbst entworfen.  Foto: Monika Müller

Karl-Heinz Eitel ist der Protokoller des Offenbacher Karnevals.Etwa vier Wochen vor der Kampagne beginnt er seine Reden zu schreiben.

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Versonnen lächelnd sitzt der Dreijährige im Bajazzo-Kostüm auf dem Fensterbrett in der Senefelderstraße und schaut auf den Offenbacher Karnevalsumzug. 1952 wurde das Foto, auf dem Karl-Heinz Eitel zu sehen ist, gemacht und es dokumentiert den Beginn einer lebenslangen Begeisterung. Heute ist der frühere Architekt selbst fester Bestandteil des Offenbacher Karnevals.

Sowohl als Protokoller Till als auch als Schambes Schlau hat er Auftritte nicht nur in Offenbach. Er spricht bei der Inthronisation des Prinzenpaares oder gibt bei den großen Sitzungen den Protokoller, er schreibt auch für den Rathaussturm die Angriffsreden der Karnevalisten und die Verteidigungsreime des Oberbürgermeisters.

Der gebürtige Offenbacher ist durch seinen Pflegevater Hans Gatzweiler zum Karneval gekommen. Der war ein Rheinländer, der nach der Heirat nach Offenbach gezogen war. Offenbar mangelte es ihm in seiner neuen Heimat an Frohsinn: 1955 gründete er mit Robert Bergmann die Kappenbrüderschaft, wo der 18-jährige Karl-Heinz 1964 seine erste Büttenrede hielt. „Das war noch im großen Saal der Freimaurerloge in der Luisenstraße“, erinnert er sich. Und er hat auch noch seinen ersten Orden in Form einer Eule, den er damals bekam.

Atmosphärische Spannungen

Die Figur des Till kreierte er 1985 selbst. Damals war er Mitglied bei den Watzen in Neu-Isenburg, wohin er wegen seiner Ehefrau gezogen war. Das rot-blaue Kostüm hat er selbst entworfen und es wurde nach seinen Anweisungen geschneidert. In ihm trat er in Neu-Isenburg auf, und auch beim Rüsselsheimer Carnevalsverein, der ihn 1976 als Gastbüttenredner anwarb und dem er bis heute treu geblieben ist, gab er den Till. In Rüsselsheim brachte er es sogar für vier Jahre zum Sitzungspräsidenten und tourte Ende der 90er Jahre als Büttenredner durch Raunheim, Nauheim, Mainz, Wiesbaden , Eschborn und Frankfurt. „An manchen Abenden hatte ich drei Sitzungen“, sagt er und es klingt nicht so, als sei es ein allzu hartes Los gewesen.

Zu den Offenbacher Karnevalisten stieß er durch seine ehrenamtliche Sozialarbeit. Die Arbeiterwohlfahrt fragte 2005 an, ob er nicht die AWO-Senioren-Fastnacht im Hainbachtal-Waldcafé organisieren wollte. Eitel macht das bis heute und kam so in Kontakt mit Manfred Roth, Hofmarschall des Offenbacher Karnevalvereins (OKV). Der fand, dass der Till auch gut in die Offenbacher Kampagne passen würde. Seit 2007 ist der in seiner Heimatstadt wieder dabei . Gleich in seiner ersten Protokollerrede sorgte er für atmosphärische Spannungen: Er reimte, dass das Offenbacher Prinzenpaar besser aussehe als das der Frankfurter. Eine große Boulevardzeitung griff das Thema begeistert auf, „ich hab’ das dann mit einem Anruf bei den Frankfurtern wieder gradegebogen“, sagt Eitel.

Offenbach und die Welt

Etwa vier Wochen vor Beginn der Kampagne fängt er an, seine Reden zu schreiben. Das Protokoll soll möglichst aktuell sein und wird noch bis zum letzten Moment bearbeitet. Typische Till-Themen? „Offenbach, Hessen, Deutschland und die Welt“, sagt Eitel. Der Schambes Schlau als typischer Witzeerzähler sammelt das ganze Jahr über Pointen.

Welcher Charakter ihm lieber ist? „Der Till ist anspruchsvoller“, sagt Eitel, „am Anfang hatte ich sogar Angst, dem Protokoller nicht gerecht zu werden.“ Der Schambes sei mit seinen Witzen eher für das reine Vergnügen konzipiert, „aber Witzvorträge werden nicht so anerkannt“.

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