Offenbach
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13. Dezember 2012

Klingspor-Museum: Lichtscheue Schätze

 Von Monica Bielesch
Stefan Soltek und Martina Weiß mit Restaurierungsobjekt. Foto: Monika Müller

Das Klingspor-Museum in Offenbach restauriert wertvolle Schriftkunstwerke von Expressionisten. Eines der wertvollsten Meisterwerke der Kalligraphie ist eine Kreuzdarstellung Kalligraphen, Typographen und Grafikers Rudolf Koch.

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Um dieses Blatt Papier zu sehen, werden Kalligraphie-Interessierte aus Amerika und sogar aus Japan nach Offenbach ins Klingspor-Museum kommen, weiß Museumsleiter Stefan Soltek zu berichten. Deshalb entfernten er und Bibliothekarin Martina Weiß gestern in der Bibliothek des Museums sehr behutsam und fast andächtig das große Seidenpapier von diesem Werk. „Es ist ein zentrales Werk unserer Sammlung“, sagt Weiß ohne den Blick von dem Kreuz aus Schriftzeichen abzuwenden, welches sie den Betrachtern enthüllte.

Es handelt sich dabei um eine Kreuzdarstellung des Kalligraphen, Typographen und Grafikers Rudolf Koch, eins der Werke, die das Museum nun restauriert hat und in einer Schau präsentieren will. Der 1876 geborene Schriftkünstler hatte Anfang des 19. Jahrhunderts die Bergpredigt in Form eines Kreuzes geschrieben. Es sei ein beeindruckendes Werk des Expressionismus, erklärte Soltek. Und dieses eng beschriebene, ausgefranste Kreuz wurde wenig publiziert und fast kaum ausgestellt. Auch zwei weitere Kreuze aus Worten zum Thema Sünde faszinieren den Betrachter. „Sie zeigen all seine Ausdruckskraft“, so Soltek. Besonders faszinierend und spannend sei es, drei so gegensätzliche Werke eines Künstlers betrachten zu können, so Weiß.

Für rund 5000 Euro, die aus dem Etat der Stadt stammen, wurde begonnen, alte Werke der großen Klingspor-Sammlung aufzufrischen, die nun in einer Ausstellung dem Publikum gezeigt werden können. Soltek und seine Mitarbeiterinnen Martina Weiß und Stephanie Ehret sind mehr als erfreut und präsentieren der Presse fast stolz die ersten Ergebnisse. „Endlich können wir wichtige Stücke unsere Sammlung angemessen aufbewahren“, so Soltek.

Auffrischen alter Arbeiten ist teuer

Säurehaltiges Aufbewahrungspapier, Platzmangel und eine fehlende Klimaanlage seien der Grund für Beschädigungen an den Schriftkunst-Werken gewesen, erläutert der Museumsleiter.

Nun arbeitet die Restauratorin Martina Noehles aus Mühlheim an der Auffrischung von Klingspor-Objekten. Sie musste Griffknicke, kaputte Blattkanten und Schmutzflecken bereinigen. Dazu hat die Restauratorin das Papier mit Hilfe von Latexschwämmen, Reisstärke und Kleister stabilisiert. Mit der sogenannten Gore-Tex-Sandwich-Methode hat Noehles die Werke geglättet. „Sie haben nun eine einheitliche Oberfläche“, erläutert Soltek weiter. Auch wurden die wertvollen und sensiblen Kunstwerke in Passepartouts gefasst. Soltek: „Jetzt können wir wieder fachgerecht damit umgehen.“

Zwar seien die alten Schriftkunstwerke durch die Restauration nun für die nächsten Jahrzehnte gerüstet. Aber trotzdem werden diese Blätter in keiner Dauerausstellung zu sehen sein. Soltek begründet: „Dazu sind die Zeichnungen zu lichtanfällig.“

Noch in ihrem Ursprungszustand sind 25 Schriftzeichnungen des Illustrators Alfred Kubin. Sie weisen Flecken auf, das Papier sieht alt und welk aus. Das Klingspor-Museum lässt nun den Bildroman „Der Prophet Daniel“ von Kubin restaurieren. Es sei aktuell das teuerste Restaurationsprojekt, so Soltek.

Finanziert werden die Kosten in Höhe von 7000 Euro jeweils zur Hälfte durch eine Spendensammlung der Kulturstiftung der Länder und aus dem Etat des Museums.

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