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Kunst im Schrank

Stipendium zeichnet aus und wird ausgezeichnet

Sie haben es wieder getan. Die vier Künstlerinnen aus dem Verein Kunst Raum Mato haben wieder ein Förderstipendium im Schrank ausgeschrieben. Ja, richtig verstanden: im Schrank. Das Möbelstück mit den rot aufgemalten Vögeln auf weißem Grund in der Kunst Fabrik Mato ist bereit, zum zweiten Mal Künstler zu empfangen.

Das Stipendium beinhaltet einen zweiwöchigen Aufenthalt in eben diesem Schrank, mietfrei, mit Kaffeemaschine und Sofa, es besteht Aufenthaltspflicht, Einzelausstellung zwischen Sperrholz-Rückwand und Tür, Katalog auf eigene Kosten, fünf Euro Anmeldegebühr.

Die Stipendiaten

Die Jury gewährt sechs Künstlern das Stipendium. Von Januar an werden diese nacheinander im Schrank in der Kunst Fabrik Mato Obdach nehmen. Jeder Künstler erhält eine eigene Ausstellung.
Bernd Thiele plant einen Trickfilm-Workshop und Diskussionen im Schrank. Der 1969 geborene Filmemacher und Fotograf lebt in Offenbach.
Barbara Greul Aschanta plant eine Installation über einen Tag mit JFK und seinem Lieblingsdichter Alan Seeger.
Ulrike Knobloch will den Schrank in Frankfurt in der Nähe der Ausstellungshalle Portikus auf der Straße ausstellen und mit Passanten in Dialog treten.
Stefan Stichler ist bekannt für seine Möbelskulpturen. Der 1972 geborene Frankfurter hat zudem vorgesehen,
einen Text über die Hängesituation und den Faltenwurf im Schrank zu schreiben.
Katja Kullmann will ihr Buch „Echtleben“ überarbeiten. Es behandelt das finanziell unsichere Leben der über 30-Jährigen.
Vladmir Combre de Sena baut den Schrank en miniature nach und verbrennt den alten.

Die Öffentlichkeit auf die schwierige Finanzsituation von Künstlern aufmerksam machen, ist das Ziel der Künstlerinnen Eva Moll, Verena Lettmayer, Ruth Luxenhofer und Charlotte Malcom-Smith. Freischaffende Künstler müssten sich auf die irrwitzigsten Ausschreibungen zu den miserabelsten Bedingungen bewerben, um auf dem Kunstmarkt Fuß zu fassen, berichten sie. Seit der ersten Finanzkrise 2008 ist zudem der Kunstmarkt eingebrochen, die Mittelklasse kauft nicht mehr. Da erfanden die vier spontan ein ähnliches Angebot. „Sich zur Jury zu erheben, ist ein Akt der Selbstermächtigung“, sagt Verena Lettmayer.

Einige Dutzend Künstler haben sich auf das flunkernde Spiel mit der harten Künstler-Wirklichkeit eingelassen. Sechs hat die Jury ausgewählt, darunter auch die Autorin Katja Kullmann. „Die Künstler verstehen die Satire“, sagt Ruth Luxenhofer. Geworben haben die Künstlerinnen dieses Mal auch in der Baumwollspinnerei Leipzig, Produktions- und Ausstellungsfläche für zeitgenössische Kunst, wo sich auch berühmte deutsche Künstler tummeln. „Neo Rauch darf es auch versuchen“, sagt Eva Moll gönnerhaft.

Die Frankfurter Stiftung Maecenia fand die Stipendien-Idee der Offenbacherinnen so gelungen, dass sie sie mit einem Anerkennungsbeitrag auszeichnete. Die Stiftung für Frauen in Wissenschaft und Kunst verfolgt insbesondere Projekte, die sich kritisch und konstruktiv mit der Gesellschaft auseinandersetzen. „Stipendien nehmen oft nicht Rücksicht auf die Gegebenheiten der Künstler“, begründet Stifterin Eva Brinkmann to Broxten die Wahl. Das Preisgeld von 1200 Euro setzen die Künstlerinnen für ihre Stipendiaten ein. Vor zwei Jahren haben sich auf die erste Ausschreibung zehn Künstler beworben. Preisträger wurde Jos Diegel.

Die Preisverleihung im Verein Kunst Raum Mato soll dieses Mal ein Super-Event werden, damit die symbolische Bedeutung des „internationalen“ Stipendiums mehr Strahlkraft erhält. Kai Vöckler, Stiftungsprofessor an der Hochschule für Gestaltung, wird sprechen. Die Popgruppe „Superstolk“ spielt ihr Schranklied. „Ansonsten Schrank“ heißt es, natürlich Schrank, um den geht es ja.

Autor:  Madeleine Reckmann
Datum:  18 | 10 | 2011
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