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08. Dezember 2009

Mainarbeit: Das wird nix mit der Gans

 Von Madeleine Reckmann
Kann sich nicht jeder leisten: eine Weihnachtsgans. Eine Offenbacher Vereinigung fordert von der Mainarbeit, jedem auf Unterstützung angewiesenen Haushalt zum Fest der Liebe einen Braten zu spendieren. Die Mainarbeit lehnt das ab. Foto: ddp

Eine Offenbacher Vereinigung fordert von der Mainarbeit, jedem auf Unterstützung angewiesenen Haushalt einen Weihnachtsbraten zu spendieren. Die Lage sei zu ernst für Scherze, findet deren Chef.

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Die Chance auf eine knusprige Weihnachtsgans hat gestern vor dem Eingang der Arbeitsgemeinschaft Mainarbeit bei drei zu 197 gestanden. Zweihundert Lose halten Mitglieder der neuen Initiative SGB2-Dialog in einem Zylinder. Hartz-IV-Empfänger dürfen zugreifen und ihr Glück wagen.

Wer zieht das große Los? Drei Gutscheine für Lebensmittel im Wert von 25 Euro sind zu gewinnen. Vielleicht gibt es auch eine Weihnachtsgans dafür. "Die Resonanz auf die Aktion ist groß", sagt die Frau mit dem Zylinder in der Hand, "die SGB2-Bezieher stehen mächtig unter Druck."

Mainarbeit-Beschäftigte behandelten Leistungsempfänger unfreundlich, Geldkürzungen seien willkürlich, das Budget zu schmal - so lautet die Kritik der im Frühjahr gegründeten Offenbacher Initiative. Ihr gehören rund 20 Arbeitslose an.

SGB-2-Dialog sucht Kontakt zu allen, die Arbeitslosengeld II oder Hartz-IV beziehen oder beruflich damit zu tun haben. "Wir sind nicht bereit, uns in ein Schneckenhaus zurückzuziehen", heißt es in einem Flyer, "sondern kämpfen für die Selbstachtung und Solidarität."

Zum Fest der Liebe wünschen sich die Aktivisten, dass die Mainarbeit jeder Bedarfsgemeinschaft zusätzlich zu den Bezügen eine Weihnachtsgans spendiert. "Wir meinen, dass aus Kostengründen eine solche Geste nicht scheitern kann, spart doch die Mainarbeit jährlich Millionen aufgrund falscher Leistungsbescheide und der Unwissenheit der Betroffenen", schreibt Aktivist Carl Christoph in einer Flugschrift.

"Die Lage der SGB2-Empfänger ist zu ernst für Scherze"

Doch auch zu Weihnachten wird in Hartz-IV-Familien wohl Hans Schmalhans das Menu regieren. Matthias Schulze-Böing, Geschäftsführer der Mainarbeit, lehnt es ab, Festtagsbraten auszugeben. "Dafür gibt es keine gesetzliche Grundlage", sagt er. Die Lage der SGB-2-Bezieher sei auch zu ernst für Scherze.

Kritik an der Höhe der Regelsätze sei zwar verständlich, aber an die Berliner Politik zu richten und nicht an die Behörde in Offenbach, erklärt er den Demonstranten auf der Straße und signalisiert für Gesprächsbereitschaft.

Vorwürfe gegen seine Behörde lässt Schulze-Böing nicht gelten. Carl Christoph moniert, dass die Mainarbeit mitunter ohne ersichtlichen Grund mal fünf, mal zehn oder 20 Euro weniger überweise. Widersprüche zu formulieren, die schriftlich eingereicht werden müssten, seien für viele Bezieher zu mühsam. Manche ließen es dann halt bleiben. Die Behörde verzögere die Antwort.

"Wer gutwillig ist, geht von Überlastung des Personals aus. Möglich ist auch Willkür", sagt Christoph. Außerdem würden die Bezieher nicht ausreichend über ihre Rechte aufgeklärt. "Erlaubte Wohnungsgrößen, Zuschüsse zur Stromrechnung - so was müssen die Leute doch wissen", sagt er.

"Natürlich passieren auch Fehler", räumt Schulze-Böing ein, "doch die werden korrigiert." Willkür schloss er bei der Mainarbeit kategorisch aus. Widersprüche auf Zahlungsbescheide würden ordnungsgemäß geprüft. 2500 Widersprüche gebe es, auf fünf bis sechs Prozent der Bescheide. 35 Prozent der Widersprüche werde stattgegeben, meist wegen Fehlern der Mainarbeit.

Es gebe dennoch keine Anhaltspunkte für mangelnde Qualität der 227 Mainarbeit-Beschäftigten. Auch die befristet Beschäftigten, deren Anteil bei über 25 Prozent liegt, würden ausreichend fortgebildet.

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