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26. November 2011

Manroland: Wut vor dem Werkstor

 Von Sigrid Aldehoff
Die Hoffnung stirbt zuletzt – spontan ging die Belegschaft auf die Straße.  Foto: Rolf Oeser

Nach dem Insolvenzantrag von Manroland ziehen rund 800 Mitarbeiter in einem Protestzug über die Mühlheimer Straße. Wütend sind sie, enttäuscht, einige auch schockiert.

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Der Mann kickt im Gehen nach einem imaginären Stein: „So kurz vor Weihnachten“, presst er mit einer Mischung aus Bitterkeit und Wut zwischen den Zähnen hervor. Er ist einer der rund 800 Mitarbeiter von Manroland, die gestern nach Bekanntgabe des Insolvenzantrages des Unternehmens in einem Protestzug über die Mühlheimer Straße liefen und diese zeitweise blockierten.

Wütend sind sie, enttäuscht, einige auch schockiert. Dass es nicht gut lief im Unternehmen, wussten sie alle: Zusätzliche Stunden ohne Bezahlung hatten sie geschrubbt, auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld verzichtet – und gehofft. „Ich habe viele Stunden kostenlos gearbeitet, auch die Kollegen haben alles gegeben“, sagt Andreas, „immer hieß es, das sei zum Wohle des Unternehmens. Dann kamen Entlassungen, wieder hieß es, zum Wohle des restlichen Unternehmens – und jetzt das.“

Seit 25 Jahren arbeitet der Zerspanungsmechaniker aus Offenbach bei Manroland, „vor zwei Monaten hatte ich mein Betriebsjubiläum,“ sagt der Familienvater bitter. Nach einem anderen Arbeitgeber oder seinen Chancen auf dem Arbeitsmarkt hat er sich noch nicht erkundigt, „ich habe das immer von mir weggeschoben und immer positiv gedacht“.

17 Jahre, 22 Jahre, elf Jahre – die meisten von ihnen sind schon lange dabei, wohnen in Offenbach oder der näheren Umgebung. „Der Vorstand hat noch rechtzeitig das sinkende Schiff verlassen“, sagt einer wütend.

„Zehn Jahre hat die Belegschaft geblutet, aber der Vorstand hat das eingesparte Geld nicht für die Firma verwendet und weitergewurschtelt“, sagt einer. Investitionen seien ausgeblieben.

„Es ist wichtig, dass wir unseren Protest in die Öffentlichkeit getragen haben“, sagt im Anschluss an den Protestzug Betriebsrat und stellvertretender Gesamtbetriebsratsvorsitzender Rainer Herth vor dem Werkstor. Auch der Betriebsrat sei am Tag zuvor vom Insolvenzantrag überrascht worden. „200 Millionen Euro hätte es gekostet den Laden weiter zu führen“, sagt Herth. Auf der Belegschaftsinfo zwei Stunden zuvor hätte es Tränen und Zusammenbrüche gegeben, „aber auch Pfiffe für den Vorstand, der nichts hingekriegt hat“.

Herth klärt über Megafon zunächst die praktischen Dinge: Am kommenden Dienstag müsste der Lohn auf den Konten der Mitarbeiter eingehen – „aber das wird wahrscheinlich nicht passieren“, sagt er und es wird jetzt sehr still unter den Demonstranten. Der vorläufige Insolvenzverwalter werde wohl mitmachen und von sich aus die Banken der Belegschaft anschreiben und versichern, dass das Geld komme, vermutlich am 10. Dezember. Dies sei wichtig, „damit eure Banken keine Kreditverträge platzen lassen“.

Die Kurzarbeit sei nun beendet, am Montag sollten alle Mitarbeiter zu ihren regulären Schichten kommen. Ob und wie lange es noch Arbeit gibt, wusste keiner auf dem Hof vor dem Unternehmen. „Aber es ist richtig, dass wir arbeiten, wenn wir das nicht tun, kommen auch keine neuen Aufträge mehr“, sagt ein Kollege.

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