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Marktplatz: Tatort Stadt

Beim Umbau des Marktplatzes will Offenbach neue Wege gehen: Ab März erhalten Bürger die Gelegenheit, ihre Ideen und Vorstellungen einzubringen.

Frischer Wind in der Stadtplanung: Tobias Kurtz, Ragna Körby.

Als Platz ist er kaum wahrnehmbar, eher als große Verkehrsschneise. Doch damit soll 2014 Schluss ein. Der Marktplatz, „zentrale Drehscheibe“ (OB Horst Schneider) und „Haupteingangstor zur Innenstadt“ (Verkehrsexpertin Astrid Tschann) soll zusammen mit einem bis zum Großen Biergrund reichenden Teil der Bieberer Straße für 3,67 Millionen Euro umgebaut werden.

Dazu werden von den Anliegern Straßenbeiträge erhoben, die Restsumme zu 75 Prozent aus dem Landesfördertopf des Städtebauprogramms Aktive Kernbereiche/Aktive Innenstadt finanziert. Nach dem Stadthof, der wegen der sanierungsreifen Tiefgarage in diesem Jahr vorgezogen wird, ist der Marktplatz das zweite große Umbauprojekt des Programms zur Stärkung der Innenstadt.

Ziel ist es, mit einer niveaugleichen Fläche, auf der Autos wie Fußgänger gleichberechtigt unterwegs sind, die trennende Wirkung zwischen Fußgängerzone und Wilhelmsplatz aufzuheben und die Aufenthaltsqualität in diesem Bereich zu stärken.

Ende 2012 soll es dazu einen städtebaulichen Wettbewerb geben. Doch zuvor, ab März, erhalten die Bürger Gelegenheit, ihre Ideen und Vorstellungen einzubringen. Zentrale Frage dabei wird laut Projektleiterin Tschann sein, wie der Marktplatz künftig genutzt werden soll.

Für die Beantwortung sollen innovative Wege beschritten werden. Offenbach wurde neben drei anderen Kommunen wie etwa Wolfsburg vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung im Rahmen des bundesweiten Ideenwettbewerbs „Tatort Stadt“ als Modellkommune ausgewählt. Zusammen mit den beiden jungen Absolventen der Stadtplanung, den Berliner Diplom-Ingenieuren Ragna Körby und Tobias Kurtz, soll das Projekt „Marktplatzforum“ entwickelt werden. Die Bürgerbeteiligung, von Offenbach beim Maindeich und Stadthof bereits erfolgreich betrieben, soll mit Hilfe der beiden für ein halbes Jahr mit je 12500 Euro geförderten Stipendiaten neue Impulse erhalten.

Ihr Konzept sieht vor, neben Anwohnern und Geschäftsleuten auch Menschen anzusprechen und „aus ihrem Alltag abholen“, die solchen Prozessen sonst eher fern bleiben, und eine möglichst breite Öffentlichkeit zu schaffen.

Marktplatz

Der Marktplatz wurde 1702 vor den Stadttoren angelegt. Bis 1903 war hier der Wochenmarkt. Seit dem 19. Jahrhundert ist der Platz Verkehrsknotenpunkt. In den 50ern des vergangenen Jahrhunderts wurde er im Sinne einer autogerechten Stadt umgebaut. Mit der Einstellung der Straßenbahn 1969 war er gleisfrei. 1979 wurde ein zentraler Busbahnhof angelegt, zehn Jahre später aber wieder aufgegeben. 1996 wurde die S-Bahnstation Marktplatz eröffnet.
Heute verkehren auf der fast 8000 Quadratmeter großen Fläche vier S-Bahnlinien mit 369 Tagesfahrten sowie 14 Buslinien mit insgesamt 815 Tagesfahrten und 20000 Ein- und Aussteigern pro Tag. 7000 Kraftfahrzeuge rollen täglich über den Marktplatz, 3000 Fußgänger queren ihn in der Spitzenstunde.
Das Marktplatzforum bietet Offenbacher Bürgern von März bis Juni die Möglichkeit, sich an der Planung zum Umbau des Platzes zu beteiligen.
Interessierte können sich unter der Mail-Adresse marktplatz@offenbach.de oder im Baubüro im Stadthaus, Berliner Straße 60, auf einen Verteiler nehmen lassen und erhalten Nachricht über den genauen Ablauf und Terminplan der Bürgerbeteiligung.

Dabei, sagen die Planer, gehe es um die Frage, wie man seine Stadt wahrnehme und wie man sie sich aneignen könne. Dazu soll es eine Anlaufstelle vor Ort geben, eine Ausstellung und Workshops, einen Ideenbasar und Führungen etwa mit Schülern oder mit Behinderten, stets mit dem Ziel, von eben diesen Zielgruppen etwas über ihre Bedürfnisse und Anforderungen zu erfahren.

Der ganze Beteiligungsprozess soll in vier Phasen ablaufen. Nach einer Bestandsaufnahme werden Nutzungsideen entwickelt und mit Fachleuten diskutiert. Dann werden solche Szenarien in einer zeitliche begrenzten Aktion getestet und schließlich werden die Ergebnisse in einer Planungswerkstatt wie schon beim Maindeich bis Ende Juni in einen Anforderungskatalog „gegossen“.

Dieser wird dann als Entscheidungsgrundlage den Stadtverordneten an die Hand gegeben, wenn sie im August über die Ausschreibung des Wettbewerbs entscheiden.

Finanzierungsvorbehalt

Drängte bei den bisherigen Planungsprozessen mit Beteiligung der Öffentlichkeit die Zeit, stehen für die Einbeziehung der Bürger beim Marktplatzforum immerhin mehrere Monate zur Verfügung. Damit lässt sich das Projekt auf eine breitere Basis stellen und lassen sich auch neue Kommunikationsformen erproben.

Seit Stuttgart 21, sagt Mustafa Tazeoglu, dessen Duisburger Agentur für Stadt, Kultur, Ökonomie das Bundesprojekt begleitet, sei die Mitwirkung an Planungsprozessen stark ins öffentliche Bewusstsein gerückt. Auch in Offenbach, so die Leiterin des Amtes für Stadtplanung und Baumanagement, Susanne Schöllkopf, gehe es darum, Bürger frühzeitig in Planungsprozesse einzubinden und das Verfahren transparent zu gestalten.

Wie der städtische Haushalt steht das Projekt unter dem Finanzierungsvorbehalt des Regierungspräsidenten. OB Schneider ist zuversichtlich, dass die Stadt ihren Kostenanteil trotz schmalen Budgets aufbringen kann.

Autor:  Jörg Muthorst
Datum:  20 | 1 | 2012
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