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20. Dezember 2011

Montagsdemo: Von stiller Nacht keine Spur

 Von Madeleine Reckmann und Pitt von Bebenburg
Zeigen Flagge: Offenbacher gegen Fluglärm.  Foto: A. Arnold

Erneut sind Tausende am Montagabend zum Flughafen gekommen, um gegen den Fluglärm zu protestieren. Währenddessen tagt Bouffiers Lärmgipfel - jedoch ohne erkennbares Ergebnis. Vertreter von Bürgerinitiativen sind nicht eingeladen worden.

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Eine Stimmung wie an Weihnachten: Das Lied „Stille Nacht“ ertönt voller Inbrunst aus vielen Kehlen. Gestern Abend bei der sechsten Montagsdemo im Terminal 1 des Flughafens geht der Text aber anders: „Stille Nacht, heilige Nacht, was habt ihr aus der Gegend gemacht?“ Die Demonstranten strengen sich an, lauthals zu trällern. Das Lied soll in den Nachrichten übertragen werden. 6000 Protestierer melden Veranstalter und Beobachter, die Polizei spricht von 3000. Das Gedränge in der Halle ist so stark, dass manche befürchten, ihre Begleiter zu verlieren. Trommeln, Tröten, Trillerpfeifen machen einen ohrenbetäubenden Lärm.

Offenbacher Bürger und Politiker sind mittendrin. „Wir wollen deutlich machen, dass der Fluglärm das wichtigste Thema der letzten zehn Jahre für die Stadt ist, und es ist zukunftsweisend“, sagt Flughafendezernent Paul-Gerhard Weiß, der ein Offenbach-Schild in die Höhe hält − im Auftrag der Stadt gedruckt. Der hauptamtliche Magistrat und einige Stadtverordnete hatten angekündigt, Flagge zu zeigen und mitzudemonstrieren. Sie in der Menge ausfindig zu machen – unmöglich!

        

Alles andere als besinnlich musizieren  die Demonstranten.
Alles andere als besinnlich musizieren die Demonstranten.

Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD) und CDU-Fraktionschef Peter Freier sollen gesehen worden sein, auch Felix Schwenke von der SPD. Bürgermeisterin Birgit Simon (Grüne) zieht skandierend mit Parteifreunden vorbei. Huch, da steht ja Mainarbeitschef Matthias Schulze-Böing. Der frühere OB Wolfgang Reuter ist auch da. „Ruhe für Bieber“ steht auf einem Transparent zwischen den vielen Schildern aus Kelsterbach, Mörfelden-Walldorf, Rodgau oder Mainz. „Ich bin das erste Mal dabei, weil man präsent sein muss“, sagt Andreas Leonhardt aus Bieber.

Eine 47-Jährige aus dem Offenbacher Westend ist mit ihren Kindern zum vierten Mal bei der Demo. „Seit dem 21. Oktober wache ich morgens um 5 auf“, erzählt sie, „da wusste ich noch gar nicht, dass die Nordwestbahn eröffnet worden war.“

Am Rande eines Fluglärm-Gipfels in der Staatskanzlei in Wiesbaden hat Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) zuvor keine konkreten Zusagen für eine Verringerung von Fluglärm oder einen Verzicht auf Nachtflüge gemacht. Zwar wolle er „die Belastungen in erträglichem Rahmen halten“, sagte der Regierungschef. Er wolle und werde aber „nichts versprechen, was niemand halten kann“.

Forderungen, die neue Landebahn stillzulegen, wies Bouffier entschieden zurück. Eine „Zukunft mit Arbeitsplätzen und Wohlstand“ gebe es für Hessen nur mit diesem Flughafen. Er sei „das Herzstück unseres Wohlstandes“.

Zu dem Gipfel waren keine Vertreter von Bürgerinitiativen eingeladen worden. Bei dem Treffen in der Staatskanzlei gehe es darum, mit jenen zu sprechen, „die unmittelbare Verantwortung tragen“, sagte Bouffier. Eingeladen waren der Vorstandschef des Flughafenbetreibers Fraport, Stefan Schulte, Lufthansa-Vorstandschef Christoph Franz, der Geschäftsführer der Deutschen Flugsicherung, Dieter Kaden, und der Generalsekretär des Airline-Verbandes Barig, Martin Gaebges. Die Gespräche sollen in einigen Wochen fortgesetzt werden. Erst dann erwartet Bouffier konkrete Lärmschutz-Vorschläge der Beteiligten.

Wirtschaftsminister Dieter Posch (FDP) sagte am Rande des Lärm-Gipfels, man spreche in erster Linie über aktiven Lärmschutz, also leisere Flugzeuge und andere Anflugverfahren. Daneben sei aber auch zu überlegen, ob die Lärmschutzverordnung geändert werden müsse, die manchen Anwohnern Schallschutzfenster oder die Möglichkeit zum Verkauf ihres Hauses an die Fraport zusagt.

SPD und Grüne sprachen von einem „Gipfel der Heuchelei“. Die Gespräche über Lärmschutz kämen viel zu spät, sagten die Landesvorsitzenden Thorsten Schäfer-Gümbel und Tarek Al-Wazir. Die Linken-Fraktionschefin im Landtag, Janine Wissler, beklagte das Fehlen von Bürgerinitiativen. Damit setze die Landesregierung ihre Politik fort, „über die Köpfe der Menschen hinweg zu entscheiden“.

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