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25. Januar 2016

Offenbach: Deutsch lernen mit Rotkäppchen

 Von Alexander Jürgs
David P. Steel in seinem Büro. Auf dem Bildschirm: das Rotkäppchen.  Foto: Rolf Oeser

Das Start-up L-Pub will mit neuen E-Learning Angeboten die klassische Bildung auf den Kopf stellen. Ihre Idee: Sprachen lernen, indem man Geschichten liest.

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David P. Steel sitzt auf der Couch in seinem Büro, auf dem iPad öffnet er eine App. „Vobot“ heißt sie, sie ist ein Vokabel-Trainer. Entwickelt wurde sie vom Start-up L-Pub, das Steel im September 2015 gegründet hat. Es ist seine zweite Firma. Die andere, mit dem Namen Steelecht, ist eine Agentur für „Crossmedia Storytelling“. Einer der größten Kunden von Steelecht ist die Frankfurter Buchmesse. Die Agentur ist für die englischsprachige Kommunikation der weltweit größten Buchmesse zuständig. In einem Hinterhof in der Offenbacher Kaiserstraße hat Steel seinen Sitz. Acht Mitarbeiter beschäftigt er bei Steelecht, vier sind es bei L-Pub.

Geld wird für Bildungs-Apps ausgegeben

Steel tippt einen Begriff in das Suchfenster der App: Zug. Elf mögliche Bedeutungen gibt es dafür im Englischen: train, procession, stream, move ... Zu jedem Begriff findet man eine Erklärung und einen Beispielsatz. Der Benutzer der App soll Vokabeln nicht losgelöst lernen, sondern eingebettet in einen sinnvollen Satz. Und er kann selbst entscheiden, welchen Begriffen er sich intensiver widmen möchte. Mit einem Klick kann er das Wort zu seinem persönlichen Vokabel-Training hinzufügen.

„Wir wollen die klassische Bildung auf den Kopf stellen“, sagt der 49jährige Steel. Kein sturer Lehrplan sei es, der zum Erfolg führe, sondern Lernen im Kontext. Die „Vobot“-App soll bald marktreif sein, in einigen Wochen erscheint die Version fürs iPhone. Das zweite Projekt, an dem bei L-Pub (der Begriff seht für: Learning Publication) gearbeitet wird, ist die Onlineplattform „StoryPlanet“. Auch sie folgt der Idee, dass, wer eine neue Sprache einüben möchte, das am besten nicht im luftleeren Raum tut. „Sprachen lernt man am einfachsten, wenn man Geschichten liest“, sagt Steel.

Bei „StoryPlanet“ werden E-Books mit der sogenannten L-Pub-Anwendung kombiniert. Der Sprachlevel der Texte wird klassifiziert, damit jeder genau die Bücher zu lesen bekommt, die seinen Sprachkenntnissen entsprechen. Sagt einem ein Begriff nichts, kann man sich direkt aus dem E-Book die Übersetzung anzeigen lassen. Auch bei dieser Anwendung kann man Begriffe speichern, die man später noch einmal trainieren möchte.

E-Learning ist ein boomender Markt. „Wenn Menschen Geld für Apps ausgeben, dann im Bereich Bildung“, sagt David P. Steel. Mit seiner Firma will er daran mitverdienen. Er glaubt, dass vor allem Bildungseinrichtungen seine Apps kaufen werden: Schulen, Volkshochschule, Universitäten, die sie Austauschstudenten zur Verfügung stellen könnten.

Begonnen hat alles mit einem Film, den David P. Steel gemeinsam mit dem Animationsdesigner Tim Fernée geplant hat. Vor zwei Jahren haben sie mit der Arbeit begonnen, am vergangenen Wochenende wurde das Ergebnis feierlich präsentiert. Entstanden ist eine handgezeichnete Animation des Brüder-Grimm-Märchens „Rotkäppchen“.

Der Text des Märchens wurde vereinfacht und modernisiert, damit er sich zum Deutschlernen besser eignet. Eingesetzt werden kann der Film zum Beispiel im Schulunterricht. Steel würde gerne weitere animierte Märchengeschichten realisieren und sie mit der Technik der Apps kombinieren. Ein erster Versuch, solche Animationen über Crowdfunding zu finanzieren, ist gescheitert. Aufgeben will Steel die Idee trotzdem nicht.

Er selbst kam mit der deutschen Sprache erstmals als Austauschschüler in Kontakt. Steel stammt aus dem amerikanischen Staat New Mexico, 1983 ging er für ein Jahr ins schweizerische Basel. „Das war eine sehr prägende Zeit“, sagt er. Steel hat sich wohlgefühlt in der Stadt, die er als „weltoffen, humanistisch und künstlerisch“ beschreibt, die so anders war als seine Heimat.

Den Kontakt zu seiner Gastfamilie und Freunden hat er gehalten. Nach dem Studium, das er in den Vereinigten Staaten absolvierte, kehrte er nach Basel zurück. Er arbeitete zunächst als Englischlehrer, später dann als Freiberufler für den Kinderkanal „Nickelodeon“ und den Bayerischen Rundfunk.

Vor 20 Jahren ist er nach Offenbach gezogen, vor elf Jahren hat er Steelecht ins Leben gerufen, nun ist L-Pub dazugekommen. David P. Steel liebt es, sich mit Sprachen auseinander zu setzen – nicht nur beruflich. Vor einiger Zeit hat er begonnen, Italienisch zu lernen. Wer weiß, vielleicht entsteht ja auch daraus bald eine neue Geschäftsidee.

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