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Offenbach
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22. November 2012

Offenbacher Löwe: Bewegt und bewegend

 Von Marie-Sophie Adeoso
Tanz mit dem weißen Tuch: Wooyeon Chuns Arbeit "Ein Flattern_Zufallsname". Jeonghan Yun 

Kreative Preisträger: Die HfG-Studentin Wooyeon Chun gewinnt den Offenbacher Löwe. Den Juniorpreis erhält ihr Kommilitone Mattis Kuhn.

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Kreative Preisträger: Die HfG-Studentin Wooyeon Chun gewinnt den Offenbacher Löwe. Den Juniorpreis erhält ihr Kommilitone Mattis Kuhn.

Offenbach –  

Der Förderpreis, den sie vor zwei Jahren bekam, habe ihr „viel Motivation und Mut gegeben“, sagt Wooyeon Chun. Motivation und Mut, den die Studentin der Hochschule für Gestaltung in der Zwischenzeit sehr erfolgreich in ihre Arbeit hat einfließen lassen – denn nach dem „kleinen Löwen“ im Jahr 2010 hat sie nun den Hauptpreis „Offenbacher Löwe“ gewonnen. Am Dienstagabend verlieh der Lions Club Offenbach-Lederstadt der 29-jährigen Südkoreanerin den mit 5000 Euro dotierten Löwen für ihre Arbeit „Ein Flattern zwischen Nichts und Niemand“. Den Juniorpreis über 1000 Euro erhielt ihr Kommilitone Mattis Kuhn.

Bühnenbildpreis

Der Offenbacher Löwe wird seit 2004 alle zwei Jahre vom Lions Club Offenbach-Lederstadt vergeben. Als Preis für freie Kunst gestartet, richtete er sich nun zum vierten Mal an Bühnenbildner.

Junge Künstler bis 30 Jahre können sich für den mit 5000 Euro dotierten Hauptpreis bewerben, unter 25-Jährige für den Juniorpreis mit 1000 Euro.

Kuratorin ist die Bühnenbildnerin und HfG-Professorin Rosalie, die gemeinsam mit sieben weiteren Juroren in diesem Jahr sechs von 23 Bewerbern nominierte und aus diesen die Preisträger wählte.

Interaktive Performance

Fast verschwindet die zierliche Frau an diesem Abend hinter dem überdimensionalen Preisgeld-Scheck, einem Blumenstrauß und der schweren gläsernen Preistrophäe. In ihrer ausgezeichneten Arbeit aber, die per Video in die Veranstaltungshalle der EVO geholt wurde, steht sie im Mittelpunkt. Mal bäumt sie sich kraftvoll auf, dann wieder lässt sie sich in die weißen Stoffwogen eines gespannten Tuches fallen, das sie trägt wie ein Kleid. Durch Tonabnehmer im Stoff löst sie dabei Wort- und Klangfetzen aus.

Der Titel ihres Projekts, „Ein Flattern_Zufallsname“, ist inspiriert von einem Zitat Heiner Müllers, auf dessen Theaterstück „Verkommenes Ufer / Medeamaterial / Landschaft mit Argonauten“ Chuns interaktive Performance basiert. Das Motto des diesjährigen Preises habe sie darum besonders angesprochen, sagt Wooyeon Chun. Es lautet „moving beats – interaktive Klangfelder, interaktive Klangräume, interaktive Klangstationen“.

Griechische Tragödie

Norbert Abels, Chefdramaturg der Oper Frankfurt, schlug in seiner Laudatio für Chun einen weiten Bogen zu den Ursprüngen der griechischen Tragödie und der von Chun dargestellten „hervorragenden Gestalt Medea“. Er lobte das Werk der Preisträgerin als „Gesamtkunstwerk“. Jurorin Berit Mohr hatte zuvor die sechs Nominierten vorgestellt und Chuns „bewegtes und bewegendes Raumkonzept“ hervorgehoben, das „gleichzeitig Kostüm und Instrument“ sei.

Chun, die in Seoul freie Kunst studiert hat, kam 2006 nach Offenbach und bereitet aktuell ihr Diplom im HfG-Studiengang „Bühnen- und Kostümbild“ vor. Ihre als Diplomnebenfacharbeit konzipierte Performance wird am 8. Dezember zum zehnten Jubiläum der Hessischen Theaterakademie in Frankfurt zu sehen sein.

Herzensangelegenheiten

Ob sie nach dem Studium als Bühnenbildnerin weiter arbeiten möchte, weiß die Studentin aber noch nicht sicher. „Ich interessiere mich auch für die freie Kunst“, sagt sie. „Für Performance und Rauminstallationen.“

Eine solche hat auch Juniorpreisträger Mattis Kuhn erarbeitet. In „Herz Woyzeck“ nach Alban Berg leitet er Zuschauer auf Holzplanken über kaffeefleckigen Boden. Er selbst gibt in der Rolle der Titelfigur einem Musikensemble mittels Herzfrequenzmessgerät den Takt vor. Laudator Peter Spuhler, Generalintendant des Badischen Staatstheaters Karlsruhe, pries diese „Herzensangelegenheit“ als „unglaublich intelligente Installation“ und „Ausweis von Authentizität“.

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