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09. Juli 2008

Online-Polizei: Fahnder im virtuellen Raum

 Von CHRISTOPH MANUS
Die Polizei bündelt ihre Aktivitäten gegen die Kriminalität im virtuellen Raum. Dazu hat das Polizeipräsidium Südosthessen ein eigenes Internet-Kommissariat eingerichtet.  Foto: Screenshot

Die Polizei bündelt ihre Aktivitäten gegen die Kriminalität im virtuellen Raum. Dazu hat das Polizeipräsidium Südosthessen ein eigenes Internet-Kommissariat eingerichtet.

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Die Polizei bündelt ihre Aktivitäten gegen die Kriminalität im virtuellen Raum. Dazu hat das Polizeipräsidium Südosthessen ein eigenes Internet-Kommissariat namens ZK 50 eingerichtet. Es folgt damit den anderen sechs hessischen Polizeipräsidien.

Straftaten, bei denen Bürger über das Netz zu Schaden kommen, etwa Betrugsfälle, seien bisher bei den zuständigen Fachkommissariaten oder den Ermittlungsgruppen der Polizeistationen bearbeitet worden. Dadurch habe man sehr viel Zeit verloren, sagte Polizeipräsident Heinrich Bernhardt.

Nun ermittelten bei schweren Delikten mit Internetbezug, etwa Betrug oder dem "Phishing" genannten Ausspähen von Kontodaten grundsätzlich die Mitarbeiter des neuen Fachkommissariats. Davon verspricht sich die Polizei größere Effizienz und höhere Strafverfolgungskompetenz. Die Internetspezialisten sollen ihr Know-how zudem an Kollegen und Bürger weitergeben. Wie nötig die schnellere Bearbeitung sei, zeige der Anstieg der Internetkriminalität. Etwa ein Drittel der 3618 im Bereich des Präsidiums Südosthessen begangenen Straftaten sei via Internet gewesen, so Bernhardt.

IT-Fachmann gesucht

Die bislang sieben Ermittler des Internet-Kommissariats haben Anfang April Räume im fünften Stock des Sprendlinger Polizeigebäudes an der Otto-Hahn-Straße bezogen, deren Einrichtung und Ausstattung mit Hochleistungsrechnern 300 000 Euro kostete. Das Kommissariat setzt sich aus zwei Sachgebieten zusammen: Zwei Mitarbeiter sind mit der eigentlichen Internetermittlung betraut. Sie verfolgen virtuelle Straftaten, außer dem Ausspähen von Daten und Fällen von Internetbetrug etwa das Programmieren schädlicher Software und die Verbreitung von Spam-Mails sowie gewerblich betriebene Raubkopien. Die Verfolgung von Nutzern, die in Tauschbörsen Musik oder Filme hochladen wie von Kinderpornografie zähle dagegen nicht zu ihren Aufgaben, sagte Kommissariats- Leiter Rainer Lechtenböhmer. Das Team soll noch um drei weitere Mitarbeiter wachsen. Dafür sucht das Polizeipräsidium noch einen externen IT-Fachmann.

Dreieicher betrog 4500 Leute

Einen ersten großen Erfolg haben die Mitarbeiter der neuen Einheit noch vor dem offiziellen Start verbucht. Ein Dreieicher Onlinehändler hatte über Ebay 4500 Kunden Elektronikartikel von USB-Chips bis zum Flachbildschirm per Vorkasse verkauft, aber sie nicht beliefert. Dabei entstand ein Schaden von einer Million Euro. Die im Dezember 2007 begonnenen Ermittlungen der Dreieicher Internet-Spezialisten führten am 18. Januar zur Festnahme des Beschuldigten, dessen Prozess im Spätsommer beginnen soll. "Ohne die neue Struktur hätte es länger gedauert", sagte Lechtenböhmer.

Vier Mitarbeiter des Kommissariats betreiben Beweissicherung per Computer, werten Festplatten und andere Datenträger aus. 2007 habe man eine Datenmenge von 40 Terabyte (40 Billionen Byte) untersucht. Manchmal müsse er gelöschte Daten, etwa Chatprotokolle und E-Mails, zudem erst wieder herstellen, sagte Norbert Fuß vom Kommissariat. Solche Daten können der Polizei bei der Verfolgung von Stalkern, aber auch bei der Klärung von Schwerverbrechen helfen.

Wer schädliche Programme auf seinem Rechner entdeckt, kann sich an das neue Kommissariat wenden. Es hat die Rufnummer 0 61 03 / 5 06 66 00.

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