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Polizeipräsidium Südosthessen: Junge Intensivtäter im Fokus

Polizeipräsident Bernhardt fordert mehr Zusammenarbeit zwischen den Behörden. Auch in Südosthessen registriert er "in jüngster Zeit mehr Gewalttaten junger Menschen, als tolerierbar sind".

Jugendliche werden gewalttätiger. Dies beobachtet Polizeipräsident Heinrich Bernhardt in den vergangenen Monaten und Jahren für das Polizeipräsidium Südosthessen mit Stadt und Kreis Offenbach, Hanau und dem Main-Kinzig-Kreis. Wir sind da keine Enklave, sagt er. (gestelltes Foto)
Jugendliche werden gewalttätiger. Dies beobachtet Polizeipräsident Heinrich Bernhardt in den vergangenen Monaten und Jahren für das Polizeipräsidium Südosthessen mit Stadt und Kreis Offenbach, Hanau und dem Main-Kinzig-Kreis. "Wir sind da keine Enklave", sagt er. (gestelltes Foto)
Foto: ddp

Jugendliche werden gewalttätiger. Dies beobachtet Polizeipräsident Heinrich Bernhardt in den vergangenen Monaten und Jahren für das Polizeipräsidium Südosthessen mit Stadt und Kreis Offenbach, Hanau und dem Main-Kinzig-Kreis. "Wir sind da keine Enklave", sagt er vor dem Hintergrund von spektakulären Gewalttaten in U- und S-Bahnen in Frankfurt und München.

Auch in Südosthessen registriere er "in der jüngsten Zeit mehr Gewalttaten junger Menschen, als tolerierbar sind". Allein zwischen dem 12. September und dem 21. Oktober hätten die Beamten in diesem Gebiet 21 "herausragende Fälle von Gewalt" durch Minderjährige gezählt.

Statistik

Oft aufgefallen: Laut Polizeipräsidium Südosthessen wurden in den vergangenen zwei Jahren 4 Kinder, 55 Jugendliche und 68 Heranwachsende wegen zusammen 3022 Straftaten angezeigt, das sind durchschnittlich 24 Taten pro Person.

Rund 11 Prozent sind Rohheitsdelikte, 41 Prozent Eigentumsdelikte. 20 Minderjährige werden als Mehrfach- und Intensivtäter geführt, sie werden für zusammen 1230 Straftaten verantwortlich gemacht. Neun Minderjährige sind inhaftiert, denen zusammen 383 Straftaten vorgeworfen werden.

Fallkonferenzen: In fünf Jahren in Hanau und Main-Kinzig zwölf mit 45 Fällen, in Offenbach acht mit 32 Fällen. (ran)

Besonders beunruhigt ist Bernhard dabei über die jungen Leute, die immer wieder schlagen, stehlen und beschädigen. In der Polizeistatistik tauchen 127 Personen auf, die in den vergangenen Jahren mindestens zehnmal wegen Straftaten angezeigt wurden, durchschnittlich rund 24 Taten pro Person.

20 Minderjährige werden als Intensivtäter geführt

Hinzu kommen laut Bernhardt 20 Minderjährige, die als "Mehrfach- und Intensivtäter" geführt werden. Es sei klar, sagt der Polizeipräsident, dass es sich dabei um die angezeigten, nicht um die verurteilten Taten handele. Doch er denke, dass die Polizeistatistik hier "näher an der Wahrheit" liege als die Zahlen der tatsächlich Verurteilen.

Gerade bei diesen jungen Menschen müsse "alles unternommen werden, ihre kriminelle Entwicklung abzubrechen und sie in ein sozial-konformes Leben zurückzuführen". Bei der Prävention gibt es nach Bernhardts Ansicht gute Projekte von Kommunen, Polizei und Schulämtern.

Dazu zählen "Prävention im Team" in vielen Schulen, Bus- und Bahnbegleiter in Stadt und Kreis Offenbach, Bekämpfung von Schulschwänzen in Offenbach und den Kreisen Offenbach und Main-Kinzig und die Streetworker der "Mobilen Jugendhilfe Neu-Isenburg". Auch die Polizei engagiert sich in der Prävention und macht nach Ansicht von Bernhardt manchmal die Arbeit von Jugendämtern, wenn sie zum Beispiel gezielt auffällige Jugendliche anspricht.

Polizeipräsident: Behörden müssen sich besser vernetzen

Doch inmitten all dieser Initiativen wünscht sich Bernhardt mehr Zusammenarbeit zwischen den Behörden. Es sei notwendig, sagt er, "die Vernetzung aller Behörden und Stellen zu intensivieren und wirkungsvoll auszugestalten".

Besonders in Bezug auf die Wiederholungstäter gebe es hier "erhebliche Defizite", kritisiert der Polizeipräsident. So müsse von der Strafjustiz gefordert werden, dass sie "uneinsichtige Wiederholungstäter" auch mit Freiheitsstrafen belege.

Ein Lob für Hanau

Besonderen Wert legt Bernhardt auf regelmäßige Fallkonferenzen, zu denen die Staatsanwaltschaft Polizei und Jugendamt einlädt, um über bestimmte jugendliche Straf- und Gewalttäter zu sprechen. Solche Konferenzen gibt es in Offenbach, dem Main-Kinzig-Kreis und Hanau. Wobei Bernhardt die Zusammenarbeit mit der Stadt Hanau lobt: diese "sei nicht mehr zu verbessern".

In Offenbach hingegen legt Jugendamtsleiter Hermann Dorenburg großen Wert auf die Eigenständigkeit der Jugendhilfe. Zudem fordert er, dass Betroffene und ihre Eltern zu den Konferenzen eingeladen werden sollen.

Das wiederum lehnt Oberstaatsanwältin Annette von Schmiedeberg ab. Die Staatsanwaltschaft ermittele bei Straftaten und werde "nicht präventiv tätig", sagt die Leiterin der Offenbacher Staatsanwaltschaft. Deswegen könne sie sich an einer "nachgeordneten operativen Arbeitsgruppe", wie Bernhardt sie sich wünscht, gar nicht beteiligen.

Autor:  Wiebke Rannenberg
Datum:  30 | 10 | 2009
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