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24. Januar 2014

Redtube Porno Internet: Porno-Abmahner aus Offenbach

 Von 
Viele Porno-Nutzer erhielten Abmahnungen – auf Betreiben eines Offenbachers.  Foto: dpa

Redtube-User, die Porno-Filme anschauen, haben in den vergangenen Wochen Abmahnungen erhalten. Einer der Drahtzieher hinter diesen Zahlungsaufforderungen kommt aus Offenbach. Wie viele der in seinem Auftrag abgemahnten Internet-User bereits gezahlt haben, verrät er nicht.

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Offenbach. –  

Seit zwei Monaten hält der Abmahn-Skandal um die Webseite Redtube, auf der man kostenlos Porno-Filme schauen kann, mehrere Zehntausend Deutsche in Atem, die Abmahnungen erhalten haben. Darin werden sie aufgefordert, eine Unterlassungserklärung zu unterschreiben und 250 Euro zu bezahlen. Denn sie hätten urheberrechtlich geschütztes Material heruntergeladen.

Die Abmahnungen kommen von einer Anwaltskanzlei im Auftrag der Schweizer Firma The Archive AG. Dahinter steckt Ralf Reichert, Geschäftsführer des Musikvertriebs Intergroove mit Sitz im noblen alten Schlachthof in Offenbach. Er ist laut Handelsregister Mitglied im Verwaltungsrat „mit Einzelunterschrift“. Das bedeutet, er kann alleine über Angelegenheiten der Firma entscheiden. Auf die Frage der FR, wer die weiteren Mitglieder des Verwaltungsrats seien, antwortete Reichert per Mail: „Die Firma ist schon vor einigen Jahren von mehreren Personen gegründet worden. Die Firmengründung hatte damals nichts mit diesem jetzt betreffenden geschäftlichen Vorgang zu tun.“

Anonymität kein Beweggrund

Der Verwaltungsrat ist das höchste Organ einer Schweizer AG, vergleichbar dem deutschen Aufsichtsrat, aber stärker. Denn der Verwaltungsrat hat auch operative Aufgaben. Nach unbestätigten Angaben im Internet soll Reichert auch alleiniger Inhaber von The Archive sein. Auf Nachfrage dazu schreibt er: „Die Aktieninhaber dieser Firma waren schon immer anonym, obwohl es damals gar keinen Zusammenhang mit Redtube gab.“ Anonymität sei aber „nie ein Beweggrund“ gewesen, so Reichert weiter.

Reichert wird auch als Inhaber der Domain the-archive.ch geführt, unter der die Abmahnfirma operierte – Webseite und Firmenzentrale sind nicht erreichbar. The Archive sei untergetaucht, ist deshalb in den Medien zu lesen. Das dementiert Reichert: „Hier ist niemand auf der Flucht“, schreibt er. Alle Aktivitäten der Firma „basieren auf der Rechtsgrundlage“, so Reichert weiter, das könne man „von dem Verhalten vieler Aktivisten nicht behaupten“. Die Website sei nicht im Netz, „weil sie gehackt wurde. Das werden wir demnächst beheben“, so Reichert. Wer „wir“ ist, sagt er nicht.

Tatsächlich hätte The Archive Grund zur Flucht, denn die Porno-Abmahner sind unter Druck. Sie sollen die IP-Adressen mit fragwürdigen, möglicherweise rechtswidrigen Verfahren ermittelt haben, heißt es, und zudem die Gerichte, bei denen sie die Herausgabe der Post-Anschriften zu den IP-Adressen einklagten, getäuscht haben. Mittlerweile ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts, jemand habe gegenüber dem Landgericht Köln falsche eidesstattliche Versicherungen abgegeben, um an Nutzerdaten heranzukommen.

Reichert schreibt derweil von „Legenden“ und Verschwörungsvermutungen, die im Internet über sein Vorgehen zu lesen seien. Wie viele der in seinem Auftrag abgemahnten Internet-User bereits gezahlt haben, das beantwortet er nicht. Die Abmahnverfahren würden von den Rechtsanwälten fortgesetzt.

Reichert, der 2006 bei Intergroove eine Vergütung von 288 745 Euro erhielt, könnte mit Abmahnungen deutlich mehr einnehmen. Wenn nur ein Viertel der Abgemahnten die 250 Euro überweist und The Archive davon rund ein Drittel erhält, dann würden zwischen 770 000 und 1,29 Millionen Euro hängen bleiben. Deutlich mehr als der Offenbacher Musikvertrieb verdient: Im jüngsten Geschäftsbericht (1. Mai 2012 bis 30. April 2013) weist der einen von rund 99 000 auf 3189 Euro gesunkenen Jahresüberschuss aus. 2006 waren es noch fast 200 000 Euro. Reichert schreibt, „dass Intergroove rein gar nichts mit dem von Ihnen angesprochenen Thema zu tun hat“.

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