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Brisante Studie: Religion behindert Integration

Der Kriminologe Christian Pfeiffer hat 45.000 Jugendliche nach der Rolle von Religion für ihr Leben gefragt. Offenbar bewirkt allein die Zugehörigkeit zu einer Glaubensgemeinschaft, dass die Betroffenen viel stärker in den Netzwerken der eigenen Ethnie verkehren.

Der Kriminologe Christian Pfeiffer ist Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen.
Der Kriminologe Christian Pfeiffer ist Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen.
Foto: REUTERS
Offenbach –  

Junge männliche Muslime mit starker Bindung an ihren Glauben sind schlechter integriert und begehen mehr Straftaten als andere Migranten, hat Christian Pfeiffer vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen herausgefunden.

Am Montagabend stellte Pfeiffer die Ergebnisse seiner Studie „Jugendliche, Religiosität und Gewaltbereitschaft“ bei einer Podiumsdiskussion vor, was in der vollbesetzten Stadtbibliothek für explosive Stimmung sorgte. Mit auf dem Podium: Michael Koch (Jugendamt Offenbach), Ünal Kaymakci (Islamische Religionsgemeinschaft Hessen e.V.), Nurettin Arul und Ismail Köse (beide Mevlana-Moschee Offenbach). Es moderierte Katja Irle (Frankfurter Rundschau).

Die Studie

„Jugendliche, Religion und Gewalt“ heißt die Studie, die Christian Pfeiffer erstellt hat. Rund 45.000 Jugendliche zwischen 14 und 16 Jahren äußerten sich zu ihrer Religion, zu Freundschaften und Erziehung.


Die Ergebnisse: Migranten ohne Konfessionszugehörigkeit sind am besten integriert. Allein die Zugehörigkeit zu einer Glaubensgemeinschaft reicht offenbar, dass Jugendlichen stärker in soziale Netzwerke der eigenen Ethnie eingebunden sind. Grundsätzlich begehen Jugendliche, die in ihrem Glauben verankert sind, weniger Straftaten. Bei jungen männlichen Muslimen führt die Bindung an die Religion allerdings zu mehr Gewalt.


Ergebnisse nachlesen: www.kfn.de

Christian Pfeiffer hat in den Jahren 2007 und 2008 rund 45.000 Jugendliche danach gefragt, wie oft sie Gotteshäuser besuchen, wie oft sie beten und welche Rolle Religion bei ihnen in Alltag und Erziehung spielt. Die Ergebnisse: Junge Migranten ohne Konfessionszugehörigkeit sind in jeder Hinsicht am besten integriert, zum Beispiel schaffen 41 Prozent von ihnen das Abitur, zu 63 Prozent haben sie deutsche Freunde, 66 Prozent fühlen sich als Deutsche. Offenbar bewirkt bereits die schlichte Zugehörigkeit zu einer Glaubensgemeinschaft, dass die Betroffenen viel stärker in den Netzwerken der eigenen Ethnie verkehren und sich insgesamt weniger für die deutsche Umgebung öffnen. Das gilt allerdings nicht unbedingt für Migranten mit christlichem Hintergrund, da sie in den Kirchen meist auf Deutsche treffen.

Der Kriminologe tadelt die konservative „Pascha Kültür“

Außerdem hat Christian Pfeiffer herausgefunden: Je stärker Jugendliche in ihrem Glauben verankert sind, umso seltener begehen sie Ladendiebstähle oder haben Alkoholprobleme. Bei jungen männlichen Muslimen führte die zunehmende Bindung an die Religion allerdings zu mehr Gewalt. Während bei christlichen Jugendlichen Machokultur, die Zahl gewalttätiger Freunde und die Nutzung gewalthaltiger Medien mit steigender Religiosität abnahm, zeigte sich bei männlichen Muslimen genau das Gegenteil. Pfeiffer sieht eine Ursache bei den Imamen, die sich zum Großteil nur kurz in Deutschland aufhielten und eine konservative „Pascha Kültür“ predigten.

Von den Moscheevertretern erntete Pfeiffer daraufhin herbe Kritik. „Der Islam lehrt Gewaltlosigkeit, aber Muslime werden in Deutschland nicht immer akzeptiert. Natürlich zieht man sich dann in die eigene Gruppe zurück“, sagt Ünal Kaymakci.

Man müsse differenzieren, findet auch eine Katholikin aus dem Plenum „Es geht um ein religiöses Umfeld, nicht um die Religion an sich. Außerdem sind Selbstaussagen nicht unbedingt dazu geeignet, etwas über reale Zustände zu erfahren“, meint sie. „Der Begriff Religion ist zu pauschal. Wir müssen mehr auf das soziale Umfeld schauen“, sagt auch Jugendamtsleiter Koch.

Auf einen Punkt konnte sich die Diskussionsrunde aber doch verständigen: Gewaltprävention muss über Bildung erfolgen. Denn wer auf das Gymnasium geht, habe Schlägereien und Machogehabe nicht mehr nötig, sagte Pfeiffer.
Das meint auch Josef Rösch vom Polizeipräsidium Südosthessen, das für Offenbach zuständig ist: „Religion und ethnischer Hintergrund spielen für uns in aller Regel keine Rolle. Wir nehmen den Täter in den Blick und versuchen mit ihm individuell die Gewaltspirale zu durchbrechen.“

Autor:  Gabriele Meister
Datum:  5 | 10 | 2010
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