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Interview mit VCD-Chefin: "Runter mit den Ticketpreisen"

Brigitte Schaack vom Verkehrsclub Deutschland spricht im Interview mit der Frankfurter Rundschau über die Ziele ihres Verbandes in der Rhein-Main-Region.

        

Will sich nicht auf Offenbach beschränken: Brigitte Schaack
Will sich nicht auf Offenbach beschränken: Brigitte Schaack
Foto: Schick

Frau Schaack, was macht der Verkehrsclub Deutschland überhaupt?

Unser Verein setzt sich für zukunftsfähige Verkehrspolitik ein. Wir machen uns stark für eine umwelt- und sozialverträgliche, sichere und gesunde Mobilität. Zukunftsfähiger Verkehr heißt für uns eine intelligente Kombination aller Arten von Mobilität.

Zur Person

Brigitte Schaack ist formal noch die stellvertretende Vorsitzende des Offenbacher Kreisverbands des Verkehrsclubs Deutschland (VCD). Dessen Mitglieder haben nun die Auflösung der lokalen Gruppe beschlossen. Der Kreisverband wird derzeit abgewickelt.
In Zukunft wollen sich die Offenbacher Verkehrsaktivisten in der VCD-Arbeitsgruppe Rhein-Main engagieren. Dort müssen sie sich nicht um Vereinsregularien kümmern und haben mehr Zeit für ihre eigentlichen Aufgaben. Innerhalb der Rhein-Main-Gruppe werden sie sich weiter um die Belange von Stadt und Kreis Offenbach kümmern. drü

Woran hat ihr Kreisverband in den vergangenen Jahren in Stadt und Kreis Offenbach gearbeitet?

Unter anderem sind wir in der Verkehrskommission der Stadt tätig und arbeiten dort mit an den Verkehrskonzepten für Offenbach. Beim Hafenprojekt haben wir uns etwa für die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr eingesetzt. Im vergangenen Jahr stellten wir zudem einen Preisvergleich im Verkehrsverbund Rhein-Main an und präsentierten die Ergebnisse der Öffentlichkeit. Darüber hinaus kümmern wir uns um das Thema Fluglärm.

Nennen Sie ein weiteres konkretes Projekt, das der VCD in der Stadt durchgeführt hat?

Wir hatten vor zwei Jahren ein größeres Projekt mit der Ernst-Reuter-Schule, bei dem die Kinder vier Wochen lang zu Fuß zum Unterricht kommen sollten. Auf dieses Weise wollten wir an Schulen ein intelligenteres Mobilitätsbewusstsein fördern, das auf Elterntaxis verzichtet, die die Schüler jeden Tag direkt bis vor die Schule fahren. Ein Jahr später wollten wir dieses Modell auf mehrere Schulen ausweiten. Diese waren aber nur bereit, für wenige Tage mitzumachen. Aber in so einem kurzen Zeitraum entwickelt sich kein nachhaltiges Umdenken.

Haben Sie das Gefühl, dass Ihnen wirklich zugehört wird?

Es ist manchmal schwierig unsere Themen zu platzieren. Denn Verkehrsfragen werden überwiegend aus der Auto-Perspektive betrachtet. Aber wir können in Offenbach nicht sämtliche Straßen achtspurig ausbauen, damit Autos fahren können. Zudem gibt es immer mehr Menschen, die sich keinen Wagen leisten können. Daher wird es zunehmend wichtiger, sowohl den öffentlichen Nahverkehr wie auch Fahrradwege attraktiv auszubauen. Wir müssen uns insgesamt fragen, wie wir in Zukunft leben und unsere Innenstädte gestalten wollen. Die Frage der Mobilität gehört dazu.

Wie schätzen Sie den Erfolg ihrer Arbeit ein?

Eines unserer Projekte ist die Preisgestaltung im Verkehrsverbund Rhein-Main. Das RMV-Preisniveau ist um bis zu 30 Prozent höher als in vergleichbaren Verkehrsverbünden wie Hamburg oder München. Seit einem Jahr sind wir am Thema dran – und wir haben erreicht, dass Lokalpolitiker in Offenbach und auch Frankfurt versuchen, die Preissteigerungen zu minimieren. 2010 gab es immerhin nur eine Anhebung von 1,7 Prozent. Die aktuelle Erhöhung lag aber wieder bei durchschnittlich 2,7 Prozent. Zwar werden die Preise für Fahrgäste wohl weiter steigen, aber wir haben geschafft, dass Politiker in der Region über das Thema nachdenken. Viele haben erkannt, es kann mit den RMV-Preisen so nicht weitergehen.

Ende Mai wurde die Auflösung des VCD-Kreisverbands Offenbach beschlossen. Stattdessen wollen sich die Mitglieder nun in der VCD-Arbeitsgruppe Rhein-Main engagieren. Erklären Sie das bitte.

Die vereinsrechtlichen Regularien, die in einem eigenen Kreisverband zu erledigen sind, haben die Arbeitskapazität unserer aktiven Mitglieder eingeschränkt. In der Rhein-Main-Arbeitsgruppe, die dem VCD-Landesverband Hessen angehört, gibt es diese Regularien nicht. So haben wir mehr Zeit für unsere inhaltliche Arbeit.

Werden sie weiterhin in Offenbach aktiv sein oder konzentrieren sie sich künftig nur auf die gesamte Region?

Natürlich werden wir weiter in der Stadt tätig sein und hoffen auch, unseren Sitz in der Verkehrskommission zu behalten. Die Rhein-Main-Gruppe bietet uns nun den Vorteil, bei bestimmten lokalen Themen auf die Kompetenzen anderer Mitglieder zurückgreifen. Allerdings möchten wir uns nicht nur auf Offenbach beschränken, sondern unsere Erfahrungen auch in geografisch übergreifende Themen in der Region einbringen. Verkehrspolitik macht vor Stadt- oder Kreisgrenzen nicht halt.

Wo sehen Sie verkehrstechnisch in Offenbach aktuell den dringendsten Handlungsbedarf?

Wichtig ist ein vernünftiger Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs. Dazu gehört auch, bei der Planung von Neubaugebietes auf die Nahverkehrsanbindung zu achten. Zudem brauchen wir eine Veränderung der Preisgestaltung. Es kann nicht sein, dass eine zehnminütige Fahrt mit Bus oder Bahn von Offenbach nach Frankfurt fast vier Euro kostet. Dieser Preis steht in keiner Relation zu einer Fahrt mit dem Auto.

Interview: Dirk Rüsing

Datum:  30 | 6 | 2011
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