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Stadtentwicklung: Auf dem Weg zum Künstlerviertel

Die Verwaltung bastelt weiter am Umbau der östlichen Innenstadt. Ateliers und Galerien sollen das Quartier attraktiv machen. Von Jörg Muthorst

Die Stadt Offenbach werkelt weiter am Image der östlichen Innenstadt als Künstlerviertel. Das Bild zeigt eine Visitenkartenparty für die Kreativwirtschaft im Gründerzentrum Ostpol ion der Herrmann-Steinhäuser-Straße.
Die Stadt Offenbach werkelt weiter am Image der östlichen Innenstadt als Künstlerviertel. Das Bild zeigt eine Visitenkartenparty für die Kreativwirtschaft im Gründerzentrum Ostpol ion der Herrmann-Steinhäuser-Straße.
Foto: Alex Kraus

"Das Viertel ist im Kommen", sagt Ralph Philipp Ziegler, Leiter des städtischen Forums Kultur und Sport. Er attestiert Offenbachs östlicher Innenstadt mit ihrer weitgehend geschlossenen Bausubstanz aus der Gründerzeit große Authentizität.

Im Fokus der Offenbacher Stadtentwicklung steht das Mathildenviertel schon lange. Die Kommune bemüht sich soeben, hier fast 180 Studenten anzusiedeln. In die Reihe städtischer Behörden und Gesellschaften, die mit unterschiedlichen Ansätzen versuchen, das aufgrund vieler Hilfebezieher und Migranten problematische Viertel zu stabilisieren und aufzuwerten, mischt sich jetzt auch die Kulturverwaltung.

Unter dem Arbeitstitel "Kreativwirtschaft und Stadtentwicklung" sollen in Zusammenarbeit mit den Ämtern für Wirtschafts- und Arbeitsförderung nicht nur die örtliche Sozialstruktur, sondern auch die freie Kunst in Offenbach neue Impulse erfahren.

Zieglers Team, dazu gehören seine neue Mitarbeiterin, die Kultur-, Kunst- und Geschichtswissenschaftlerin Britt Baumann (34), und als Projektleiter der freie Mitarbeiter, Kulturmanager und Jurist Oliver Wittmann (35), baut gerade eine Beratungs- und Vermittlungsstelle für bildende Künstler auf.

Beratung für kreative Gründer

Sie sollen in der östlichen Innenstadt eine Anlaufstation erhalten, die Kunstschaffenden, die sich selbstständig machen wollen, beratend zur Seite steht, und bei der Suche nach Ateliers behilflich ist. Nicht nur bei den Absolventen der nahen Hochschule für Gestaltung ist der Bedarf an Ausstellungsräumen groß. Das zeichnet sich bei der Bedarfsanalyse ab, die Baumann und Wittmann soeben erstellen. In vier Workschops haben sie sich intensiv mit Offenbacher Kunstschaffenden ausgetauscht. Über die Topografie der örtlichen Kunstszene ist die Kommune aufgrund der jetzt selbst ausgerichteten Ateliertage "Kunstansichten" gut im Bilde.

Bei der Atelier-Vermittlung sieht sich das Kulturmanagement in der Rolle des Moderators und Bindegliedes zwischen Künstlern und Kreativen, Quartiersbewohnern und Vermietern. Ziegler spricht von einer sanften Stadtteilentwicklung, in deren Zuge sich die Werkstatträume über das ganze Viertel verteilen sollen. Bei der Immobiliensuche sind die beteiligten Ämter bereits auf eine interessante Immobilie gestoßen, die sich für ein Atelier- oder Künstlerhaus anbietet. Hier könnte als Initialzündung ein Cluster für eine kleinteilige Atelierlandschaft in Offenbachs neuem Künstlerviertel entstehen.

In das Projekt fließen ein Jahr lang EU-Mittel in Höhe von 70000 Euro aus dem Europäischen Fonds für Regionalentwicklung. Möglichst sollen auch Landesgelder zur Belebung der Offenbacher Kunstszene eingesetzt werden: Mittel aus dem Hegiss-Programm "Soziale Stadt" sowie dem Stadtumbbau-Programm "Aktive Innenstadt".

Denn zu dessen mit Bürgerbeteiligung entwickeltem Handlungskonzept zählt auch eine städtische Galerie. Eine solche Kunsthalle findet sich noch immer auf der Agenda von Kulturdezernent Horst Schneider (SPD) und gehört neben Konzert- und Theaterreihe ebenfalls zu Zieglers Konzept "Kulturstadt Offenbach".

Die Galerie soll sowohl lokalen Künstlern Raum für Ausstellungen bieten, als auch der Kommune Gelegenheit geben, überregional bedeutsame Ausstellungen in Offenbach zu konzipieren. Im kleineren Maßstab, abhängig von Sicherheit, Beleuchtung oder Klimatisierung, sei dies schon jetzt möglich, sagt Ziegler, etwa im Bernardbau im Kulturkarree, aus dem nach der Bildstelle bald auch das Ausgleichsamt ausziehen wird und den Schneider langfristig gerne komplett mieten möchte. Ziegler vermag sich jährlich bis zu drei Ausstellungen ohne lokale Bindung vorzustellen.

Autor:  Voln Jörg Muthorst
Datum:  15 | 12 | 2009
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