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26. März 2010

Streit um Leichenschau: Doktor Tod in der Bredouille

 Von Georg Leppert
Der als "Doktor Tod" bekannte Plastinator Gunther von Hagens kämpfte in Frankfurt für seine Leichenschau.  Foto: dpa

Skandale begleiteten die "Körperwelten"-Ausstellung in Frankfurt. Der Streit über die Nackten war der letzte Akt in einem bizarren Schauspiel um die Leichenschau. Von Georg Leppert

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Irgendwann reichte es dem Frankfurter Ordnungsamt. Gegen die Eröffnung der "Körperwelten" in der Fechenheimer Naxos-Halle konnte die Behörde nichts unternehmen. Auch als der Macher der Ausstellung, Gunther von Hagens, schon nach wenigen Tagen mit schweren Vorwürfen konfrontiert wurde, sahen sich die Beamten nicht in der Lage, die Leichenschau zu verbieten. Doch als von Hagens dann ankündigte, er werde - zu rein wissenschaftlichen Zwecken, versteht sich - neben die präparierten Leichen lebende Nacktmodels stellen, war Schluss. Das Ordnungsamt untersagte die Aktion. Von Hagens verschickte eine wütende Pressemitteilung - und freute sich vermutlich über den Rummel, den er mal wieder verursacht hatte.

Der Streit über die Nackten war der letzte Akt in einem bizarren Schauspiel um die "Körperwelten" in Frankfurt. Es begann im Herbst 2003, als der Plastinator ankündigte, er werde im folgenden Jahr in Frankfurt ausstellen. Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Vor allem die Kirchen liefen Sturm, beklagten eine Verletzung der Menschenwürde. Auch Kommunalpolitiker forderten das Verbot der Schau, und kurz bevor von Hagens in der Fabrikhalle am Stadtrand die ersten Toten aufstellte, schalteten sich die Juristen in die Diskussion ein: Die "Körperwelten" seien nicht vereinbar mit dem Friedhofsgesetz, wonach Leichen bestattet werden müssen.

Doch alle Proteste halfen nichts: Im Januar öffnete die Schau, die sich bis April knapp 350000 Menschen ansahen. Mehr als an jedem anderen Ausstellungsort zuvor.

Vermutllich waren es auch die Skandale um Gunther von Hagens, die zu der hohen Besucherzahl führten. Mitte Januar berichtete der Spiegel, der Plastinator arbeite mit den Leichen chinesischer Hinrichtungsopfer. Ein Vorwurf, der von Hagens mächtig in die Bredouille brachte. Einige Tage nach Erscheinen des Spiegel-Artikels gab er eine Pressekonferenz, in der er einen konfusen Eindruck hinterließ. Von Hagens´ System, wonach eine schlechte Presse eine gute Presse ist, schien am Ende zu sein.

Kurze Zeit später gab "Doktor Tod", wie ihn die Medien mittlerweile nannten, bekannt, dass er Deutschland aus Protest verlassen werde. Tatsächlich sagte er die weiteren Termine für die "Körperwelten" ab, stellte fortan nur noch in den USA aus und kehrte erst im vergangenen Jahr in seine Heimat zurück.

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