Offenbach
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04. Dezember 2012

Weihnachtsmarkt Offenbach: Glühwein, Hugo und Punsch

 Von Madeleine Reckmann
Verena und Peter Stein bieten 80 verschiedene Getränke an, die meisten heiß.  Foto: Andreas Arnold

Heißes Gesöff bieten Verena und Peter Stein für die kalten Tage - 80 verschiedene Sorten. Sie haben seit 1968 einen Stand auf dem Offenbacher Weihnachtsmarkt.

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Einige Stammgäste haben ihre eigenen Tassen. Wenn ihre Besitzer nicht gerade Punsch oder Glühwein daraus trinken, stehen sie auf dem oberen linken Bord des Kneipenwagens des Offenbacher Stadttreffs. „Jochen“ steht auf einer Tasse, auf einer anderen ist ein Bild von Wien. Die Betreiber Verena und Peter Stein passen sorgfältig auf, dass sie nicht zerbrechen.

Einmal sei eine Tasse aus der lilafarbenen Kollektion einer Schokoladenmarke heruntergefallen, erzählt Peter Stein, 67. Der Hersteller hatte keine Tassen mehr vorrätig. „Ausverkauft“ hieß es da. Bei Ebay habe er recherchiert und das einzige Exemplar ergattert. Der Kunde habe nichts gemerkt. Auf diesem Weihnachtsmarkt sind sie wieder dabei, die Tassen und die Stammkunden.

Markt ist schöner geworden

Das Ehepaar Stein ist seit 1968 mit einem Stand auf dem Offenbacher Weihnachtsmarkt vertreten und nach eigenem Bekunden sind sie die Beschicker mit der längsten Weihnachtsmarkterfahrung in der Stadt. „Damals war der Markt noch auf dem Wilhelmsplatz“, erzählt Verena Stein, 63, „und wir verkauften Christbaumschmuck, in einer Holzbude.“ Nur sieben oder acht Stände und ein Kinderkarussell habe es gegeben. „Seitdem ist der Markt jedes Jahr schöner geworden, vor allem in den letzten Jahren“, sagt sie.

In den 1970er Jahren wechselte der Markt auf den Stadthof, der damals noch ganz anders aussah. „Der Boden war nicht befestigt, das war Bessunger Kies oder so was“, erinnert sich Peter Stein. Das Café und der Polizeiladen waren noch nicht da. Die Straßenbahn 16 fuhr auf der Frankfurter Straße. „Das war schön, aber auch gefährlich“, so Stein, denn die Besucher mussten aufpassen, nicht überfahren zu werden. Als ein Glühweinstand frei wurde, sind Steins eingesprungen. Anfangs verkauften sie Bratwurst und Glühwein, seit 1991 haben sie sich auf die Heißgetränke spezialisiert. Das war das Jahr, in dem Peter Stein, ein gebürtiger Offenbacher, den Kneipenwagen für die vier Wochen Weihnachtsmarkt eigenhändig baute. Stein kann das, er hat Schweißer und Schlosser gelernt. Im Sommer ist er mit einem Autoscooter auf Jahrmärkten in der Region unterwegs.

Schweizer Fahne auf dem Dach

Im Wagenhintergrund hängen die Flaschen, von Kognak und Rum bis zu Kirschlikör, kopfüber wie in einer Bar. Hugo, Aperol-Spritz, Caipirinha oder Mojito heiß oder kalt, aber meistens heiß, bieten die Steins an. Ihre Spezialität ist der Schweizer Punsch, das ist „Weißwein mit Geheimnissen“, die nicht verraten werden. Deshalb weht auch eine Schweizer Fahne auf dem Wagendach. Seit einigen Jahren gibt es auch „Autofahrerglühwein“. Der ist aber rot.

Am besten sei das Geschäft keineswegs bei eisiger Kälte, wie die Leute oft meinten, sagt Peter Stein. Die Gäste gönnten sich bei Temperaturen von zwei bis zehn Grad über dem Gefrierpunkt am ehesten einen Glühwein, oder auch zwei. Die Füße frieren ihnen nicht ein, sie bleiben länger. Überwiegend Stammkunden kommen an den Stand, erzählen die Steins, auch Frankfurter, denen der dortige Weihnachtsmarkt zu voll und hektisch sei. „Die sagen, wenn sie gemütlich einen Glühwein trinken wollen, kommen sie nach Offenbach“, sagt Verena Stein. Der Wagen hat einen kleinen geschlossenen Raum, den Gruppen bis zu zehn Personen reservieren können.

Felix Faltinsky lehnt gelassen am Tresen. Er ist einer der Stammkunden mit eigener Tasse. Sie ist ein besonderes Stück. Ist sie leer, ist sie dunkelblau. Ein heißes Getränk lässt sie die Farbe wechseln; ein Foto kommt zum Vorschein, das ihn mit seinem Enkelchen zeigt. Seinen Untersetzer aus Bast bringt der Mann aus Rumpenheim aber immer in der Tasche mit. Er sagt: „Dann bleibt der Glühwein länger warm.“

Der Offenbacher Stadttreff auf dem Weihnachtsmarkt hat täglich von 10 bis 21 Uhr geöffnet.

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