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Zug der Erinnerung im Hauptbahnhof: Offenbachs verschollene Kinder

Judis und Rudolf waren zwei Offenbacher Kinder, die 1942 wegen ihrer jüdischen Herkunft deportiert wurden. Der "Zug der Erinnerung" dokumentiert jetzt das Schicksal verschleppter Kinder und Jugendlicher.

Kurzfristig ist es der Stadt Offenbach gelungen, die Ausstellung Zug der Erinnerung in den Offenbacher Hauptbahnhof zu holen. Die Bahn verlangt für die Dokumentation ihrer unrühmlichen Vergangenheit allerdings Geld: 12.000 Euro kostet der dreitägige Halt des Zuges.
Kurzfristig ist es der Stadt Offenbach gelungen, die Ausstellung "Zug der Erinnerung" in den Offenbacher Hauptbahnhof zu holen. Die Bahn verlangt für die Dokumentation ihrer unrühmlichen Vergangenheit allerdings Geld: 12.000 Euro kostet der dreitägige Halt des Zuges.
Foto: dpa

Judis Baum war gerade eineinhalb Jahre alt, als sie mit ihrer Mutter 1942 nach Auschwitz deportiert wurde. Zusammen mit den Großeltern wurden beide im selben Jahr ermordet. Rudolf Andorn war 15 Jahre alt, als die Nazis ihn und seine Familie abholten.

Rudolf gilt seither als "verschollen in Polen". 15 Kindern und Jugendlichen im Alter bis 16 Jahren erging es am 27. und 30. September 1942 wie Judis und Rudolf: An diesen beiden Tagen wurden sie vom Offenbacher Ostbahnhof aus mit Zügen der Deutschen Reichsbahn in den Tod gefahren.

Die Ausstellung im Hauptbahnhof

Die Ausstellung ist vom 21. bis 23. Mai auf Gleis sechs jeweils von 8.30 bis 19 Uhr zu sehen.

Offizielle Eröffnung ist am 21. Mai um 9.30 Uhr. Die Offenbacher Geschichtswerkstatt begleitet sie jeweils von 14 bis 17 Uhr und veranstaltet am 22. Mai um 12.30 und 17 Uhr Führungen zu fünf Wohnstätten von NS-Opfern.

Info: 0179 / 204 54 20.

Insgesamt wurden 277 Juden deportiert. Seit November 2008 rollt ein "Zug der Erinnerung" durch Deutschland und ruft das Schicksal mehrerer hunderttausend Kinder und Jugendlicher in Erinnerung, die von NS-Behörden in Konzentrations- und Vernichtungslager verschleppt wurden.

Drei Tage lang hält die Ausstellung am Bahnhof

Drei Tage lang, von Donnerstag bis Samstag, hält der von einer Dampflok gezogene Zug im Offenbacher Hauptbahnhof. In seinen Waggons wird das Schicksal der verschollenen Kinder konkret. Gezeigt werden aber nicht Bilder des Grauens.

Der "Zug der Erinnerung", wie sich auch sein Initiator, der gemeinnützige Verein deutscher Bürgerinitiativen, nennt, zeigt in den Ausstellungswagen Fotos der Jugendlichen, lachende Kinder mit ihren Eltern oder Schulfreunden. Und er zeigt Dokumente ihres letzten Weges. Die örtliche Geschichtswerkstatt stellt auf weiteren Ausstellungstafeln den Bezug zu Offenbach her, zeigt Biografien junger Opfer oder schildert die Zustände in den "Ghettohäusern", in die Offenbacher Juden vor ihrer Deportation eingepfercht wurden.

Bahn verlangt 12.000 Euro für den Halt

Die Stadt Offenbach ist sehr kurzfristig auf diesen Zug aufgesprungen, nachdem logistische Gründe einen Stopp im vergangenen Jahr verhinderten. Sie druckte Plakate und schrieb die Schulen an. Die sind am Himmelfahrtswochenende aber geschlossen.

Im Gegensatz zu anderen europäischen Verkehrsbetrieben sei die Deutsche Bahn für das Gedenken in ihren Bahnhöfen wenig aufgeschlossen und verlange dafür Geld, bedauert der Verein. Zur Bereitstellung der Gleise sei sie aber gesetzlich verpflichtet. 12.000 Euro kostet der Halt in Offenbach insgesamt. Die Hälfte davon trägt die Stadt zusammen mit Sponsoren.

Den Rest erhofft der Verein über Spenden zu finanzieren. Mit der Ausstellung will er auch die örtliche Spurensuche der Geschichtswerkstatt unterstützen. Das Schicksal von elf jungen Menschen zwischen 16 und 20 Jahren ist noch unbekannt.

Autor:  Jörg Muthorst
Datum:  20 | 5 | 2009
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