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Olympia 2012
Die Olympischen Sommerspiele vom 27. Juli bis 12. August in London - Hintergründe, Bilder, Emotionen.

30. Juli 2012

Olympia 2012 Schwimmen: Schulterzucken nach dem Fehlstart

 Von Jens Weinreich
Über 200m im Finale: Paul Biedermann Foto: Getty Images

Weil Paul Biedermann und die Frauenstaffel ihre Finals verpassen, stellen sich Grundsatzfragen beim Deutschen Schwimmverband.

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Was war das für ein Auftakt der deutschen Schwimmer bei diesen Olympiawettbewerben? Waren sie nicht bestens gelaunt und voller Optimismus nach London geflogen? Hatte es nicht viele, von Medaillenhoffnungen durchtränkte Geschichten gegeben über Paul und Britta, über Britta und Paul und die junge Garde? Hatten sie sich nicht bei der Europameisterschaft in Budapest Mut geholt? Hatten Trainer und Verband vielleicht sogar aus den Fehlern der Olympischen Spiele 2000, 2004 und 2008 gelernt? Und dann dies: Paul Biedermann, der Weltrekordler, schied im Vorlauf über 400 Meter Freistil aus. Britta Steffen, die zweifache Olympiasiegerin von Peking, kam mit der kurzen Freistilstaffel ebenfalls nicht ins Finale. Andere machten es kaum besser.

Ein Schock, ein Ausrutscher nur, oder vielleicht doch System im Deutschen Schwimmverband (DSV)? Wer den Leistungssportdirektor Lutz Buschkow und die anderen Trainer auf der Tribüne erlebte, wie sie sich fragend anschauten und mit den Schultern zuckten, der ahnte, das da mal wieder etwas nicht stimmt mit dem Timing für diesen Höhepunkt, mit dem Konzept, mit der Stimmung und überhaupt. Auffallend viele Schwimmer gaben nach ihren ersten Enttäuschungen zu Protokoll, sie wüssten auch nicht, was da passiert sei, da müssten sie erst mal den Trainer fragen.

Wie bei einer EM

Biedermann war offenbar zu schnell angegangen. Die Freistilstaffel war darauf eingestellt, zurückhaltend ins Finale zu kraulen, als wäre es, ja, eine Europameisterschaft – und nicht Olympia. Wer am zweiten Tag morgens in der Mixed Zone der Brustschwimmerin Caroline Ruhnau zuhörte und den DSV-Generalsekretär Jürgen Fornoff neben ihr beobachtete, der wusste, dass da etwas ganz grundsätzlich nicht stimmen kann. So einen, sagen wir, amateurhaften Eindruck, macht kein Team, das in London zu den besten gehören will.

Caroline Ruhnau aus Münster blieb über 100 Meter Brust mehr als eine Sekunde über ihrer Bestleistung und schied im Vorlauf aus. „Ist halt nicht zu ändern“, sagte sie. Grundsätzlich sei es nach diesem schlechten Auftakt wohl kaum zu kitten im Team. „Denn Schwimmen ist eine Einzelsportart. Da muss jeder selbst sehen, wie er da durchkommt.“ Fornoff stand hektisch neben ihr und blätterte aufgeregt in Vorlauflisten und Notizen. Er wirkte überfordert mit seiner Arbeit.

Bei vergangenen Großereignissen haben diesen Job, die Sportler durch die Mixed Zone zu geleiten, vom DSV angeheuerte Medienmenschen übernommen, aber keine Generalsekretäre. Das mag daran liegen, dass der DSV nicht über genügend Akkreditierungen verfügt in London, um sich diesen Service zu leisten. Vielleicht aber auch nicht.

Der DSV ist nicht reif

Vielleicht symbolisieren dieses Detail und die schulterzuckenden Trainer auf der Tribüne nur, was in der Teamführung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) und in der Stiftung Deutsche Sporthilfe ohnehin jeder weiß: Der Schwimmverband zählt zu jenen Kandidaten, die einfach nicht reif sind für die Anforderungen des modernen Hochleistungssports.

Unter ständig wechselnden Cheftrainern und Teamführungen hat sich doch grundsätzlich nichts geändert: Bei Europameisterschaften, wenn die besten Athleten fehlen, trumpfen die Deutschen regelmäßig auf, bei Weltmeisterschaften manchmal – bei Olympischen Spielen aber klappt fast nichts. Die beiden Goldmedaillen von Britta Steffen in Peking – das erste Gold seit sechzehn Jahren – waren die Ausnahme, die die Bilanz schönten. Produkt eines kleinen Teams aus Berlin, aber nicht das Ergebnis professioneller, perspektivischer Arbeit des Verbandes.

Selbstverschuldete Misere?

Man muss die Begriffe, die in zahlreichen Medien nun benutzt werden, nicht gut heißen. Da ist von „Pleite“ die Rede, von „Blamage“, von „Baden gehen“, vom „absaufen“ und vom „Schock“ dieses Schwimm-Auftaktes bei den Sommerspielen. Ein Schock, tatsächlich? Oder nicht doch eine selbstverschuldete Misere? Was tatsächlich erschrecken muss und immer ein Indiz, wenn nicht sogar ein Beweis dafür ist, dass die Vorbereitung nahezu kollektiv falsch gelaufen ist: Kaum jemand kommt in die Nähe seiner Bestleistung. Die Brustschwimmerin Sarah Poewe, Europameisterin 2012, schaffte das immerhin bis auf eine Zehntelsekunde – schon stand sie im Halbfinale.

Bestleistungen, darum geht es. Wer seine Bestleistung bei den Olympischen Spielen schafft, der wird – in der Regel – auch zufrieden sein, wenn er dafür nicht unbedingt mit Finalplatzierungen und Medaillen belohnt werden sollte. Für Bestleistungen sind nicht nur die Athleten verantwortlich, sondern auch die Trainer und ein Verband, der als professionelle Serviceeinrichtung fungieren sollte. Bestleistungen von Beginn an heben die Stimmung – die der einzelnen Athleten und die der Mannschaft.

Wenn dann auch noch die traditionellen Stimmungsbringer im DSV-Olympiateam fehlen, nämlich die Wasserballer, dann trifft sich da plötzlich eine Trauergemeinde. Jeder ist sich selbst der Nächste.

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