Die Bilder gingen um die Welt, als der „Aal“ ganz und gar nicht in seinem Element war. Mit seinem höchst unorthodoxen Schwimmstil quälte sich Eric Moussambani im Aquatic Centre von Sydney über die 100 Meter Freistil. Er kraulte sich trotz einer gnadenlos schlechten Zeit in die Herzen der Fans.
Zwölf Jahre nachdem er fast ertrunken wäre, schaut der Mann aus Äquatorialguinea bei den Olympischen Spielen in London ganz genau hin - als Nationaltrainer seines Landes.
Der lässige Bart ist leicht ergraut, der Körper etwas fülliger - zwölf Jahre nach seinem großen Auftritt hat sich das Leben des Eric Moussambani gründlich verändert. Der Mann, der im Vorlauf von Sydney in 1:52,72 Minuten die schlechteste 100-m-Freistil-Zeit in der Olympia-Historie geschwommen war und dadurch Kultstatus erlangte, gilt in seinem Land inzwischen als ernstzunehmender Schwimm-Experte.
Die Olympischen Spiele machen Sportler zu Legenden. Unbekannte Athleten werden über Nacht zu Helden - oft wegen überragender Leistungen, manchmal aber auch weil sie menschliche Größe beweisen. Nur ein Beispiel von vielen ist Franziska van Almsick: Die 14-jährige Berlinerin gewinnt bei den Spielen von Barcelona 1992 überraschend vier Medaillen und wird von der frechen Großstadtgöre zum liebsten "Goldfisch" der Deutschen.
„Es ist nicht einfach als Nationaltrainer. Es gibt eine Menge zu tun“, sagt Moussambani: „Um richtig erfolgreich zu sein, brauchen wir aber eine bessere Ausstattung.“ Immerhin gibt es in seiner Heimat inzwischen eine vernünftige Schwimmhalle. Im Februar wurde das erste 50-Meter-Becken Äquatorialguineas eröffnet.
Vier Mal in der Woche lässt der berühmteste Olympionike in der Geschichte seines Landes trainieren. Genützt hat es bislang nichts. Keiner seiner Sportler hat es nach London zum oylmpischen Schwimmen geschafft. „Die Jungs sind zwar nicht so schnell wie ich in meiner Hochzeit, aber sie entwickeln sich“, sagt Moussambani.
Er selbst konnte sich nach seinem legendären Auftritt deutlich verbessern. Der 34-Jährige schwimmt die 100 Meter mittlerweile in weniger als einer Minute. Dennoch denkt Moussambani noch oft an die alten Zeiten zurück. An die Autofahrt, während der er den Aufruf des Radio-Moderators gehört hatte, sich für die olympische Schwimm-Mannschaft zu bewerben, und auf den er sich als einziger meldete. Oder an seine abenteuerliche Vorbereitung auf die Spiele von Sydney.
„Ich hatte damals keinen Trainer. Ich habe mich selbst trainiert, schwamm in Flüssen und Seen, weil es keine Halle gab“, sagt Moussambani. Das erste Schwimmbecken bekam er dann am 6. Mai 2000, nur wenige Wochen vor dem Auftakt der Spiele zu sehen. Es war der Pool eines Hotels. Der Rest ist Geschichte. (sid)
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