Der Frankfurter bringt die Sache gerne auf den Punkt. „Erst geht se rein, dann rübber und dann runner“. Mit „reingehen“ meint der Mann am Rande des Roten Teppichs den Kaisersaal. Mit „se“ Ihre Königliche Hoheit, Kronprinzessin Mette-Marit von Norwegen, Ehefrau des norwegischen Thronfolgers Haakon, die angekündigt hatte, sich ins Goldene Buch der Stadt Frankfurt einzutragen.
So lauerten die Fotografen am Mittwoch um 17.30 Uhr auf dem Römerberg, während der Rote Teppich vor dem Kaisersaal noch schnell gesaugt wurde, Oberbürgermeisterin Petra Roth im roten Blazer aufgeregt umherstöckelte und die Bewunderer eine Traube um den Eingang bildeten. Dann fuhr sie an, die Autokolonne. Und heraus stieg die Kronprinzessin, die einstige Studienabbrecherin und alleinerziehende Mutter, die jede Frau glauben macht, dass sie auch zur Prinzessin werden kann, wenn sie sich nur lange genug auf Musikfestivals in ihrer Heimatstadt herumtreibt.
Im Fokus stehen nicht die Exponate
Mette-Marit, in Lackschuhen, einem altrosa Kleid und blickdichten Strümpfen, bekam rosa farbene Rosen überreicht, lächelte, winkte, trug sich ins Goldene Buch ein, ging „rübber“ in die Schirn Kunsthalle, um feierlich die Munch-Ausstellung zu eröffnen, die vormals in Paris schon ihre Schwiegermutter Sonja eröffnete – und löste unter den etlichen Neugierigen und Journalisten fast eine Karambolage aus.
Denn im Fokus des Interesses standen bei ihrem Gang durch die Ausstellung „Edvard Munch. Der moderne Blick“ keineswegs die 130 Exponate des norwegischen Malers, Fotografen und Visionärs, sondern der beste Blick auf die 38-Jährige. Zeit also für Ihre Königliche Hoheit, zur Kassenhalle herab zu steigen, wo neben etlichen auf der Treppe Kauernden schon der Hirnforscher Wolf Singer und die Bankiers Friedrich von Metzler und Rolf Breuer auf ihre Worte warteten.
Erstmal übernahm aber Max Hollein, Direktor von Städel und Schirn, einführende Worte für die Kooperation des Städels mit dem Centre Pompidou in Paris und dem Munch-Museum in Oslo. Im Folgenden hielt er sich zwar an die königliche Etikette, wagte aber innerhalb des diplomatischen Protokolls in seinem charmanten österreichischen Akzent doch eine kleine Spitze, indem er auf den vergangenen Sonntag anspielte, an dem die Prinzessin in Kopenhagen mit 133 anderen Flugzeuginsassen über Notrutschen in Sicherheit gebracht werden musste und danach als bekennend Flugängstliche twitterte: „stillnotentirelyoverflightphobia“.
Ruf als Skandalmaler
Aber Mette-Marit lächelte nur und erinnerte daran, dass Deutschland für Munch wie eine zweite Heimat gewesen sei, wenngleich seine erste Berliner Ausstellung im Jahr 1892 ihm zunächst einen Ruf als Skandalmaler eingebracht habe und keiner seine Bilder habe kaufen wollen. Außerdem verriet die Prinzessin, dass sie selbst nicht malen könne, was ihr weniger überraschte Reaktionen denn Sympathiepunkte einbrachte.
Petra Roth betonte, sie werde alles in ihrer Macht Stehende versuchen, um mit der Schau so viele Zuschauer wie in Paris anzulocken, angesichts der Zahl 500.000 ein ehrgeiziges Ziel. Zuletzt richtete sich Hollein noch einmal mit einem „logistischen Detail“ an die Besucher: Sie seien willkommen, der Kronprinzessin bei ihrem erneuten Gang in die Ausstellung zu folgen, „wenn Sie sie bitte vorlassen würden“. Mette-Marit hatte es nämlich eilig, schließlich musste sie wegen des Nachtflugverbots schnell zum Flughafen.
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