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FR-Interview mit Robert de Niro: „Das Drehbuch ist die Basis“

Robert de Niro spricht im Interview mit der Frankfurter Rundschau darüber, wie er im Alter seine Leidenschaft fürs Skurrile auslebt und warum er mit der Zeit immer entspannter wird.

Hollywood-Star Robert de Niro.
Hollywood-Star Robert de Niro.
Foto: dpa

Mr. de Niro, jüngere Kollegen haben einen Heidenrespekt vor Ihnen. Ben Stiller, Owen Wilson und Jessica Alba sagten, sie seien bei der ersten Begegnung richtig eingeschüchtert gewesen. Sind Sie bewusst so unnahbar?

Ach was, das legt sich sehr schnell. Wenn die Arbeit beginnt, normalisiert sich das Verhältnis untereinander im Nu. Und so mag ich das auch – einfach weitermachen mit dem Job.

Dustin Hoffman, der in Ihrem neuen Film „Meine Frau, unsere Kinder und ich“ auch mitspielt, begegnen Sie ja eher auf Augenhöhe.

Ich kenne Dustin, seit ich „Der letzte Tycoon“ drehte und er „Der Marathon-Mann“, 1976. Wir waren gleichzeitig in den Paramount-Studios und hatten unsere Garderoben nebeneinander. Da lernten wir uns ein wenig kennen. Er ist ein sehr lustiger Typ.

Und noch einen weiteren Schauspieler der ersten Garde treffen Sie in Ihrem neuen Film wieder: Harvey Keitel.

Harvey und ich haben vor 26 oder 27 Jahren gemeinsam in „Der Liebe verfallen“ gespielt – und seitdem nichts mehr zusammen gedreht. Es war schön, wieder mit ihm zu arbeiten, toll, ihn bei uns zu haben.

Schauspieler erzählen immer wieder, es sei so schwer, Komödien zu machen. Wo ist eigentlich das Problem?

Na ja, vielleicht gibt es schwierige und weniger schwierige Sorten von Komödien – ich persönlich drehe gern Komödien, weil es weniger Tabus gibt. In einem ernsten Drama kannst du bestimmte Sachen nicht machen, während du in einer Komödie etwas ausprobieren und herumalbern kannst.

Zur Person

Robert de Niro, 67, US-amerikanischer Hollywoodstar, ist regelmäßig zu Gast, wenn die großen Filmpreise vergeben werden, seit er in den 70er Jahren mit Klassikern wie „Taxi Driver“ und „Der Pate“ berühmt wurde. Er erhielt zwei Oscars, einen Golden Globe und war viele weitere Male nominiert.

Der Schauspieler hat vier Söhne und eine Adoptivtochter. Er lebt in New York.

Sein neuer Film „Meine Frau, unsere Kinder und ich“ läuft am Donnerstag in den deutschen Kinos an. Es ist die Fortsetzung der Geschichte des jungen Gaylord Focker (Ben Stiller) und seiner Bemühungen um Pam (Teri Polo), die Tochter von Jack Byrnes (Robert de Niro). Im dritten Teil hat das junge Paar inzwischen Zwillinge bekommen, was die Familie in ganz neue Turbulenzen bringt – Spaß mit hochkarätiger Besetzung. (ill)

Ihre Filmpartner Ben Stiller und Owen Wilson haben gesagt, dass sie gern improvisieren, wenn die Stimmung danach ist.

Ja, und das haben wir auch gemacht, mit großem Vergnügen. Man muss sehr gut aufpassen, dass man dabei nicht zu weit geht. Aber das ist eben das Schöne an der Komödie: Du kannst etwas Lustiges versuchen, etwas Skurriles, etwas Exzentrisches.

Ist es auch das, was Sie reizte, als Sie etwa „Reine Nervensache“ mit Billy Crystal drehten? Der Film über einen Mafia-Boss in Psychotherapie war 1999 Ihr Start ins komische Genre.

Absolut. Billy Crystal hatte damals die Idee, dass wir eine Komödie zusammen machen könnten. Er sagte: „Ich weiß nicht, was du davon hältst.“ Und ich sagte: „Okay, zeig mal her, lass es uns laut zusammen lesen.“ Das mache ich gern, wenn ich nicht ganz sicher über eine Vorlage bin – wenn du es mit anderen Leuten laut vorliest, kriegst du eine Idee, ob es funktioniert.

Und es hat funktioniert?

Schon. Aber dann fragten wir uns: Wie machen wir da einen Film draus? Wir hatten eine weitere Lesung, wir fanden einen Regisseur, und schließlich gefiel mir die Idee gut, in dem Film einige der Typen zu parodieren, die ich in meiner Karriere gespielt hatte.

Im dritten Teil der Komödien-Reihe um die junge Familie Focker sind Sie wieder einmal der misstrauische Schwiegervater und Ex-Agent Jack Byrnes. Spielen Sie ihn eigentlich gern?

Aber ja. Es macht eine Menge Spaß – und du nimmst in einem Film immer die Haltung des Charakters ein, den du darstellst.

Suchen Sie danach auch Ihre Rollen aus? Oder wechseln die Kriterien?

Nicht wirklich. Es sind immer dieselben Kriterien – das Drehbuch und der Regisseur. Das sind die zwei Dinge, auf die ich achte. Wenn das Drehbuch richtig gelungen ist und der Regisseur es geschrieben hat, ist das ein gutes Zeichen; dann hast du eine große Chance, dass der Film so sein wird wie das Drehbuch. Die anderen Schauspieler sind natürlich auch wichtig, aber ich denke, das Buch ist die Basis.

Dann hat sich auch Ihre Herangehensweise an die Arbeit nicht verändert im Lauf der Jahre?

Doch. Irgendwann kommst du an einen Punkt, an dem du nicht mehr so besorgt sein musst. Du kannst dich besser entspannen und die Dinge geschehen lassen. Du bist spontaner – und besser.

Mr de Niro, Sie haben auch schon Regie geführt, etwa in „Der gute Hirte“ mit Angelina Jolie. Denken Sie daran, das wieder einmal zu tun?

Ich weiß nicht so recht. Es ist ein Haufen Arbeit, das Geld für einen Film zusammenzukriegen und dafür zu sorgen, dass alles läuft. Aber schon möglich.

Interview: Matthew Stewart

Datum:  21 | 12 | 2010
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