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FR-Interview: „Das ist plattes Chauvi-Gerede“

Bundespräsident Christian Wulff über ärgerliche Vergleiche zwischen Männer- und Frauenfußball, die Sprachlosigkeit nach dem Ausscheiden des deutschen Nationalteams und die Lehren aus der aktuellen WM für die deutsche Politik.


Foto: dpa

Herr Bundespräsident, im Finale der Frauenfußball-WM spielt Japan gegen die USA. Wer wird Weltmeister?

Die USA sind eine routinierte Turniermannschaft und die Spielerinnen haben eine großartige körperliche Konstitution. Aber seit vorigem Samstag wissen gerade wir Deutsche: Bei den Japanerinnen ist mit ihrer Spielfreude und ihrem Ehrgeiz alles möglich. Turbine Potsdam hat mit der japanischen Außenstürmerin Yuki Nagasato die deutsche Meisterschaft gewonnen. Ein Sieg Japans wäre nach der Naturkatastrophe und deren Folgen in diesem Jahr natürlich Balsam für die Seele dieser mit uns auch so eng befreundeten Nation.

Eingestellt hatten Sie sich aber doch bestimmt auf ein Finale Deutschland gegen X, oder?

Ich hatte es erträumt und gehofft. Aber ich hatte vor der WM auch gesagt, die Japanerinnen, die Brasilianerinnen, die Amerikanerinnen, auch die Skandinavierinnen sind extrem stark. Wir sollten deshalb auf dem Teppich bleiben.

Die Kassandra aus dem Schloss Bellevue.

Jedenfalls waren die Enttäuschung und die Sprachlosigkeit über das Ausscheiden jetzt anhaltender als bei den Männern 2006 und 2010. Vielleicht hatten wir eine Niederlage der Männer gegen andere Nationen eher für möglich gehalten als bei den vermeintlich auf Sieg abonnierten Frauen. Ich habe die Brasilianerinnen in ihrer Heimat Sao Paulo zu ihrer Vorbereitung gesprochen. Auch da war klar: Unsere Frauen werden es sehr schwer haben, die Weltmeisterschaft zu verteidigen, weil die Konkurrenz sehr professionell geworden ist.

Ich gebe zu: In der Vorbereitung sah für mich tatsächlich alles nach einem Durchmarsch aus: 4:0, 5:0, 6:0...

Die deutsche Mannschaft hat auf ihr schier unerschöpfliches Reservoir auf der Ersatzbank, ihr strategisches Geschick und ihre konditionelle Überlegenheit gesetzt. Aber die anderen Mannschaften haben in dem Moment, in dem es darauf ankam, ungeahnte Reserven freigesetzt, in der Vorbereitung vielleicht auch etwas geblufft.

Klingt, als hätten besser Sie auf der Trainerbank gesessen als Frau Neid.

Im Gegenteil. Warnungen im Vorfeld kamen von Silvia Neid. Aber das wurde als Zweckpessimismus ausgelegt. Ich kenne das aus Wahlkämpfen. Wenn Sie einen guten Lauf haben und einen Fehler machen, interessiert das keinen. Und wenn Sie auf der abschüssigen Bahn sind, fragt keiner nach dem Guten. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht immer nur mit dem Strom schwimmen. Das könnte auch eine Lehre aus dieser Weltmeisterschaft sein: genau hingucken und nicht nur das Bild verstärken, das alle im Kopf haben, Respekt für andere Teams.

Auch wenn Sie es eher geahnt haben als andere: Wie traurig waren Sie am vorigen Samstag.

Ich habe das Spiel im Fernsehen mit meiner Frau gesehen, und wir waren natürlich total enttäuscht und vor allem traurig.

Gab's Tränen?

Generell habe ich ein sehr emotionales Verhältnis zum Sport. Beim Olympia-Sieg des Gewichthebers Matthias Steiner zum Beispiel, der seinen Erfolg seiner verstorbenen Frau widmete, da hatte ich schon eine Träne im Auge.

Vom Jauchzen zum Wehklagen geht es in Deutschland sehr schnell. Sind wir ein Volk von Manisch-Depressiven?

Wir Deutsche bleiben guter Gastgeber. Die großen Gefühlsausschläge nach oben und unten kennen Sport und Politik in ähnlicher Weise. Ich bin 52 und verfolge Fußballweltmeisterschaften als Fan seit Mexiko 1970: Ich kenne das Auf und Ab. Sollten „wir“ die Männer-WM 2014 in Rio de Janeiro und 2015 die Frauen-WM in Kanada gewinnen, sähe die Welt in vier Jahren wieder vollkommen anders aus. Das ist doch der Reiz im Sport.

Das hilft aber nicht über das bittere Aus vom vorigen Samstag hinweg.

Bei dieser WM sitzt die Enttäuschung über das frühe Aus deshalb so tief und sind wir so sprachlos, weil kaum jemand darauf vorbereitet war. Trotzdem mache ich mir um die Begeisterung heute beim kleinen Finale in Sinsheim und morgen beim Endspiel in Frankfurt keine Sorgen. Da wird sich Deutschland wieder als vorbildliche Sport-Nation zeigen, die sich mit anderen freuen kann. Wenn die Nationen der Welt uns eines zubilligen, dann ist es diese Begeisterungsfähigkeit auch für andere Teams und Sportler aus aller Welt. Die Geschichte hat uns Deutsche ausgewogener gemacht, weniger nationalistisch, zum Glück sind wir - dokumentiert vor allem seit der WM 2006 - wieder patriotisch und stolz auf unsere staatlichen Symbole.

Von der Kanzlerin sind aufmunternde Telefonate mit Silvia Neid nach der Niederlage gegen Japan bekannt. Waren Sie auch als Tröster aktiv?

Ich habe Silvia Neid persönlich geschrieben...

... mit der Bitte weiterzumachen?

Ich habe keine Vertragsverhandlungen zu führen, aber ich habe ihr Mut gemacht. Deutschland kann zuversichtlich sein mit mehr als einer Million weiblichen DFB-Mitgliedern, die ein unglaubliches Nachwuchs-Reservoir darstellen. Die WM-Titel der Nachwuchsmannschaften bestätigen den Grund zum Optimismus.

Dieses „Nachwuchs-Reservoir“ soll zu einem großen Teil aus eingeschriebenen Gymnastik- oder Yoga-Interessierten und nicht aus Fußballspielerinnen bestehen.

Da sitzen Sie vielleicht einer dieser vielen Chauvi-Geschichten auf. Wir haben 8000 registrierte Mädchen- und 5500 Frauenmannschaften in Deutschland. Mein altes Gymnasium in Osnabrück zum Beispiel ist heute Sportförderschule, wo die besten Mädchen aus der Region zusammen gezogen werden, um Fußball zu spielen. Was ich da von zehn-, elfjährigen Mädchen gesehen habe – grandios!

Wie steht's mit Ihrer eigenen Fußball-Erfahrung?

Da hab ich's mehr mit der Hand als mit dem Fuß. Ich habe Squash gespielt, ein bisschen Tennis – und spiele heute noch regelmäßig Basketball als Ausgleich.

Sie sind also Passiv-Fußballer?

Aber dafür ein begeisterter! Mit 13 war ich bei jedem Spiel des VfL Osnabrück. Und bis heute bin ich auch großer Fan von Borussia Mönchengladbach und Hannover 96. Das Pokalendspiel gegen Köln 1973 ist das dramatischte Spiel, das ich je gesehen habe. Welcher Jahrgang sind Sie?

1965.

Okay, zu jung. Besorgen Sie sich mal die DVD! Ich habe sie im Schrank, und ich sage Ihnen: ein Wahnsinnsspiel! Wie sich Günter Netzer in der Verlängerung quasi selbst einwechselt, den Ball bekommt und ihn oben links reindrischt zum entscheidenden 2:1 – irre! Sie kennen das nicht, oder?

Nein.

Also, seit dieser Zeit bin ich Gladbach-Fan. Vor 20 Jahren bin ich dann bei Hannover 96 eingetreten, als die noch in der dritten Liga gespielt haben.

Und jetzt Hertha?

Das war beim Umzug ein kleiner Schlag: In eine Stadt zu kommen ohne erste Fußball-Bundesliga. Glücklicherweise wurde der Aufstieg geschafft.

Was sollen denn die Eintracht-Fans sagen? Die sind jetzt auch nur noch zweitklassig.

Ich wünsche der Eintracht den Wiederaufstieg. Eintracht Frankfurt – das ist einfach ein Name für die erste Bundesliga.

Sie sind kein Mann für die zweite Liga?

Wenn der VfL Osnabrück drin ist, auf jeden Fall auch.

Wo liegt der Anknüpfungspunkt für den Bundespräsidenten beim Sport?

Der Bundespräsident ist qua Amt jemand, der sich über die Leistungen anderer freut. Er ist von Staats wegen einer, der wertschätzt – ehrenamtlichen Einsatz ebenso wie besondere Leistungen. Das sehe ich für mich als ganz wichtige Aufgabe, und da ist für mich auch sehr häufig die Anknüpfung zum Sport. Nach dem Eröffnungsspiel haben meine Frau und ich uns bei hunderten Freiwilligen noch persönlich bedankt.

Wenn Sie als Aficionado die Frauen-WM mit der Männer-WM vergleichen...

Dieser ständige Vergleich zwischen Männer- und Frauenfußball, der meist darauf zielt, eines von beiden abzuwerten, stört mich. Meine Frau und ich haben vor der WM einen ganzen Abend mit den Nationalspielerinnen in ihrem Trainingslager zusammen gesessen. Wir waren sehr beeindruckt von ihren Biografien, ihrer Bescheidenheit, ihrer uneitlen, unaffektierten Art. „Zickereien“ habe ich unter Männern jedenfalls häufiger erlebt.

Damit ging es aber nach dem Ausscheiden der Frauen doch direkt los – mit der Kritik an der Trainerin durch den Vater von Birgit Prinz...

Aber der Vater von Birgit Prinz ist doch ein Mann.

Aber jetzt hat Birgit Prinz selbst nachgelegt…

Sie hat Gesprächsbedarf angemeldet. Das ist ihre Aufgabe als Kapitänin.

Okay, aber noch mal zu Ihrer These, Männer- und Frauenfußball seien nicht vergleichbar. In vielem hat es Angleichungen der Frauen an die Männer gegeben: bei der Ruppigkeit und der Härte des Spiels zum Beispiel

Schon 1989 habe ich das EM-Finale in Osnabrück gesehen mit einem 4:1 der Deutschen über die Norwegerinnen. Es stimmt: Damals war das Spiel viel flüssiger, es gab viel weniger taktische Fouls, weniger taktische Unterbrechungen. Auch weniger Härte. Vielleicht wirkt sich da jetzt die Kommerzialisierung aus. 1989 ging es darum, wer das beste Team in Europa ist. Da lebte keine Spielerin vom Fußball, da gab es kaum Werbeverträge. Das alles führt heute zu einem höheren Druck auf die Beteiligten. Da hat sich der Frauenfußball inzwischen verändert.

Nicht zuletzt deshalb sei der Männerfußball das falsche Vorbild, heißt es. Weil dann die Frauen am Ende doch nur einen müden Abklatsch zustande brächten. Aber die Regeln sind dieselben, das Spielfeld auch. Wie soll das, was auf dem Platz stattfindet, dann anders – „unvergleichbar“ – sein?

Keine Frage: Die körperliche Konstitution von Frauen und Männern ist einfach unterschiedlich. Da ist Fußball als körperbetonter Sport auf einem sehr großen Spielfeld anders als Reiten, Tennis oder Volleyball. Ich halte trotzdem nichts davon, zum Beispiel die Tore zu verkleinern oder die Spielzeit zu verkürzen. Lassen Sie einfach Ihre Bilder vom Männerfußball draußen und schauen Sie, was auf dem Platz passiert an klugen Spielzügen, eleganten Pässen, kunstvollen Torschüssen!

Schwierig beim Gedanken an eklatante Abspielfehler und krasse technische Unzulänglichkeiten, sagen viele Fans.

Ich kann niemandem seine Sicht der Dinge nehmen. Aber noch ein Argument von außen: Das Ambiente beim Frauenfußball ist lockerer, fröhlicher. Das Ganze ist nicht so bier-ernst, im wahrsten Sinne des Wortes.

Spielt Ihre Tochter?

Sie reitet. Ein Pferd verlangt die ganze Aufmerksamkeit. Sie ist Fan von Werder Bremen.

Mit dem „Sommermärchen 2011“ ist es ja nun seit dem vorigen Samstag Essig. Da wirken die Plakate und die Werbe-Trailer im Fernsehen mit feiernden Fans in Deutschland-Trikots noch mehr wie verordnete Begeisterung.

Die Euphorie ist nach dem Viertelfinal-Aus der Deutschen auf die Probe gestellt. Aber das deutsche Team hat so viele Emotionen geweckt, so viele Sympathien für den Frauenfußball – das wird bleiben. Besonderer Dank gilt Doris Fitschen, Steffi Jones und DFB-Vizepräsidentin Hannelore Ratzeburg. Ich wage sogar einmal die Gegenthese: Wer weiß, ob sich bei einem deutschen Turniersieg nicht dieses nagende Gefühl eingeschlichen hätte, der Titel sei nicht so viel wert, weil die Deutschen zu überlegen und die anderen Mannschaften nicht ebenbürtig gewesen seien. Wenn wir etwas falsch gemacht haben in Deutschland, dann waren es zwei Dinge: erstens der Mangel an Aufmerksamkeit und Wertschätzung für die Leistungsstärke der anderen.

Und zweitens?

Ein oft überhebliches Gehabe von Männern gegenüber Frauen. Ich habe die Nationalspielerinnen in meinen Gesprächen ermutigt, stärker in die Öffentlichkeit zu gehen, und von ihren beeindruckenden sportlichen und persönlichen Lebensläufen zu erzählen. Weil die Menschen daran interessiert sind und sich auch darüber freuen. Wenn eine Spielerin wie Fatmire Bajramaj dann aber öffentlich erfreulicherweise sehr präsent ist, kommen manchmal Kritik und Häme.

Debatten über Multikulti sind diesmal ausgeblieben– trotz der Bajramajs und Okoyino da Mbabis im deutschen Team. Ist das Thema durch?

Wir sind alle dabei, die Offenheit, die Team- und Leistungsfähigkeit einer bunten Republik Deutschland anzuerkennen. Dass Spielerinnen mit ausländischen Wurzeln oder muslimischen Glaubens Normalität sind, ist eine wunderbare Erfahrung für uns alle. Wir müssen uns weiter anstrengen, keine Frage. Aber diese WM hat gezeigt: Wir sind auf einem guten Weg. Teamgeist erfordert Anstrengung von allen Beteiligten. Da genügt ein Blick auf die Probleme der französischen Nationalmannschaft 2010, nachdem es 2006 noch extrem erfolgreich lief.

Das heimliche Thema diesmal war eher Homosexualität. Im Männerfußball ein Tabu, bei den Frauen – im Gegenteil – ein Ankämpfen gegen das Vorurteil des „Lesbensports“. Sehen Sie da eine Veränderung oder eine Zäsur?

Ich erlebe den Sport als hoch integrativ: Menschen unterschiedlicher Herkunft und Sprache, verschiedenen Alters, Behinderte und Nicht-Behinderte kommen zusammen und erleben Gemeinschaft. Deswegen ist der Sport für die Gesellschaft so wichtig, und das rechtfertigt auch die besondere Förderung und die Nähe, die die Politik zum Sport sucht.

Ich sprach von Homosexualität im Sport.

Da gilt das doch auch. Ich glaube, dass es kein Problem gibt mit homosexuellen Spielerinnen und Spielern in Frauen- und Männermannschaften. Hauptsache, sie sind eine Bereicherung fürs Team. Gewinnen wollen alle gemeinsam.

Was? Kennen Sie etwa schwule Fußball-Profis, die sich geoutet hätten? Oder denken Sie an die Sprüche in den Fankurven, von den Ultras ganz zu schweigen!

Sexualität ist Privatsache. In einigen Jahren werden wir Spieler haben, die ihre Homosexualität offen leben. Bei den Frauen ist das offenkundig der Fall.

Stimmt. So sehr, dass Frauenfußball eben vielen als Lesbensport gilt.

Das ist doch schon wieder plattes Chauvi-Gerede! Es gibt homosexuelle Sportler, also wird es sie auch in Nationalmannschaften geben. Wenn die Frauen damit offener umgehen, sind sie den Männern ein Stück voraus. Wir werden demnächst auch Frauen als Trainerinnen bei den Männern erleben. Eine Silvia Neid kann auch eine Männer-Bundesligamannschaft trainieren.

Ihr Optimismus in allen Ehren, aber...

... Warten Sie's ab, das kommt!

Werden Sie am Sonntag einen Besuch in den Kabinen der Finalistinnen machen?

Nein.

Der Besuch der Fußball-WM in Südafrika wurde Ihnen als Anbiederung und Populismus ausgelegt wie die sofortige Verleihung des „Silbernen Lorbeerblatts“.

Die Mannschaft hatte die später im Schloss Bellevue vorgenommene Ehrung verdient, weil sie Deutschland vor den Augen der Welt hervorragend vertreten hat. Die Fußball-Fans haben das sehr gut verstanden.

Aber wenn der Präsident doch mal in die Kabine kommt: Was sagt er da außer Plattitüden?

Bei einem Kabinenbesuch passiert emotional und atmosphärisch viel. Ich komme ja als Repräsentant des Staates dort hin und überbringe stellvertretend den Dank und die Anerkennung des ganzen Landes. Ich hatte gerade in Südafrika im Trainingslager die Gewissheit, das bedeutet den Spielern etwas.

In der vorigen Woche ist nicht nur der Titelgewinn bei den Frauen gescheitert, sondern auch die Olympiabewerbung Münchens für 2018. Sie plädieren nach dem Gesetz der Serie für einen neuen Anlauf?

Ich weiß aus eigener Erfahrung gut, dass manchmal mehrere Anläufe erforderlich sind, um ein Ziel zu erreichen. Der entscheidende Punkt in Durban war offensichtlich, dass sich die Südkoreaner schon zum dritten Mal beworben hatten, zuvor zweimal ganz knapp gescheitert und zur erneuten Bewerbung aufgefordert waren. Wir sollten jetzt langen Atem haben und in Ruhe überlegen, ob wir mit der hervorragenden Bewerbung Münchens für 2022 oder 2026 noch einmal ins Rennen gehen – oder für die Sommerspiele 2028, weil 2020 zu kurzfristig wäre und 2024 Südafrika große Chancen eingeräumt werden.

Mit Austragungsort Berlin.

Lassen Sie das doch in Ruhe den DOSB und die deutsche Öffentlichkeit beraten. Neben Berlin kommt beispielsweise auch Hamburg als weltweit geschätzte Handels- und Kulturmetropole in Frage. Entscheidend ist aus meiner Sicht, welche Region die größte Zustimmung ihrer Bevölkerung entfacht.

Nach der Männer-WM musste der Teamgeist der Nationalelf als Vorbild für eine zerstrittene Regierung herhalten. Was ist die Lehre aus der Frauen-WM für die Politik?

Fehler anderer auszuputzen, nicht auszunutzen, Teamgeist. Optimale Nachwuchsförderung. Eigentlich bräuchte es mehr Talentscouts für Regierung und Parteien.

Soll das eine Bewerbung sein?

Es gibt ja zum Glück schon einige, die sich um die nachwachsende Generation von Verantwortungsträgern in der Politik kümmern.

Nur: Wer schafft sich heute schon gern die Konkurrenz von morgen?

Mehr Scouts, Talentsucher in der Politik sind aber vonnöten. Fußball-Nachwuchstrainer Horst Hrubesch kann Ihnen genau sagen, wer in fünf Jahren zu den Großen gehört. Ich selbst habe zumindest versucht, diesen Sportsgeist in die Politik zu tragen. Annette Schavan, heute Bundesministerin und stellvertretende CDU-Vorsitzende, war 1994 in meinem Schattenkabinett. Ursula von der Leyen – ebenfalls Bundesministerin und stellvertretende CDU-Vorsitzende – war in meinem Kabinett. David McAllister, den heutigen Ministerpräsidenten in Hannover, habe ich früh schätzen gelernt ebenso wie Eckart von Klaeden, Staatsminister im Kanzleramt. Ich habe von ihnen allen ebenso profitiert wie unser Land. Wir können vom Sport tatsächlich viel lernen – mit der Optimalbesetzung auf jeder Position.

(Interview: Joachim Frank)

Datum:  16 | 7 | 2011
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